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Stuttgarter Unternehmensnachfolge-Round-Table: Warum Zeit der wichtigste Erfolgsfaktor ist

Mittelstand zwischen Wandel und Unsicherheit: Fehlende Nachfolger, Fachkräftemangel und schwierige Finanzierung als zentrale Herausforderungen

Hochkarätig besetzte Runde beim Round Table (v.l.n.r.): Christian Roth (Bansbach GmbH), Martin Wulf (PKF Wulf Gruppe), Dr. Hans-Georg Kauffeld (Haver & Mailänder Rechtsanwälte Partnerschaft mbB), Dr. Klaus-Dieter Rose (Menold Bezler Rechtsanwälte Steuerberater Wirtschaftsprüfer Partnerschaft mbB) sowie Tiemo Kobera und Bianca Menzel (beide Südwest Media Network). Alle Fotos: Lichtgut/Ferdinando lannone
Hochkarätig besetzte Runde beim Round Table (v.l.n.r.): Christian Roth (Bansbach GmbH), Martin Wulf (PKF Wulf Gruppe), Dr. Hans-Georg Kauffeld (Haver & Mailänder Rechtsanwälte Partnerschaft mbB), Dr. Klaus-Dieter Rose (Menold Bezler Rechtsanwälte Steuerberater Wirtschaftsprüfer Partnerschaft mbB) sowie Tiemo Kobera und Bianca Menzel (beide Südwest Media Network). Alle Fotos: Lichtgut/Ferdinando lannone

Wer ein Unternehmenübergibt, reicht den Staffelstab an andere weiter, lässt los, trennt sich von seinem Lebenswerk und muss akzeptieren, dass andere künftig eigene Entscheidungen treffen. Genau deshalb ist das Thema Unternehmensnachfolge weit mehr als ein steuerrechtlicher oder juristischer Vorgang - es ist auch und besonders von Emotionen begleitet. Diese Erkenntnis zog sich wie ein roter Faden durch den Round Table von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten im Pressehaus Stuttgart, bei dem Moderatorin Bianca Menzel (Südwest Media Network) durch die Diskussion führte.

Die bundesweiten Zahlen zeigen den Handlungsdruck: Laut KfW wollen bis Ende 2029 rund 109.000 Unternehmen ihre Nachfolge regeln. Gleichzeitig planen sogar mehr Betriebe, ihren Betrieb einzustellen, weil es keinen Nachfolger oder keine Nachfolgerin gibt. Für die Experten ist klar, das Thema betrifft längst den gesamten Mittelstand. In Baden-Württemberg, wo das Herz des Mittelstands schlägt, ist das noch dringlicher.

Dr. Klaus-Dieter Rose (Menold Bezler Rechtsanwälte Steuerberater Wirtschaftsprüfer Partnerschaft mbB) verweist auf die Wirtschaftsstruktur Baden-Württembergs. Gerade in Industrie, Maschinenbau und Automobilzulieferindustrie erreichten viele Unternehmer der Babyboomer-Generation das Rentenalter. „In den kommenden Jahren werden viele Unternehmen auf den Markt kommen. Potenzielle Käufer haben dadurch eine deutlich größere Auswahl“, sagt Rose. Selbst erfolgreiche Familienunternehmen fänden heute oft keinen Nachfolger mehr innerhalb der eigenen Familie.

Martin Wulf (PKF Wulf Gruppe) sieht die Ursachen noch grundsätzlicher. „Kaum etwas ist aktuell so beständig wie die Veränderung selbst“, sagt er. Digitalisierung, Automatisierung und neue Technologien veränderten nahezu jede Branche. Gleichzeitig hätten sich die Erwartungen der jungen Generation stark verändert. „Vor zehn Jahren haben die Vorstellungen von Unternehmern und Nachfolgern besser zusammengepasst als heute.“ Hinzu kämen deutlich schwierigere Finanzierungsbedingungen. 

