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Esslingen

Hin zum Kl-sicheren Arbeitsplatz

Die Kl vernichtet Arbeitsplätze? Einige bestimmt, denn in vielen Aufgaben in Büros ist sie dem Menschen überlegen. Im Handwerk jedoch wird sie Menschen nicht ersetzen können, sondern die Tätigkeiten aufwerten.

Hin zum Kl-sicheren Arbeitsplatz

„Im Handwerk tut sich was“, freut sich Ausbildungsleiter Marcell Erwerle (links), hier mit Maurer-Azubi Max Schweiker. Foto: Julia Alber

Maurer, Beton- und Stahlbetonbauer – in der Baubranche sind sie noch lange unersetzlich. Die Karl Köhler GmbH in Besigheim bildet schon seit 1943 aus. Das in der Region mit zu den größten Ausbildungsbetrieben für Maurer sowie Beton- und Stahlbetonbauer zählende Unternehmen wird in der dritten Generation geführt. Jedes Jahr drei Auszubildende ist das Ziel. Für die Qualität der Ausbildung gab es 2024 den Ausbildungspreis der Handwerkskammer Region Stuttgart. Das spricht sich herum.

Interesse am Handwerk wächst

„Im Handwerk tut sich was“, freut sich Ausbildungsleiter Marcell Erwerle. Die Anzahl derer, die an einer Ausbildung interessiert sind, nimmt zu. Auch Abiturienten entdecken zunehmend das Handwerk. Bei Karl Köhler sind auch Bewerber gern gesehen, die schon gezielt wissen, dass sie ein Studium anschließen wollen. „Die Praxis vorab richtig zu erlernen, ist überaus sinnvoll“, erklärt Erwerle, und ergänzt, dass diesen Azubis beispielsweise im Anschluss an die verkürzte Ausbildungszeit ein duales Hochschulstudium angeboten werde. Ob Abitur oder Hauptschulabschluss, die Noten sind im Bewerbungsverfahren wichtig, aber nicht allein entscheidend. Auf das Interesse an der Arbeit, technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und die Fähigkeit zur Teamarbeit komme es an, betont der Ausbildungsleiter.

Berufe am Puls der Zeit

Maurer-Azubi Max Schweiker Foto: Julia Alber
Maurer-Azubi Max Schweiker Foto: Julia Alber

Maurer klingt angestaubt, Beton- und Stahlbetonbauer wenig umweltfreundlich – doch das täuscht. Die Berufe sind am Puls der Zeit. Im Beton- und Stahlbetonbau wird beispielsweise mit recyceltem oder CO₂-reduziertem Beton gearbeitet. Auch wenn Maurer so manche alte Arbeitstechnik im Verlauf ihrer Ausbildung erlernen, haben moderne Techniken im Bauhandwerk Einzug gehalten. Vermessen wird mittels Lasertechnik, Schalungen werden mit Hilfe einer CNC-Fräse hergestellt und aus Holz oder Faserbeton vormontiert. In der Bauplanung hat sich das sogenannte Building Information Modeling (BIM) etabliert. Mit ihm wird aus dem schon bekannten 3D-Modell ein 5D-Modell, wobei die vierte Dimension die Informationen und die fünfte Dimension die Kosten sind.

Max Schweiker hat sich nach seinem Realschulabschluss für die Ausbildung zum Maurer bei der Firma Karl Köhler entschieden. Jetzt, nach dem zweiten Lehrjahr, begeistern ihn noch immer die Vielfältigkeit des Handwerks und die vielen Weiterbildungsmöglichkeiten, die mit für seine Wahl ausschlaggebend waren. Der junge Mann erzählt: „Ich kann mir nicht vorstellen, den ganzen Tag über am Schreibtisch zu arbeiten. Draußen zu sein und immer wieder einen anderen Arbeitsplatz zu haben, das gefällt mir sehr.“ Maurer sind die Allrounder auf dem Bau – ohne sie kein Rohbau. Sie erstellen das Fundament, mauern oder betonieren die Außen- wie Innenwände sowie Geschossdecken. Wenn Betonarbeiten anstehen, fertigen sie Schalungen an und montieren auch Schalungssysteme. „In der Schule lerne ich aber auch, Wände zu verputzen oder Fliesen zu legen. Es ist wichtig, mit der Arbeit vertraut zu sein, die nach unserem Einsatz anfällt. So können wir alles bestens vorbereiten“, ergänzt Max Schweiker.

Ausbildung: einfach top

Die neue Ausbildungsverordnung der 19 anerkannten Ausbildungsberufe der Bauwirtschaft, die aktuell am 1. August in Kraft trat, hat sich der Modernisierung der Ausbildung angenommen. Berücksichtigt werden moderne Technologien und Verfahren, Themen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit, smarte Gebäude, die zunehmende Vernetzung technischer Anlagen, Werkzeuge und Maschinen stehen auf dem Plan. Für die überbetriebliche Ausbildung steht mit dem Bildungszentrum Bau in Geradstetten ein moderner Ausbildungsstandort zur Verfügung. Der derzeit entstehende Neubau, ein offizielles Projekt der Internationalen Bauausstellung IBA'27, setzt ökologische Maßstäbe: Mit recyceltem Beton, regionalen Baustoffen und einem hybriden Energiesystem wird Nachhaltigkeit aktiv gelebt. Werkhallen mit modernster Medienversorgung und digitale Simulationsbereiche sollen Schulungen auf dem neuesten Stand ermöglichen.

Unternehmen aus der Region

„Als einer der ersten Betriebe haben wir 2025 die Zertifizierung primAQ für Ausbildungsbetriebe der Handwerkskammer Region Stuttgart erhalten“, erzählt Marcell Erwerle. Trotz der schon guten Ausbildungsqualität im Betrieb habe man für deren weitere Entwicklung durch diese Beratung wichtige Erkenntnisse gewonnen. Wer seinen Gesellenbrief in der Tasche hat, kann bei Karl Köhler am Förderprogramm „Junge Talente“ teilnehmen und sich beispielsweise zum Bautechniker weiterbilden. „Es gibt coole Kombinationen“, schwärmt der Ausbildungsleiter und verweist exemplarisch auf die Kombination Meister, Fachhochschulreife und Bautechniker innerhalb von zwei Jahren. „Für den beruflichen Werdegang gibt es fast nichts, was in so kurzer Zeit in eine Führungsposition führt, wie eine Ausbildung im Handwerk“, betont er.

Frauen gibt es im Bauhandwerk durchaus, aber leider sind sie noch in der Unterzahl. „Dabei tun sie einem Team echt gut und die Arbeit ist durchaus nicht nur Männersache. Wenn es schwerer zugeht, hat man heute viele technische Hilfsmittel und natürlich packt man auch gemeinsam an“, motiviert Marcell Erwerle alle Frauen, die Interesse am Bauhandwerk haben.

Von Julia Alber