
Ob Handball, Basketball, Volleyball oder Leichtathletik-jede Sportart braucht klare Regeln. Und auf dem Spielfeld werden diese Regeln durch Linien sichtbar gemacht. Ohne Bodenmarkierungen gäbe es keinen geregelten Spielbetrieb, weder im Schulsport noch bei Weltmeisterschaften. Dass Millionen Menschen in Deutschland Tag für Tag Sport treiben können, verdanken sie daher auch dem Handwerk. Ein Beispiel dafür ist das Kornwestheimer Unternehmen Kipp, das seit den 1970er-Jahren fast alle Sportstätten in Deutschland mit den notwendigen Markierungen versieht. „Manchmal denkt man gar nicht daran, wie selbstverständlich Linien auf dem Boden sind“, sagt Geschäftsführer des Familienunternehmens Stefan Morcher.„Aber ohne sie würde in der Halle oder auf dem Platz nichts funktionieren.“
Vom Malerbetrieb zum Spezialisten
Die Wurzeln der Kipp GmbH reichen zurück ins Jahr 1946, als Paul Kipp in Kornwestheim eine Malerwerkstatt gründete. Fast zwei Jahrzehnte lang wurden dort Fassaden gestrichen und Innenräume gestaltet, bis 1967 die entscheidende Wende kam. Damals wurde die erste Kunststoff-Tartanbahn für das Schweizer Stadion Letzigrund in Zürich entwickelt, welche die klassischen Aschenbahnen ersetzen sollte.
Seniorchef Heinz Kipp erkannte damals die Chance. Eine gängige Straßenmarkierungsmaschine, die wie ein Rasenmäher geschoben wird, wurde modifiziert und er entwickelte zusammen mit einer Lackfabrik eine zweikomponentige Polyurethan-Farbe, die den Belastungen standhielt. Diese spezielle Polyurethanfarbe für Tartan-Beläge war dann auch die Grundlage für die Idee, zukünftig die Linien in Sporthallen ebenfalls mit Farbe zu applizieren. Aus einem Nischenauftrag in Zürich Letzigrund wurde eine Erfolgsgeschichte, ein Meilenstein, dem unzählige Projekte folgten.
Heute gilt das Unternehmen als Marktführer in Deutschland. Von Flensburg bis München stammen die Linien in Sporthallen, in Stadionanlagen oder Allwetterplätzen zu 95 Prozent von den Markierungsteams aus Kornwestheim. „Mit der Entwicklung weiterer Produkte, viel Engagement, Überzeugungskraft und weiterer Referenzprojekte zum Beispiel zu den Olympischen Spielen in München 1970 und Moskau 1980 wurde es zum Selbstläufer“, weiß Stefan Morcher.
Wie die Arbeit konkret aussieht, hat Stefan Morcher schon früh erlebt. Als Student und Schwiegersohn in spe jobbte er bei der Firma Kipp. „Ich kann mich noch gut erinnern: Morgens eine leere Turnhalle, abends fertig markierte Spielfelder“, blickt der heutige Geschäftsführer zurück. „Dieses direkte Ergebnis hat mich begeistert.“ Genau diese Faszination ist für viele seiner Mitarbeitenden bis heute ein Antrieb.
Mithilfe spezieller Geräte und präziser Handarbeit entstehen Spielfelder für Handball, Badminton, Volleyball oder Basketball. An einem Tag schaffen die Monteure bis zu 1.000 Meter Linien. „Jede Linie und Sportart hat ihre eigene Farbe und ihren Platz.“ Insgesamt sind es rund 1.000 Sportstätten pro Jahr vom kleinen Schulhofspiel„Himmel und Hölle“ bis zu international genutzten Arenen. Besonders eindrucksvoll sind die großen Referenzen in der Region, zu denen auch die Stuttgarter Porsche-Arena sowie die MHP-Arena in Ludwigsburg und hunderte Schul- und Vereinssporthallen in der Region zählen.
Rund 30 Mitarbeitende beschäftigt das Unternehmen, verteilt auf vier Standorte: die Zentrale in Kornwestheim, dazu Niederlassungen in Hermsdorf bei Magdeburg, Jülich und Passau. Auch die Söhne von Stefan Morcher packen im Familienbetrieb mit an„Die beiden haben schon als Schüler das eine oder andere Volleyballfeld aufmalen dürfen.“
Die Arbeit ist anspruchsvoll, verlangt handwerkliches Geschick, Genauigkeit und ein gutes Auge. „Man muss nicht unbedingt Maler sein“, erklärt der Geschäftsführer. „Wir beschäftigen Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen - vom Geologen bis zum Lehrer. Wichtig ist, dass man mit Montagearbeit klarkommt und Freude an Präzision hat.“ „Es ist erfüllend, abends in eine Halle zu schauen und zu wissen: Das, was wir hier gemacht haben, wird von Hunderten genutzt“, weißs Stefan Morcher. Stefan Morcher sucht übrigens aktuell Fachkräfte für das Unternehmen (Kontakt: info@kipp-line.de).