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Leonberg

Round Table II Unternehmensnachfolge in Stuttgart: Wenn es bei der Nachfolge zu sehr menschelt

Frühzeitige Vorbereitung, klare Verantwortlichkeiten und strategische Unternehmensführung als Schlüssel für eine erfolgreiche Übergabe

Der schwierigste Teil der Unternehmensnachfolge ist häufig nicht juristisch - sondern menschlich. Zwar stehen die rechtlichen und steuerlichen Instrumente für eine erfolgreiche Übergabe bereit. Ob der Generationswechsel gelingt, entscheidet jedoch vor allem eine frühzeitige Vorbereitung, klare Strukturen und die Bereitschaft, Verantwortung tatsächlich abzugeben. 

Eine Analyse, die von allen vier Experten im zweiten Part des Round Table Unternehmensnachfolge von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten unterstützt wird. Aber was sind denn wichtige Faktoren, damit der Wechsel in einem Unternehmen für alle Seiten zum Erfolg wird?

Für Dr. Klaus-Dieter Rose (Menold Bezler Rechtsanwälte Steuerberater Wirtschaftsprüfer Partnerschaft mbB) beginnt jede Nachfolge mit einem nüchternen Realitätscheck. Die entscheidende Frage sei nicht, welches Kind übernehmen möchte, sondern welches die besten Voraussetzungen mitbringt. „Die Eltern wissen in der Regel sehr genau, welches Kind am besten geeignet ist“, sagt Rose. In der Praxis scheitere dieser klare Blick jedoch häufig am Wunsch, alle Kinder gleich zu behandeln. Gerade wenn das Unternehmen den größten Teil des Familienvermögens ausmache, entstünden daraus Konflikte. Externe Berater oder Mediatoren könnten helfen, emotionale Interessen von unternehmerischen Entscheidungen zu trennen. Der Bedarf an solchen Begleitungen nehme spürbar zu.

Christian Roth (Bansbach GmbH) beobachtet gleichzeitig, dass sich auch die Modelle der Unternehmensnachfolge weiterentwickeln. Neben klassischen familieninternen Übergaben gewännen Familienstiftungen an Bedeutung. Anhand eines aktuellen Mandats schildert er, wie Vermögen steueroptimiert in eine Stiftung eingebracht wurde, während die operative Unternehmensführung bereits geregelt war. „Die operative Nachfolge war bereits entschieden - ausschlaggebend waren steuerliche Gründe“, sagt Roth. Eine Stiftung könne Eigentum dauerhaft sichern, ersetze jedoch niemals unternehmerische Führung.

Unternehmen aus der Region

Martin Wulf (PKF Wulf Gruppe) betrachtet Unternehmensnachfolge deshalb in erster Linie als strategische Zukunftsaufgabe. Erfolgreiche Familienunternehmen beschäftigten sich nicht erst wenige Jahre vor der Übergabe mit diesem Thema, sondern bauten früh Governance-Strukturen auf, regelten Gesellschafterfragen und führten die nächste Generation schrittweise an ihre Verantwortung heran. „Unternehmensnachfolge bedeutet immer auch Sicherung des Unternehmens“, sagt Wulf. Gleichzeitig kritisiert er die derzeitige Unsicherheit bei der Erbschaftsteuer. Solange grundlegende politische Entscheidungen ausstünden, fehle vielen Unternehmerfamilien die notwendige Planungssicherheit.

Auch Dr. Hans-Georg Kauffeld (Haver & Mailänder Rechtsanwälte Partnerschaft mbB) sieht keine Standardlösung. Aus seiner Sicht ist die familieninterne Nachfolge zwar häufig das attraktivste Modell. Entscheidend sei jedoch, die tatsächlichen Fähigkeiten der nächsten Generation realistisch einzuschätzen. „Am schönsten ist es natürlich, wenn eine familieninterne Nachfolge gelingt“, meint Kauffeld. Genauso wichtig sei aber die Erkenntnis, dass Fremdgeschäftsführer oder Stiftungsmodelle im Einzelfall die bessere Lösung sein können. Maßstab müsse stets die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sein - nicht familiäre Erwartungen.

Steuerliche Belastungen vermeiden

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion waren vermeidbare Fehler. Nach Einschätzung aller vier Experten entstehen die größten Risiken nicht bei komplexen steuerlichen Konstruktionen, sondern bei unterlassenen Entscheidungen. Rose erlebt regelmäßig Unternehmer, die Testamente selbst verfassen oder gesellschaftsrechtliche Regelungen nicht aufeinander abstimmen. „Man spart den Notar und produziert jahrelange Gerichtsverfahren“, sagt er. Kauffeld ergänzt, häufig genüge eine kleine Anpassung im Testament, um erhebliche steuerliche Belastungen oder langwierige Erbstreitigkeiten zu vermeiden. Roth empfiehlt deshalb, Testamente regelmäßig zu überprüfen und an veränderte familiäre oder rechtliche Rahmenbedingungen anzupassen. 