Wer heute ein Unternehmen übernehmen wolle, müsse höhere Risiken tragen als früher. Deshalb brauche es Berater, die technologische Entwicklungen verstünden und unterschiedliche Generationen zusammenbringen könnten. Für Dr. Hans-Georg Kauffeld (Haver & Mailänder Rechtsanwälte Partnerschaft mbB) liegt das Problem auch in den Strukturen vieler Unternehmen.„Unternehmertum setzt Mut, Verantwortung und Risikobereitschaft voraus. Eigenschaften, die aus meiner Sicht seltener geworden sind“, sagt er. Viele junge Menschen bevorzugten eher eine sichere Festanstellung als die Herausforderung einer Unternehmensführung. Daher würden Management-Buyouts, bei denen Führungskräfte den eigenen Betrieb übernehmen, immer seltener. 

Christian Roth (Bansbach GmbH) lenkt den Blick auf den Standort. „Im ländlichen Raum ist es häufig noch schwieriger, geeignete Nachfolger zu finden“, sagt er. Das gelte selbst für Steuerberatungskanzleien. Während sich Praxen außerhalb der Ballungsräume früher problemlos verkaufen ließen, werde heute häufig nicht einmal mehr der gewünschte Kaufpreis erzielt. Einigkeit herrscht darin, dass viele Unternehmer die Nachfolge zu spät angehen. „Das ist eines der größten Hemmnisse überhaupt“, sagt Kauffeld. Man müsse sich im Grunde bereits Gedanken machen, wenn die Kinder noch heranwüchsen. Dann könnten Erwartungen rechtzeitig geklärt und Strukturen aufgebaut werden. Beginne dieser Prozess erst kurz vor dem Ruhestand, träfen häufig völlig unterschiedliche Vorstellungen aufeinander.

Unternehmen aus der Region

Mut zu eigenen Entscheidungen

Rose formuliert es so: „Eigentlich ist immer der richtige Zeitpunkt, sich mit Unternehmensnachfolge zu beschäftigen.“ Spätestens fünf Jahre vor dem geplanten Rückzugmüsse geklärt sein, wer Verantwortung übernehmen könne, ob das Unternehmen ohne den Inhaber funktioniere und ob es einen Plan für den Notfall gebe, so sein Rat.

Wulf bringt einen weiteren Aspekt in die Runde ein. „Der richtige Zeitpunkt hängt auch vom Altersunterschied zwischen Unternehmer und Kindern ab“, sagt er. Wer beispielsweise spät Vater geworden sei, könne möglicherweise nicht einfach die Verantwortung auf eine sehr junge Tochter oder einen jungen Sohn übertragen. In solchen Fällen könne ein Fremdgeschäftsführer eine sinnvolle Brücke sein.

Loslassen fällt schwer, das kann Kauffeld aus seiner Praxis bestätigen. Gleichzeitig müsse ein Nachfolger den Mut haben, eigene Entscheidungen zu treffen. „Da geht es darum, sich seinen Platz zu erarbeiten und Dinge verändern zu dürfen“, sagt er. Er berichtet von einem mittelständischen Weltmarktführer, bei dem der Sohn bewusst andere Entscheidungen traf als sein Vater - und damit sehr erfolgreich ist.

Viele Unternehmen fahren auf Sicht

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erschweren Nachfolgeregelungen zusätzlich. Rose verweist auf Fachkräftemangel, hohe Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und Lieferkettenprobleme. „,Früher konnte man fünf Jahre vorausplanen. Heute fahren viele Unternehmen auf Sicht“, sagt er. Wer ein Unternehmen übernehme, prüfe deshalb sehr genau, wie wettbewerbsfähig Produkte seien, wie digital ein Betrieb aufgestellt sei und ob genügend qualifizierte Mitarbeiter vorhanden seien. 

Auch Wulf fordert bessere politische Rahmenbedingungen. Familienunternehmen seien deutlich stärker auf Banken angewiesen als börsennotierte Unternehmen. „Gerade Eigenkapitalprogramme könnten Unternehmensnachfolgen erheblich erleichtern.“ Hier sehe er politischen Nachholbedarf.

