Hinter der bunten Hausfassade warten einladende und gemütliche Räume. Im Mai hat das Mutter-Kind-Zentrum für Rom:nja Mütter und Kinder in der Cannstatter Marktstraße seine Türen geöffnet.„Es hat ein bisschen gedauert, aber mittlerweile wird das Angebot gut angenommen“, sagt Jessica Danilejko. Die 33-Jährige ist die Projektleiterin im „Mukiz“, das sich als Ort der Begegnung und des gemeinsamen alltagsorientierten Lernens versteht und von der Bürgerstiftung Stuttgart initiiert und finanziert wird.
Auf mehr als 500 Quadratmetern ist drinnen reichlich Platz. Das Untergeschoss dient als Lager, das Mukiz hat es sich in der ersten und zweiten Etage gemütlich gemacht. Ein Team der Mercedes-Benz Mobility AG hat vor dem Einzug ehrenamtlich die Räume frisch gestrichen, und die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden haben alles liebevoll eingerichtet. Im Erdgeschoss stehen Sofas, Tische, Stühle, alles recht bunt, aber nicht bunt zusammengewürfelt, sondern geschmackvoll zusammengestellt. „Das meiste hier unten ist ausrangiertes Mobiliar von Firmen, die Stühle standen beispielsweise früher in einer Kantine“, sagt Jessica Danilejko. Es gibt eine kleine, mit Matratzen ausgelegte „Tobe-Ecke“ und eine „Boutique“ mit gespendeten Kleidungsstücken.
Die Einrichtung trägt zum Wohlfühlen bei
Im zweiten Stock haben die Kleinen einen großen und dank vieler Spenden gut ausgestatteten Spielbereich. Direkt daneben ist ein heimeliger Wohnbereich mit Küche. Schöne Möbelstücke, Gemälde, Teppiche und Lampen tragen zum Wohlfühlen bei. Sie seien alle aus dem Nachlass einer Dame, die viel Stil beim Einrichten hatte, sagt Jessica Danilejko.„Und wir würden uns wünschen, dass die Frauen und Kinder, die draußen ständig mit Diskriminierung und Vorurteilen konfrontiert sind, das hier als ihr Zuhause sehen.“


Sechs Frauen und ihre Kinder, insgesamt rund 25 Angehörige der Roma, nutzen derzeit die Angebote im Mukiz. Viel mehr Menschen, sagt Jessica Danilejko, könnten sie mit dem vorhandenen Team nicht stemmen. Geöffnet ist an vier Tagen in der Woche. Montags sind die Mitarbeitenden von „,Diarom“ im Haus und bieten Beratungen an. „Diarom“ ist ein Gemeinschaftsprojekt vie-ler Partner und will zugewanderten Roma in Stuttgart den Zugang zu Hilfsund Bildungssystemen erleichtern. Der MutterKind-Treff am Dienstag und Mittwoch dient dem Austausch und spielerischen Lernen beim Malen, Basteln und Vorlesen. Die Fachkräfte begleiten die Kinder beim Spielen und geben Hilfestellung bei den Hausaufgaben, und die Mütter haben Zeit zu reden. „Denn auch die Mütter lernen voneinander“, sagt Jessica Danilejko.
Bildung passiert praxisnah
Die Lernwerkstatt am Mittwochnachmittag soll Kinder und Mütter in ihrer Entwicklung unterstützen und stärken, erklärt Jessica Danilejko. Es gehe um Selbstbestimmung, Beziehung und gemeinschaftliches Lernen. Bildung wird hier nicht vermittelt, sondern passiert praxisnah, lebensweltbezogen und dialogorientiert. „Bei uns werden Sprache und Zahlen beim Tisch decken gelernt, denn jeder Tag beginnt mit einem gemeinsamen Essen.“ Und donnerstags öffnet die Textilwerkstatt. „Wir haben vier Nähmaschinen, und die Frauen bringen Stoffe und Kleidung mit“, so die Projektleiterin. Die Frauen, die ins Mukiz kommen, wollen etwas tun. Für sich, für ihre Kinder. Wie die Mutter, die mit ihren Kindern im Mai nach Deutschland gekommen war. „Anfangs haben sie auf der Straße und vom Pfandflaschensammeln gelebt. Alle haben kaum geschlafen, waren fix und fertig und ständig auf der Hut“, sagt Jessica Danilejko. Jetzt habe die kleine Familie eine Bleibe, die Frau eine 50-Prozent-Stelle als Reinigungskraft und die älteste Tochter sei eingeschult worden. „Das sieht nach nicht viel aus, aber für die Familie ist eine Menge passiert.“ Dank des Mukiz-Teams. „Wir haben ihnen das Gefühl gegeben, dass sie willkommen sind, und dass wir sie sehen.“
Die Frauen haben Vertrauen gefasst, kommen zuverlässig zu den Angeboten, die eine regelmäßige Teilnahme erfordern. Dass sie das Mutter-Kind-Zentrum als ein Stück Heimat betrachten, habe ihre eine kleine Szene gezeigt, erzählt Danilejko. „Neulich kam eine Frau herein, hat sich in der Küche eine Kaffeetasse geschnappt und gesagt, das ist jetzt meine. Das hat mich so gefreut.“
Von Eva Herschmann