Eigentlich kann bei der Fußball-Europameisterschaft in diesem Jahr in Deutschland nichts schief gehen: Bei den bisherigen drei EM-Siegen einer deutschen Nationalmannschaft – 1972, 1980 und 1996 (ja, mehr EM-Siege waren es tatsächlich nicht) – stand jedes Mal auch ein Nationalspieler im Kader, der beim VfB Stuttgart als Fußballprofi aktiv war.
Nach Jahren der VfB-Flaute in deutschen Nationalmannschaften – 2012, 2016 und 2021 war bei den EM-Turnieren kein aktueller Spieler der Roten dabei – haben sich die schlechten Zeiten geändert: Mit Alexander Nübel, Maximilian Mittelstädt, Waldemar Anton, Chris Führich und Deniz Undav sind gleich fünf Spieler des deutschen Vize-Meisters im Aufgebot– das gab es tatsächlich noch gar nie.

Bei der Europameisterschaft 2004 haben Andreas Hinkel, Timo Hildebrand, Philipp Lahm und Kevin Kuranyi die Farben der Roten vertreten. Jetzt haben die fünf aktuellen VfB-Heroen die Chance, einen draufzusetzen und Europameister zu werden.
Ein Rückblick auf die schwäbischen EM-Helden zeigt, dass schon ei der ersten Teilnahme einer deutschen Nationalmannschaft in dem seit 1960 ausgetragenen Wettbewerb, nämlich im Jahr 1972 (in Belgien) mit Horst Köppel gleich ein VfB-Spieler im Kader des damaligen Bundestrainers Helmut Schön stand – wenn auch damals ohne Einsatz für ihn.
Das Brüderpaar Bernd und Karlheinz Förster sowie Hans Peter „Hansi“ Müller waren wesentlich daran beteiligt, dass die DFB-Auswahl bei der EM 1980 in Italien ihren zweiten EM-Titel errungen hat. Der Weltklasse-Vorstopper Karlheinz Förster war in allen Spielen mit von der Partie. Bernd Förster trug mit zwei Einsätzen in der Vorrunde ebenfalls seinen Teil zum späteren Titelgewinn bei. Während die Förster-Brüder ein schier unüberwindbares Abwehrbollwerk bildeten, setzte Hansi Müller als genialer Mittelfeldakteur des VfB auch in der Nationalelf offensive Akzente. In allen vier Begegnungen beim Turnier 1980 eingesetzt, glänzte er besonders mit zwei Torvorlagen in den Vorrundenspielen.
In den 1980er und 1990er Jahren standen mit Guido Buchwald, Karl Allgöwer, Michael Frontzeck und Matthias Sammer weitere VfB-Spieler bei erfolgloseren EM-Turnieren im deutschen Kader, genauso wie 2008 Thomas Hitzlsperger und Mario Gomez. 2021 kämpften bei der EM wenigstens fünf ehemalige VfB-Spieler mit Serge Gnabry, Joshua Kimmich, Bernd Leno, Antonio Rüdiger und Timo Werner für Deutschland um den Titel – ohne Erfolg.
Weitere sechs Spieler oder Trainer des VfB wurden im Verlauf ihrer Karriere als Spieler Europameister. Eike Immel, beim VfB von 1986 bis 1996, kam als junger Ersatztorwart beim Titelgewinn 1980 noch nicht zum Zuge, während der spätere VfB-Trainer Felix Magath bei diesem Turnier immerhin zu zwei Einsätzen kam.



Neben Fredi Bobic standen mit Jürgen Klinsmann, Matthias Sammer und Thomas Strunz drei Spieler mit VfB-Vergangenheit im DFB-Aufgebot für die EM 1996. Ebenfalls bei der EM 1996 mit von der Partie war Markus Babbel, der später als Spieler und Trainer beim VfB aktiv sein sollte.
Der bislang letzte Europameister im Trikot mit dem roten Brustring war Fredi Bobic. Als Teil des „Magischen Dreiecks“ wurde er beim dritten und bislang letzten Titelgewinn einer DFB-Elf im Jahr 1996 – man erinnert sich noch gerne an das goldene Tor von Oliver Bierhoff im Finale in Wembley – in zwei Vorrundenspielen eingesetzt. Somit stand bei jedem EM-Titelgewinn einer DFB-Auswahl mindestens ein VfB-Spieler im Kader – wenn das kein gutes Omen für die EM 2024 ist! 28 Jahre sind vergangen seit dem letzten Triumph – Zeit dafür wäre es wieder einmal. Christian Günther