Bausparverträge sind Deutschland weit verbreitet, etwas mehr als 22 Millionen Verträge waren es im Jahr 2023 nach Branchenangaben. Was man über den Sparvertrag wissen sollte, ob er noch zeitgemäß ist oder wieder aktuell und wann er sinnvoll ist, beantworten wir im folgenden:
So funktioniert der Bausparvertrag
Über den Vertrag wird Eigenkapital zu Bau, Kauf oder Modernisierung der eigenen Immobilie angespart. Zuerst wird festgelegt, welche Summe zusammenkommen soll. Für diese sogenannte Bausparsumme wird jeden Monat ein bestimmter Betrag auf den Vertrag eingezahlt.
Haben Immobilieneigentümerinnen und Eigentümer einen Teil der Summe angespart – meistens die Hälfte -, können sie das Guthaben abrufen. Den fehlenden Betrag bis zur Gesamtsumme leihen sie sich bei der Bausparkasse aus.
Vor Abschluss eines Vertrags sollte überlegt werden, wann die Finanzierung gebraucht wird, und wie viel jeden Monat gespart werden kann. Anhand dessen wählt man den Bauspartarif aus.
Den Zuteilungstermin kalkulieren
Den Vertrag sollte man so kalkulieren, dass er rechtzeitig zum gewünschten Termin ausgezahlt wird, also die sogenannte Zuteilungsreife erlangt. Ansonsten braucht es eventuell eine teure Zwischenfinanzierung. Einen exakten Termin, wann das Geld kommt, dürfen die Kassen eigenen Angaben zufolge nicht nennen – aus gesetzlichen Gründen. Grob informieren Bausparkassen aber in den Spar- und Tilgungsplänen über die Auszahlung.
Die Zinskonditionen im Blick haben
Der Zinssatz für das Bauspardarlehen steht bereits bei Vertragsabschluss fest. Oft ist der Zins besser als in der herkömmlichen Baufinanzierung. Roland Stecher von der Verbraucherberatung Bremen wertet das als Vorteil: „Man sichert sich die aktuell niedrigen Zinsen für die Zukunft.“ Teilweise zehn Jahre im Voraus und unabhängig davon, wohin sich der Marktzins entwickelt. Das sorgt für Planungssicherheit. Dem günstigen Darlehen stehen allerdings mager verzinste Guthaben gegenüber.
„Die Rendite ist eine Katastrophe“, sagt Stecher. Um diesen Nachteil zu begrenzen, sollte nur das tariflich vereinbarte Mindestguthaben angespart werden. Stecher empfiehlt wegen der mauen Plus-Verzinsung maximal 50 000 Euro in den Vertrag zu stecken. Das übrige Geld sollte anderswo angelegt werden.
Ein Baustein im Finanzierungsmix
Bauspardarlehen ergänzen den Hauptkredit von der Bank. Für eine Komplettfinanzierung sind sie nach Expertenmeinung eher ungeeignet. In der Regel ist es sinnvoll, über die Bausparsumme 20 bis 40 Prozent des Kaufpreises abzudecken, so die Zeitschrift „Finanztest“.
Der Grund: Bauspardarlehen müssten schneller getilgt werden. Das treibt die monatliche Belastung nach oben und engt so den finanziellen Spielraum ein. Andererseits sind Sondertilgungen in beliebiger Höhe möglich. Die senken die Zinslast. Üblicherweise verlangen Bausparkassen im Unterschied zu Geschäftsbanken keinen Zinsaufschlag für Sondertilgungen oder eine Vorfälligkeitsentschädigung, falls der Kredit früher zurückgezahlt wird als ursprünglich vorgesehen.
Wie viel Geld aus dem Bausparvertrag und dem klassischen Hypothekendarlehen jeweils benötigt wird, sollte jede Immobilienkäuferin und jeder Immobilienkäufer individuell für sich ausrechnen.
Staat hilft den Bausparern mit Zuschüssen
Der Staat bezuschusst Bausparverträge unter bestimmten Umständen. Grundsätzlich gibt es die Wohnungsbauprämie, die Arbeitnehmer-Sparzulage und Wohn-Riester. Die Höhe der Förderung – und ob es überhaupt eine gibt – hängt vom Einkommen ab: Bei der Wohnungsbauprämie gibt es 70 Euro pro Jahr für Singles dazu, für Ehepaare das Doppelte, bei der Arbeitnehmer-Sparzulage sind es höchstens 43 Euro für Singles, 86 Euro für Paare. Bei Wohn-Riester kann der jährliche Zuschuss für eine vierköpfige Familie bis zu 950 Euro betragen. Wichtig zu wissen: „Es gibt keine Doppel- oder Dreifachförderung“, sagt Alexander Nothaft vom Verband der privaten Bausparkassen.
Fazit: Wann Bausparen lohnt
Für vergleichsweise kleine Kredite bis zu einem Volumen von 50.000 Euro kann sich das Bausparen Roland Stecher zufolge lohnen. Denn bei solchen Beträgen verlangten Geschäftsbanken häufig Aufschläge. Die gibt es bei Bausparverträgen in dieser Form nicht. Die niedrigen Darlehenszinsen können demnach vorteilhaft für Menschen sein, die ernsthaft in eine eigene Immobilie investieren wollen und voraussichtlich viel Fremdkapital brauchen.
Sinnvoll ist es dann aber, darauf zu achten, dass der Bauspartarif der individuellen Lebenssituation angepasst werden kann, wenn die sich ändert.
dpa/red
Wofür kann ich das Geld aus dem Bausparvertrag nutzen?
Info
Wer einen Bausparvertrag abschließt, weiß mitunter noch gar nicht, wofür er oder sie das angesparte und geliehene Kapital später konkret einsetzen möchte. Der Grund: Der Abschluss erfolgt oft Jahre vor der Auszahlung. Doch wie kann das Geld überhaupt genutzt werden?
Grundsätzlich ist die Bausparsumme zweckgebunden und hauptsächlich für den Bau oder den Kauf von Wohneigentum gedacht. Aber auch Renovierungen oder Modernisierungen lassen sich damit finanzieren. Mit kleineren Summen ist so zum Beispiel die Erneuerung von Türen, Fenstern, der Heizung oder dem Dach denkbar. Deswegen nennt Roland Stecher von der Verbraucherzentrale Bremen den Bausparvertrag auch „Krankenschein fürs Haus“.
Wer sich am Ende der Sparphase weder Wohneigentum anschaffen noch umbauen möchte, kann sich das angesparte Guthaben auch einfach auszahlen lassen. Mit dem Geld können Bausparerinnen und Bausparer dann tun und lassen, was sie wollen – zum Beispiel verreisen. Der Bausparkredit ist damit allerdings hinfällig.
Wer keine konkreten Kauf- oder Bauideen im Kopf hat, kann den Vertrag grundsätzlich auch weiter besparen. Weil es auf das Bausparguthaben in der Regel aber kaum Zinsen gibt, lohnt sich diese Form der Geldanlage nicht.
dpa