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Round Table Baufinanzierung: Zwischen Zinsrealität und Lebensentscheidungen

Bank-Experten diskutieren beim Round Table der Stuttgarter Zeitung über aktuelle Baufinanzierung, Zinsentwicklung, Eigenkapital, Förderung und die Frage Mieten oder Kaufen

Round Table Baufinanzierung: Zwischen Zinsrealität und Lebensentscheidungen

Von links: Heimo Fischer (Moderator), Steffen Sammet (Volksbank Stuttgart), Johannes P. Koch (BW-Bank), Axel Kamilli (Sparda-Bank Baden-Württemberg), Gert Kerzinger und Tiemo Kobera (Südwest Media Network GmbH). Fotos: Lichtgut/Max Kovalenko

Wie solide lässt sich der Traum vom Eigenheim heute noch finanzieren? Diese Frage diskutierten Bank-Experten beim Round Table von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten im Pressehaus Stuttgart – moderiert von Heimo Fischer. Schnell wurde klar: Die Rahmenbedingungen haben sich verändert, aber die Relevanz des Themas ist ungebrochen.

Zu Beginn stellt Johannes P. Koch von der BW-Bank klar, dass die Entscheidung für eine Baufinanzierung immer individuell zum Kunden passen muss. „Die Frage wird seit 20 Jahren gestellt – bei 1,2 Prozent Zinsen genauso wie heute. Entscheidend ist, ob die Finanzierung zur Lebensphase des Kunden passt.“ Für viele Menschen sei die Immobilie nicht nur Kapitalanlage, sondern eine emotionale Lebensentscheidung: „Es geht um ein Zuhause – und darum, ob die monatliche Rate tragfähig ist.“ Nach Jahren des Ausnahmezustands am Zinsmarkt sei heute wieder eine gewisse Konstanz eingekehrt, sagt Axel Kamilli von der Sparda-Bank Baden-Württemberg. „Im Rückblick befinden wir uns trotz der Anstiege in einer relativ günstigen Zeit. Die drei bis vier Prozent lösen keine großen Überraschungen mehr aus.“ Viele Kunden hätten sich an das neue Niveau gewöhnt. Gleichzeitig bleibe die Unsicherheit hoch.

Unternehmen aus der Region

Auch Steffen Sammet von der Volksbank Stuttgart spürt diesen Wandel im Kundengespräch: „Das Zinsniveau zwischen 3,3 und 3,8 Prozent ist heute normal. Schwieriger wird es erst, wenn vorne eine Vier steht. Da ist für die Kunden oft die Schmerzgrenze erreicht. „Zugleich beobachte er eine klare Verschiebung: „Für die meisten steht nicht der Zinssatz im Fokus, sondern die monatliche Rate – sie entscheidet über die Kaufbereitschaft.“

Warum Prognosen kaum möglich sind

Moderator Heimo Fischer fragt nach den Ursachen der Zinsanstiege. Kamilli verweist auf ein komplexes Zusammenspiel geopolitischer und wirtschaftlicher Faktoren: „Eine einzige politische Aussage kann Kapitalmärkte um 0,3 Prozentpunkte bewegen. Prognosen sind in diesem Umfeld extrem schwierig.“ Die Inflationswelle infolge des Ukraine-Kriegs habe diese Unsicherheit verstärkt. Koch ergänzt: „2022 war es extrem. Plötzlich stand eine Zwei vor dem Komma, kurz darauf eine Drei und dann eine Vier. Niemand hatte diese Dynamik auf dem Schirm.“

Sicherheit vor Schnelligkeit

Ein zentrales Thema ist die Frage der Zinsbindung. Koch rät klar zu langfristiger Absicherung: „Solange wie möglich festschreiben. Das schafft Kalkulierbarkeit – gerade für Familien.“

Kamilli bestätigt: „Wer wenig finanziellen Puffer hat, braucht Sicherheitspolster. Bei knappen Haushalten ist eine lange Laufzeit oft der einzige Weg, steigende Risiken zu vermeiden.“ Sammet sieht in der Praxis Unterschiede: „Dort, wo es eng wird, steht Sicherheit im Fokus. Wer mehr Luft hat, nutzt eher weitere Kapitalanlagen, um zusätzlich Vermögen aufzubauen.“

Mieten oder kaufen? Eine Frage der Perspektive

Eine lebhafte Diskussion beim Round Table im Pressehaus Stuttgart.
Eine lebhafte Diskussion beim Round Table im Pressehaus Stuttgart.

Zur Frage, ob Mieten in manchen Fällen die bessere Wahl sei, sagt Koch: „Ich kann es betriebswirtschaftlich beantworten, aber am Ende ist es auch ein emotionales Thema. Eigentum fühlt sich anders an – und gibt Selbstbestimmtheit.“ Kamilli verweist zudem auf die Bedeutung im Alter: „Die niedrige Eigentumsquote in Deutschland ist ein Problem. Wer schuldenfrei in die Rente geht, hat deutlich weniger Belastung als Mieter, deren Kosten weiter steigen.“ Der psychologische Faktor sei hier viel wichtiger: „Altersarmut ist ein massives Problem.“ Sammet ergänzt ein praktisches Beispiel: „In der Miete ist man abhängig vom Vermieter. Im Eigentum kann ich handeln. Das darf man nicht unterschätzen.“

„Was kann ich mir leisten? Dieses Gespräch sollte vor jeder Immobiliensuche stehen. So kann auch einer möglichen Enttäuschung vorgebeugt werden.“

Eigenkapital bleibt entscheidend

Fischer greift das Thema Eigenkapital auf – ein zentraler Punkt bei der Baufinanzierung. „Ganz ohne Eigenkapital geht es nicht“, betont Kamilli. „Mindestens die Kaufnebenkosten müssen vorhanden sein.“ Das seien rund zehn Prozent vom Kaufpreis. Sammet rät zu frühzeitiger Planung: „Wichtig ist, frühzeitig in die Beratung zu gehen. Am besten noch bevor man ein Objekt überhaupt besichtigt.“ Koch ergänzt: „Was kann ich mir leisten? Dieses Gespräch sollte vor jeder Immobiliensuche stehen. So kann auch einer möglichen Enttäuschung vorgebeugt werden.“

Staatliche Förderung: Kompliziert mit vielen Hürden

Beim Thema Förderung zeigt sich deutliche Kritik. Kamilli fasst zusammen: „Die Programme sind kompliziert, wenig attraktiv und erreichen zu wenige Menschen.“ Koch fordert gezieltere politische Ansätze: „Eine Entlastung bei der Grunderwerbsteuer hätte direkten Effekt.“ Sammet weist auf ein weiteres Problem hin: „Viele Kunden kommen zu spät. Wer bereits Verträge unterschrieben hat, schließt Förderungen oft unbewusst aus. “

Am Ende der ersten Round Table-Runde stellt Moderator Heimo Fischer noch die Frage nach dem Angebotsvergleich. Die Experten sind sich einig: „Wir stehen gerne im Wettbewerb“, betont Kamilli. Wer zwei bis drei Banken vergleicht, sei gut aufgestellt, weiß Sammet. Die Chemie müsse am Ende stimmen -„außerdem ist es eine Entscheidung fürs Leben, niemand sollte blind kaufen“, ergänzt Koch.

Von Bianca Menzel