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Bad Cannstatt: Kreative Künstlergemeinschaft feiert Jubiläum

Seit neun Jahrzehnten bringt das Kunsthöfle Kunst unters Cannstatter Volk und über die Grenzen hinaus: von den Anfängen als Freilichtgalerie bis heute.

Bad Cannstatt: Kreative Künstlergemeinschaft feiert Jubiläum

Seit 90 Jahren gibt es das „Kunsthöfle“, eine der ältesten Galerien Stuttgarts. Neun Ausstellungen jährlich organisiert das Leitungsteam. Erst kürzlich ist im Amtsgericht die aktuelle Ausstellung mit Werken französischer Künstlerinnen und Künstler eröffnet worden.    Fotos: Eva Herschmann

Das Kunsthöfle bringt Kunst unter die Leute - und das schon seit neun Jahrzehnten. Am vergangenen Sonntag wurde die aktuelle Ausstellung mit Werken von Gastkünstlerinnen und -künstlern der Association des Arts plastique Strasbourg in der Galerie im großzügigen Foyer des Cannstatter Amtsgerichts eröffnet, die dem Kunsthöfle seit mehr als 50 Jahren als Ausstellungsort dient.

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Das Kunsthöfle ist eine der ältesten Galerien Stuttgarts und war von Anfang an ein Ort der Begegnung, allein schon aufgrund seiner Lage. Denn alles begann als Freilichtgalerie mit Schaukästen in der Passage zwischen Marktstraße und Badstraße. Der stets frequentierte Innenhof mit seinen großen Vitrinen in der von dem Cannstatter Architekten Eugen Mertz erbauten Anlage machte das Kunsthöfle zur idealen Freilichtgalerie, die auch für ein breites Publikum leicht erreichbar war. 

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Eröffnet wurde die erste Ausstellung anno 1936 durch den Maler Hermann Metzger, dem Schriftsteller und Journalisten Erich Schlenker, der mit dem treffenden Ausspruch "...es isch halt a Höfle“ den Namen prägte, und dem Architekten Eugen Mertz. Lange Zeit war das Höfle dann auch die zentrale Ausstellungsfläche des nicht eingetragenen Vereins, an dessen Spitze 35 Jahre lang Hermann Metzger stand. 

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Der 1896 geborene Kunstmaler gilt als "malender Chronist von Cannstatt“ und hat die lokale Kulturszene maßgeblich geprägt - als Gründer des Kunsthöfles, Mitbegründer der Narrenzunft Kübelesmarkt und 1959 als Initiator des ersten Heimatmuseums in der Wilhelmstraße. 

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1971 übernahm der Maler und Grafiker Hermann Geiger den Vorsitz. Schon als Kind war er in Kontakt mit dem Kunsthöfle gekommen. Im Katalog zur Ausstellung "26 Künstler aus Stuttgart“ im Jahr 1986 wird er folgendermaßen zitiert: "Als das Kunsthöfle entstand, war ich ein zehnjähriger Junge und hatte in dieser zentral gelegenen Freiluftgalerie meine ersten Begegnungen mit den hinter großen Schaufenstern in tiefen Schaukästen ausgehängten Gemälden der Cannstatter ,Kunsthöfler', wie man sie nannte... Es war (...) eine gute Schule für das Auge und bestätigt mir heute die fraglos richtige These, dass die Kunst es ist, dass diese Künstler es sind, die uns normal Sterbliche das Sehen lehren." Unter Geiger verlagerte das Kunsthöfle 1973 seinen Standort zunächst in die Räume der Stadtteilbücherei und später ins Amtsgericht und Bezirksrathaus, wo bis heute regelmäßig Ausstellungen der "Kunsthöfler“ stattfinden.

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 1983 wurde Wilhelm Richard Heinrich "Willy“ Wiedmann Vorsitzender. Dem vielseitig talentierten Maler, Bildhauer, Musiker, Komponisten, Schriftsteller und Galeristen folgte 1988 die Galeristin Irene Schmid. 2010 wurde das Kunsthöfle unter dem Kunsthistoriker, Geistes- und Sozialwissenschaftler Helge Bathelt, der auch Vorsitzender der Europäischen Kulturgemeinschaft e.V. war, ein eingetragener Verein.

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Seit 2023 steht ein siebenköpfiges Team unter der Leitung von Heike Renz dem Kunsthöfle mit seinen etwa 80 Mitgliedern vor. Gemeinsam organisieren sie jährlich neun Ausstellungen, "drei im Bezirksrathaus und sechs im Amtsgericht“, sagt Heike Renz. Miteinander tragen sie den Gedanken der Gründerväter weiter. "Wir wollen Kunst publik und für alle schmackhaft machen, und wir leben den Europagedanken“, sagt die Malerin und diplomierte Textildesignerin und erzählt von Ausstellungen des Kunsthöfles im "Pavillon Joséphine“ im "Parc d'orangerie“ in Straßburg oder im ungarischen Ujbuda, dem elften Stadtbezirk von Budapest, mit dem Cannstatt eine offizielle Partnerschaft hat. Auch der kleine künstlerische Grenzverkehr wird gepflegt - etwa mit Ausstellungen in der Städtischen Galerie in Herrenberg oder im Kunst Werk in Fellbach.
Die 90-jährige Geschichte des Vereins sei von Menschen getragen worden, von Ideen, von Mut - und vor allem von Kunst, sagt Heike Renz: "Und es sind in erster Linie die Mitglieder, die mit ihrem Talent und ihrer Kreativität das Herz unseres Kunsthöfles bilden.“ Generationen von Künstlern hätten hier gearbeitet, gedacht, gesucht und gefunden - und das soll möglichst lange noch so weitergehen, am besten mindestens noch einmal 90 Jahre.


Von Eva Herschmann