Wie sich der Unternehmenswert steigern lässt, beantworten die Experten aus unterschiedlichen Perspektiven. Wulf plädiert für eine ganzheitliche Vorbereitung. Neben dem operativen Geschäft müssten Unternehmer frühzeitig auch gesellschaftsrechtliche, steuerliche und familiäre Fragen regeln. 

Kauffeld nennt drei zentrale Voraussetzungen: Das Unternehmen müsse unabhängig vom Inhaber funktionieren, transparent organisiert sein und überzeugende Zukunftsperspektiven bieten. „Diese Maßnahmen sollte man nicht erst wegen der Nachfolge angehen - am besten hätte man gestern damit begonnen“, sagt er.

Rose ergänzt, viele Unternehmen seien noch immer zu stark auf ihren Gründer zugeschnitten. Dokumentierte Prozesse, eine zweite Führungsebene und klare Verantwortlichkeiten seien heute unverzichtbar. „Man denkt häufig nur an den Ruhestand. Tatsächlich kann aber jederzeit etwas Unvorhergesehenes passieren“, mahnt er. Für Roth beginnt gute Nachfolge schließlich mit solider Vorsorge. „In jeden Notfallkoffer gehören Testament, Vollmachten und alle Unterlagen, die sicherstellen, dass das Unternehmen handlungsfähig bleibt.“ 

Klar ist: Patentrezepte gibt es nicht. Jede Unternehmensnachfolge ist so individuell wie das Unternehmen selbst.

Von Reimund Abel


PKF Wulf Gruppe

Die PKF Wulf Gruppe zählt zu den führenden unabhängigen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften für den Mittelstand. Mit rund 450 Mitarbeitenden und zehn Standorten in Baden-Württemberg begleitet sie familiengeführte und mittelständische Unternehmen in steuerlichen, wirtschaftlichen und strategischen Fragestellungen.

Im Bereich Unternehmens- und Vermögensnachfolge unterstützt die PKF Wulf Gruppe Unternehmen bei der strategischen Vorbereitung und nachhaltigen Umsetzung der Unternehmensübergabe. Ob familieninterne oder externe Nachfolge, jede Unternehmensübergabe stellt individuelle Anforderungen. Im Fokus stehen die frühzeitige Analyse der jeweiligen Unternehmenssituation sowie die Entwicklung tragfähiger Nachfolgelösungen mit dem Ziel, den Fortbestand des Unternehmens langfristig zu sichern. Eine vertrauensvolle und persönliche Begleitung während des gesamten Nachfolgeprozesses sowie die Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten sind dabei zentrale Bestandteile des Beratungsansatzes. Steuerliche, rechtliche und betriebswirtschaftliche Fragestellungen werden dabei frühzeitig zusammengeführt und ganzheitlich betrachtet. www.pkf-wulf-gruppe.de

Menold Bezler

Menold Bezler ist eine unabhängige multidisziplinäre Partnerschaft mit Sitz in Stuttgart. Rund 400 Mitarbeitende darunter 220 Beraterinnen und Berater aus den Bereichen Recht, Steuern, Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung arbeiten bei uns integriert zusammen. Mittelständische Unternehmen unterschiedlichster Branchen, die öffentliche Hand und gemeinnützige Organisationen vertrauen uns in anspruchsvollen Mandaten ebenso wie bei digitalen Transformationsprozessen. Unsere Herangehensweise: vernetzt im Denken, klar in der Umsetzung. Unser Anspruch: rechtliche, steuerliche und betriebswirtschaftliche Expertise so zu verknüpfen, dass für Mandanten tragfähige und unternehmerisch sinnvolle Lösungen entstehen. Wir sind überzeugt: Die Zukunft der Beratung ist menschlich. Fachliche Exzellenz bildet die Grundlage, entscheidend ist jedoch die Qualität der Zusammenarbeit. Nachhaltige Lösungen entstehen dort, wo Vertrauen, echtes Interesse und ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen unserer Mandantinnen und Mandanten zusammenkommen. Wir beraten auf Augenhöhe, denken unternehmerisch und übernehmen Verantwortung. Dabei hören wir zu, verstehen unterschiedliche Perspektiven und entwickeln gemeinsam Lösungen, die langfristig tragen. www.menoldbezler.de