Jeder der 14 Auszubildenden aus Simbabwe hat seine eigene Geschichte, doch eines ist bei allen gleich. Sie sind glücklich und dankbar, dass sie eine Lehrstelle bei der Metzgerei Häfele gefunden haben. In ihrem Heimatland sind gute Ausbildungen und Jobs rar gesät. Hierzulande hingegen fehlt es auch im Handwerk an Nachwuchs. Deshalb ist Werner Häfele froh, dass er die Azubis aus dem afrikanischen Land hat. „Ohne sie könnten wir unsere Ausbildungsplätze gar nicht besetzen“, sagt der Metzgermeister. Die Auszubildenden seien zudem „hochmotiviert und wollen Leistung bringen.“

Rufaro Adam kommt aus Harare, als Diplomatensohn ist er aber überwiegend in Berlin aufgewachsen. Er sei, sagt sein Chef, natürlich ein Glücksfall, nicht nur, weil er perfekt Deutsch spricht, sondern auch, weil er deutsches Leben und Kultur bereits kennt. Rufaro Adam musste auch nicht erst aus der simbabwischen Hauptstadt anreisen, wo seine Familie mittlerweile wieder lebt, sondern war bereits in Deutschland. „Ich hatte eigentlich einen Ausbildungsplatz als orthopädischer Schuhmacher in Bielefeld“, erzählt er. Doch weil sein dortiger Ausbilder es mit der Bezahlung nicht so genau nahm, der 23-Jährige aber unbedingt in Deutschland bleiben wollte, hörte er sich anderweitigum. „Ich habe eine Freundin, die bereits bei der Metzgerei Häfele eine Ausbildung macht, und jetzt werde ich Fleischereifachverkäufer und wer weiß, vielleicht mache ich danach bis zum Metzger weiter.“ In Deutschland leben will auch der 22-jährige Samuel Gumbo aus Bulawayo, der zweitgrößten Stadt Simbabwes. Eine entfernte Verwandte sei bei Häfele im zweiten Ausbildungsjahr als Fleischereifachverkäuferin und habe ihm von der Chance erzählt, die er ohne zu zögern ergriffen hat. Am 1. September hat Samuel Gumbo zusammen mit Rufaro Adam die Ausbildung bei der Metzgerei begonnen. Anders als sein Azubi-Kollege, mit dem sich Gumbo eine Mitarbeiterwohnung in Bietigheim-Bissingen teilt, besuchte er vor seiner Reise nach Deutschland erst einmal sechs Wochen lang täglich einen Sprachkurs beim Goethe-Institut. „Ich lege Wert darauf, dass meine Auszubildenden vorher Grundkenntnisse in der deutschen Sprache haben“, sagt Werner Häfele.
Mehr als nur eine Ausbildung
Alles andere bringt ihnen der Metzgermeister aus Winnenden mit 22 Geschäften in der mittleren Neckarregion bei. „Ich nehme jeden erst einmal zwei Monate bei mir privat auf.“ Das habe zum einen den Grund, dass sich die Mitarbeiter im Winnender Rathaus mit der Thematik auskennen würden und vorbildlich und schnell alle notwendigen Papiere bereitstellten.„Bei manchen gibt es aber auch erst einmal einen ärztlichen Bedarf, und ich will ihnen außerdem das Leben in Deutschland nahebringen, und auch das System, etwa wie es bei uns mit der Mülltrennung funktioniert.“ Bei dem Wort Mülltrennung müssen Rufaro Adam und Samuel Gumbo grinsen. Offensichtlich haben die Einweisungen von Werner Häfele einen nachhaltigen Eindruck auf die beiden Azubis hinterlassen. Wie Werner Häfele zu den Auszubildenden aus Simbabwe kam, auch das ist eine eigene Geschichte. „Philani, über die dann Samuel kam, war die erste“, erzählt er. Die junge Frau habe sich vergangenes Jahr auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz per E-Mail bei ihm gemeldet. „Sie muss wohl zufällig im Internet auf uns gestoßen sein, aber das Leben besteht aus Zufällen und die Kunst darin, das zu nehmen, was einem zufällt“, sagt Häfele.
Das Lernen von der Pike auf
Daraus ist eine fruchtbare Verbindung, für beide Seiten entstanden.„Ich hatte 2023 gerade mal fünf Auszubildende verteilt auf drei Ausbildungsjahre, jetzt sind es wieder 20.“ Die meisten der jungen Simbabwer zwischen 18 und 28 Jahren wollten in Deutschland bleiben, und sein Ziel sei es, von den 14 Simbabwerinnen und Simbabwern, die bei ihm derzeit lernen „mindestens fünf bis sechs zu Leistungsträgern bei uns zu machen, als Filialleiter oder Produktionsleiter“.
Im Moment ist aber erst mal das Lernen von der Pike auf angesagt. Die beiden angehenden Fleischereifachverkäufer bedienen im Imbiss und im Laden, arbeiten aber auch immer wieder hinter den Kulissen in der Produktion. Und auch auf die Berufsschule gehen sie, was dank ihrer Deutschkenntnisse zwar immer noch nicht ganz einfach, aber um einiges leichter fällt.
Und weil es sich mittlerweile in Simbabwe herumgesprochen hat, welche Möglichkeiten sich hier für engagierte junge Menschen bei der Metzgerei Häfele bieten, bekommt er weiterhin Bewerbungen aus dem Süden Afrikas.