Warum viele Unternehmer den Generationswechsel dennoch hinauszögern, erklärt Martin Wulf mit seiner Beratungspraxis. Die fachlichen Lösungen seien meist vorhanden - entscheidend sei, den Handlungsdruck rechtzeitig zu erkennen. „Vertrauen muss man aufbauen, und Vertrauen muss man bekommen“, sagt Wulf. Deshalb brauche eine Nachfolge vor allem Gespräche, Zeit und die Bereitschaft, individuelle Wege zu gehen. Standardlösungen funktionierten selten. Gute Berater müssten die Besonderheiten jedes Unternehmens und jeder Unternehmerfamilie verstehen und tragfähige Konzepte entwickeln. „Man kann nicht jedes Modell einem Unternehmer aufzwingen. Man muss erkennen, was passt - und wenn es nicht passt, einen anderen Weg gehen.“

Vier zentrale Empfehlungen

Rose sieht zusätzlich einen pragmatischen Hebel. „Wenn man Steuern sparen kann, bekommt man viele Unternehmer leichter ins Handeln“, sagt er. Steuerliche Anreize könnten den Einstieg erleichtern. Dauerhaft erfolgreich werde eine Nachfolge jedoch nur, wenn auch die wirtschaftliche und familiäre Struktur des Unternehmens tragfähig sei. Steueroptimierung allein reiche nicht aus. Aus der Diskussion lassen sich vier zentrale Handlungsempfehlungen ableiten: früh beginnen, Ziele innerhalb der Unternehmerfamilie definieren, das Unternehmen organisatorisch unabhängig vom Inhaber aufstellen und rechtliche sowie steuerliche Fragen als Teil einer Gesamtstrategie verstehen. 

Kauffeld empfiehlt dafür eine Familiencharta als gemeinsame Grundlage. Wulf plädiert für einen strukturierten Nachfolgefahrplan mit klaren Zeitachsen und einer zweiten Führungsebene. Roth rät Unternehmern, zunächst den persönlichen Ausstiegszeitpunkt festzulegen und erst anschließend die juristische und steuerliche Umsetzung anzugehen. Einig sind sich alle vier Fachleute darin: Fünf Jahre Vorlauf sind gut - zehn Jahre noch besser. 

Trotz aller Herausforderungen zeichnet die Runde ein optimistisches Bild. In den nächsten Jahren kämen eine große Zahl etablierter Mittelständler auf den Markt. Für unternehmerisch denkende Führungskräfte eröffne sich die Chance, in bestehende Unternehmen einzusteigen, anstatt selbst bei null zu beginnen. Familienunternehmen bleiben, so die Meinung, ein zentraler Stabilitätsfaktor in Deutschland. rab


Haver & Mailänder

Seit über 60 Jahren steht Haver & Mailänder für exzellente wirtschaftsrechtliche Beratung aus Stuttgart - national und international. Die 1965 von Dr. Friedrich Haver und Prof. Dr. Karl-Peter Mailänder gegründete Kanzlei berät heute mit über 30 Anwältinnen und Anwälten Großkonzerne, Banken und Institutionen ebenso wie Familienunternehmen und Unternehmerfamilien. Schwerpunkte sind Gesellschaftsrecht, M&A, Unternehmensnachfolge, Kartellrecht sowie Schiedsverfahren & Prozessführung. Darüber hinaus berät die Kanzlei in den Bereichen Arbeitsrecht, Vergaberecht, IP, IT, Medien & Datenschutz, Vertrieb & Internationaler Rechtsverkehr sowie Bau-, Architekten- & Immobilienrecht. Haver & Mailänder verbindet fachliche Exzellenz mit persönlicher Beratung, direktem Partnerkontakt und einer Kultur der kurzen Wege. Als Mitglied des internationalen Law Firm Network ist die Kanzlei weltweit vernetzt - mit schwäbischem Understatement und klarem Anspruch: wirtschaftsrechtliche Spitzenberatung auf höchstem Niveau. www.haver-mailaender.de

Bansbach GmbH

Unternehmen erfolgreich übergeben - das erfordert mehr als nur Paragrafenkenntnis. Seit über 100 Jahren begleitet Bansbach Mittelständler durch komplexe Nachfolgeprozesse – rechtlich, steuerlich und betriebswirtschaftlich. Rund 450 Mitarbeitende an zehn Standorten bundesweit - darunter der Hauptsitz in Stuttgart - stehen für umfassende Beratung aus einer Hand: Steuer-, Unternehmens- und Rechtsberatung, Wirtschaftsprüfung, Corporate Finance sowie IT Assurance & Advisory.

Im Bereich Unternehmensnachfolge bündeln interdisziplinäre Teams ihre Expertise: Ob familieninterne Übergabe, Management-Buy-out oder Verkauf - Ziel ist eine Lösung mit Weitblick, ohne unnötige Reibung. „Unternehmensnachfolge ist kein einmaliges To-do, sondern ein strategischer Prozess mit vielen Stellschrauben. Dabei denken wir ganzheitlich, bündeln alle Perspektiven und formen daraus eine zukunftsfähige Lösung“, so Christian Roth von Bansbach. www.bansbach-gruppe.de