Kaum eine Entscheidung ist jedoch auch so folgenreich wie die Sanierung der eigenen vier Wände, wenn Planung, Durchführung und Finanzierung nicht durchdacht wurden. Das gilt für eine Teilsanierung, wenn nur bestimmte Komponenten erneuert werden, und ist essenziell für eine Vollsanierung. „Für alle Punkte rund um die energetische Sanierung ist es sinnvoll, sich durch einen Energieberater oder eine Energieberaterin einen individuellen Sanierungsfahrplan (ISFP) erstellen zu lassen“, rät Timo Schmidt, Bezirksleiter der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG. Die zertifizierten Fachleute erfassen vor Ort den aktuellen Istzustand der Immobilie, nehmen diese dabei vom Dach bis in den Keller genau unter die Lupe. Dabei identifizieren sie alle Schwachstellen, die hinsichtlich der Energieeffizienz Optimierungspotenzial bieten.
„Energieberater sind neutral, sie wissen um die Fördermittel und sie nehmen den einzelnen Gewerken durchaus auch Arbeit ab, was sich in deren Angeboten dann positiv bemerkbar macht“, merkt Timo Schmidt an. So berechnen sie beispielsweise die Heizlast, was dem Heizungsbauer einen Arbeitsschritt erspart. Aus all den Informationen zum Zustand von Fassade, Fenster, Dach und Heizung, wird ein sogenannter individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellt. Dieser listet die sinnvollen und relevanten Sanierungsmaßnahmen so geordnet auf, dass die wichtigsten Punkte an vorderster Stelle zu stehen kommen. Im besten Fall werden zuerst Dach und Fassade gedämmt, gefolgt vom Einbau neuer Fenster und Türen - und zum Schluss steht der Einbau der neuen Heizung an, die dann passgenau auf die neuen Gegebenheiten ausgelegt werden kann.
Sanierungsarbeiten sind alles andere als günstig. Fachleute raten, jede Sanierung wirtschaftlich kritisch zu hinterfragen und auf diese zu verzichten, wenn die geschätzten Sanierungskosten 80 bis 100 Prozent des aktuellen Marktwertes der Immobilie übersteigen. Prinzipiell kann davon ausgegangen werden, dass, je älter das Gebäude ist, die Sanierungskosten umso höher ausfallen. Mit Eigenleistungen lässt sich zwar Geld sparen, allerdings dürfte es sich dabei um maximal 30 Prozent der Kosten handeln, denn von viele Dingen sind den Profis aus der Baubranche, dem Elektrooder Sanitärhandwerk vorbehalten.
Um sich finanziell nicht zu übernehmen, raten Fachleute, dass mindestens 20 bis 30 Prozent der Sanierungskosten als Eigenkapital vorhanden sein sollten. „Man darf ihn nicht vergessen, den guten alten Bausparvertrag“, sagt Timo Schmidt, werde damit doch nicht nur für den Hauskauf vorgesorgt, sondern auch für Sanierungsund Modernisierungsmaßnahmen.
Eigenkapital wird angespart, und man erhält ein günstiges Darlehen mit festem und günstigen Zinssatz. „Bausparen ist wieder im Kommen, und angesichts der aktuellen Bauzinsen in Höhe von 3,5 bis 4 Prozent wird so ein Bausparvertrag mit seinen 1,4 Prozent zum,echten Schnäppchen“, betont Timo Schmidt. Bei angedachten Modernisierungsmaßnahmen rät er hinsichtlich professioneller Beratung an die Kolleginnen und Kollegen der Bausparkasse Schwäbisch Hall zu denken, wie auch an die Fachleute der Hausbank. Nur bedingt bekannt: Energetische Sanierungsmaßnahmen können auch steuerlich abgesetzt werden.
Zinsgünstige Kredite für energieeffiziente Sanierung
Für Sanierungsmaßnahmen gibt es diverse Fördermöglichkeiten. So etwa über die „Bafa“, die Bundesanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, sowie über die KfW, die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Bei der KfW gibt es zinsgünstige Kredite für die energieeffiziente Sanierung von Haus und Wohnung, sowie auch für Anlagen zum Erzeugen von Strom und Wärmenebst den zugehörigen Netzen und Speichern.
Zuschüsse gibt es zudem für den Kauf und Einbau einer neuen, klimafreundlichen Heizung, und im Rahmen des altersgerechten Umbaus für alle jene Maßnahmen, die im Alter für mehr Sicherheit und Barrierefreiheit im eigenen Heim sorgen. Um „Bafa“ - wie auch KfW-Fördergelder beantragen zu können, ist es wichtig, einen zertifizierten Energieberater für „Bafa“ - und KfW-Förderung in die Planung mit einzubinden. Wer erst die Handwerker beauftragt, und sich dann nach den Fördertöpfen umschaut, hat mit der falschen Reihenfolge seine mögliche Förderung verspielt.
Zudem ist es wichtig, dass die Arbeiten von qualifizierten Fachbetrieben ausgeführt werden. Bei der Suche nach diesen können die Energieberater auch eine große Hilfe sein. Schließlich noch mit ein entscheidender Punkt: Mehrere Angebote einholen und vergleichen. Diese Arbeit kann sich sehr lohnend auf das vorhandene Budget für die Sanierung auswirken.
Von Julia Alber