Sind Sie auf Jobsuche? Dann schauen Sie besser genau hin! Stellenausschreibungen verraten oft mehr über eine Position und das Unternehmen, als Bewerber zunächst vermuten.
Denn viele Arbeitgeber machen sich nicht einmal die Mühe, strukturelle Probleme, unklare Erwartungen oder eine schwierige Unternehmenskultur zu verbergen. Auf diese Punkte sollten Sie laut Stephan Megow vom Personaldienstleister Robert Half achten.
1. Fehlende oder unklare Gehaltsangaben unklare Gehaltsangaben
Gibt es in der Stellenanzeige keine konkreten Angaben zur Vergütung, kann das auf mangelnde Transparenz hindeuten.
Auch vage Formulierungen ohne klare Rahmenbedingungen gelten als mögliches Warnsignal.
2. Eine schwammige Jobbeschreibung
Bleibt unklar, welche Aufgaben tatsächlich übernommen werden sollen, ist Vorsicht geboten. Fehlt eine eindeutige Aufgabenbeschreibung, besteht das Risiko, dass Bewerber später Tätigkeiten übernehmen müssen, die ursprünglich nicht vorgesehen waren.
3. „Bei uns machen alle alles“
Solche Formulierungen können laut Stephan Megow auf fehlende Strukturen im Unternehmen hinweisen. Unklar geregelte Zuständigkeiten können zu dauerhaften Stressfaktoren für Beschäftigte werden.
4. Häufig neu ausgeschriebene Stellen
Ist eine Position mehrfach im Jahr ausgeschrieben, sollten Bewerber genauer hinschauen. Wird dieselbe Stelle innerhalb eines Jahres dreimal oder öfter gesucht, könnten mit ihr Erwartungen verbunden sein, die kaum zu erfüllen sind.
5. Fehlende Ansprechpartner und Kontaktmöglichkeiten
Enthält die Stellenanzeige keine konkreten Ansprechpartner oder Rückmeldemöglichkeiten, kann das ein weiteres Warnsignal sein. In der Praxis erleben Bewerber immer wieder, dass Unternehmen sich gar nicht auf Bewerbungen zurückmelden – ein Phänomen, das oft als Ghosting bezeichnet wird.
Schon beworben? Das ist jetzt wichtig
Auch der Ablauf des Bewerbungsverfahrens liefert Hinweise. Wirkt dieser wenig organisiert, kommen Gesprächspartner gehetzt zum Termin oder beschäftigen sich erst im Gespräch mit dem Lebenslauf, kann das laut Stephan Megow auf fehlende Prozesse und mangelnden Respekt gegenüber Bewerbern hindeuten. Werden weder konkrete Ziele noch klare Erwartungen an die Rolle formuliert, steigt das Risiko, dass sich die tatsächliche Tätigkeit stark von der ursprünglichen Ausschreibung unterscheidet. Transparenz im Bewerbungsprozess ist hier entscheidend.
Tipp: Bewertungsportale und Website checken
Hilfreich können Arbeitgeberbewertungsportale sein, auch wenn dort negative Erfahrungen häufig überwiegen. Ergänzend empfiehlt Stephan Megow einen Blick auf die Unternehmenswebsite. Dort fänden sich sofern vorhanden - unabhängige Auszeichnungen, die Hinweise darauf geben können, ob ein Unternehmen tatsächlich gute Arbeitsbedingungen bietet.
Von Marie von der Tann
Fast ein Drittel hat Jobwechsel schon mal bereut
Im neuen Job sollte alles besser werden aber schon nach kurzer Zeit stellt man fest, das die Stelle ganz anders ist als erwartet. Dieser „Shift Schock“ ist gar nicht so selten, zeigt eine Umfrage.
Eine neue Stelle, nach der wir lange gesucht haben, treten wir oft mit Vorfreude an: endlich wieder neue Herausforderungen und frischer Input. Stimmen die Arbeitsbedingungen doch nicht mit den eigenen Erwartungen überein, ist die Enttäuschung umso größer. Wer diese Reue nach einem Jobwechsel bereits erlebt hat, ist nicht alleine. Knapp ein Drittel (32 Prozent) hat einen Jobwechsel schon mal bereut, besagt eine repräsentative Umfrage unter mehr als 2000 Personen, die YouGov im Auftrag der Jobplattform Monster durchgeführt hat. Vor allem Personen zwischen 25 und 44 Jahren (etwa 44 Prozent) kennen das Gefühl.
Unternehmenskultur als eine Ursache
Gefragt nach den Ursachen gaben die nach dem Jobwechsel Unzufriedenen an, dass ihre Vorstellung von der neuen Rolle und den Aufgaben nicht mit ihren Erwartungen zusammengepasst habe. Andere waren von der Unternehmenskultur, der Führungsebene oder dem Kollegium enttäuscht.
„Was hab ich nur getan?“ – Diese Gedanken stellen sich der Umfrage zufolge häufig relativ schnell ein. Bei einem Fünftel (22 Prozent) dauerte es weniger als einen Monat. Bei 28 Prozent kam die Erkenntnis nach ein bis drei Monaten. Und 27 Prozent stellten nach drei bis sechs Monaten fest, dass sie mit ihrer Entscheidung für einen Jobwechsel unglücklich waren. Beim Rest dauerte es sechs Monate oder länger. dpa
Interne Bewerbung
Sie streben die nächste Karrierestufe an, sind bei Ihrem Arbeitgeber aber glücklich? Dann kann sich eine interne Bewerbung anbieten. Dabei ist aber Fingerspitzengefühl gefragt.
Neue Position beim gleichen Arbeitgeber: Auch wenn eine interne Bewerbung zunächst entspannt klingen mag, sollten Interessierte mit Bedacht vorgehen. Wie Karriereberaterin Selma Kuyas in einem Beitrag auf Xing schreibt, ändere sich einiges, sobald der Wunsch nach einem firmeninternen Jobwechsel ausgesprochen ist. Etwa das Verhältnis zur Führungskraft oder zum Team, die nun wissen, dass man gerne die Abteilung wechseln würde. Wichtig sei, immer genau zu prüfen, welche Aufgaben und Arbeitsbedingungen die neue Position mit sich bringt und welche Qualifikationen sie erfordert. Ratsam ist zudem, sich vor der Bewerbung mit den Personen im Unternehmen auszutauschen, die wissen, wie der Berufsalltag in dieser Position, Abteilung oder dem Team aussieht. Aber: Erst wenn man sich sicher ist, dass die Stelle auch genau zu den eigenen Vorstellungen passt, sollte man andere in den Wechselwunsch einweihen. Kuyas rät, sich dabei auf die Personen zu beschränken, die einen bei der beruflichen Entscheidung zum Beispiel mit Empfehlungsschreiben oder Tipps unterstützen können.
Interne Bewerberinnen und Bewerber sollten immer darauf achten, ihren Wechselwunsch im Unternehmen positiv zu begründen. Etwa damit, dass sie auf der Suche nach einer neuen Herausforderung sind, mehr Verantwortung übernehmen wollen oder sich beruflich weiterentwickeln möchten. Kommt es zum Bewerbungsgespräch, empfiehlt Kuyas das Motto: „Selbstvertrauen ja – Arroganz nein“. Entscheidend sei eine gute Vorbereitung – womöglich ist die Personalabteilung genauestens darüber informiert, wie vergangene Projekte verlaufen sind. Auf Nachfragen sollten Wechselwillige dann eine Antwort haben. dpa