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Esslingen

Handwerk bleibt starke Ausbildungsbranche in Stuttgart 

Die Handwerkskammer hebt vielfältige Ausbildungschancen und Karrierewege hervor und fordert mehr Investitionen in die Ausbildungsqualität, Bildungsstätten und berufliche Schulen.

Handwerk bleibt starke Ausbildungsbranche in Stuttgart 

Das Handwerk ist und bleibt gefordert bei Digitalisierung, Energiewende, Infrastruktur und Wohnungsbau. Foto: dpa

Um die aktuellen Zukunftsaufgaben wie Digitalisierung, Energiewende sowie Infrastruktur und Wohnungsbau umzusetzen, braucht es qualifizierte Fachkräfte. Deshalb betont die Handwerkskammer Region Stuttgart die guten Ausbildungschancen im Handwerk und fordert gleichzeitig Investitionen in die Qualität der beruflichen Bildung.

Unternehmen aus der Region

In vielen Branchen wird über sinkende Ausbildungszahlen und fehlende Lehrstellen diskutiert. Das Handwerk setzt ein anderes Signal: Tausende Betriebe in der Region bilden aus und bieten jungen Menschen zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten in einen qualifizierten Beruf. Dennoch bleibt die Besetzung vieler Ausbildungsplätze eine Herausforderung, heißt es seitens der Kammer. Um mehr junge Menschen für die handwerklichen Berufe zu gewinnen, setzt das Handwerk auf attraktive Karriereperspektiven und eine hochwertige Ausbildung.

„Das Handwerk steht für Chancen und Perspektiven. Während Ausbildungsplätze in anderen Bereichen knapper werden, bieten unsere Betriebe weiterhin jungen Menschen die Möglichkeit, mit einer Ausbildung den Grundstein für ihre berufliche Zukunft zu legen“, betont Handwerkskammerpräsident Rainer Reichhold. „Gute Ausbildungsqualität ist dabei die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg, Innovation und gesellschaftliche Stabilität. So sichern wir die qualifizierten Fachkräfte von morgen.“

Chancen für die Fachkräfte von morgen

Bei der Vollversammlung der Handwerkskammer Region Stuttgart vor mehreren Wochen wurden während eines Podiumsgesprächs verschiedene Perspektiven auf die Ausbildungssituation im Handwerk eingebracht.

Stephanie Nägele-Molitor, Mitglied der Geschäftsleitung und Ausbildungsleitung der Stahlbau Nägele GmbH, wurde als „Deutschlands beste Ausbilderin im Handwerk 2025“ ausgezeichnet. Sie beobachtet, dass vor allem gute Kommunikation eine gute Ausbildung ausmacht: „Die jungen Menschen möchten mitentscheiden, möchten ehrliches Feedback. Das heißt, wir müssen als Unternehmen stärker mit Ihnen kommunizieren und am Puls der Zeit bleiben.“ Der Einsatz lohne sich: Nahezu alle Azubis blieben als qualifizierte Fachkräfte im Betrieb.

Unternehmen aus der Region

Die Sicht der Berufsschule kommt von Felix Winkler, geschäftsführendem Schulleiter der Gewerblichen Schulen Stuttgart, Schule für Farbe und Gestaltung. Herausfordernd sei für die Lehrkräfte, mit der geringen Aufmerksamkeitsspanne der Jugendlichen und gleichzeitig der steigenden Heterogenität der Schulklassen umzugehen. Gleichzeitig gebe es aktuell beste Chancen, junge Menschen fürs Handwerk zu gewinnen: „Die Handwerksberufe werden nicht so leicht durch KI ersetzt, das weiß die junge Generation, und das kommt gut an.“

Ilian Freude hat gerade seinen Gesellenabschluss in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik absolviert und blickte noch frisch auf die eigene Ausbildung: „Besonders die Sinnhaftigkeit und Vielseitigkeit im Handwerk motiviert, aber auch zu wissen, wie kann ich mich nach der Ausbildung noch weiterentwickeln“, sagt er. Er selbst sei aktuell an der Meisterschule und freue sich darauf, bald selbst ausbilden zu können.

Vielfältige Karrieremöglichkeiten

„Gerade in Zeiten, in denen viele Jugendliche Schwierigkeiten haben, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden, ist das Handwerk ein wichtiger Anker auf dem Ausbildungsmarkt“, resümiert Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart. „Unsere Betriebe bieten vielfältige Karrierewege – vom Gesellenbrief über den Meister bis hin zur Unternehmensübernahme. Die Qualität der Ausbildung entscheidet mit darüber, ob sich junge Menschen für diesen Weg entscheiden.“

Die Handwerkskammer Region Stuttgart unterstütze daher mit dem Zertifizierungsprogramm primAQ ihre Mitgliedsbetriebe dabei, Ausbildungsqualität systematisch zu überprüfen und weiterzuentwickeln, so Friedrich. Im Mittelpunkt stehen Kriterien wie eine strukturierte Ausbildungsplanung, feste Ansprechpartner, regelmäßige Feedbackgespräche und eine intensive Betreuung der Auszubildenden. „Wer sich für eine Ausbildung im Handwerk entscheidet, soll sich darauf verlassen können, bestmöglich begleitet und gefördert zu werden“, betont Friedrich. „Das Qualitätssiegel macht gute Ausbildung sichtbar und stärkt die Attraktivität der Betriebe für junge Menschen.“

Handwerk fordert mehr Unterstützung

Ein wesentlicher Garant für die Ausbildungsqualität im Handwerk ist die überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) an speziellen Bildungszentren des Handwerks. Sie ergänzt die Ausbildung in Betrieb und Berufsschule und stellt sicher, dass Auszubildende alle relevanten beruflichen Fertigkeiten erlernen. Damit sorgt die ÜBA für ein einheitliches Ausbildungsniveau und unterstützt den Technologietransfer in die Betriebe. Jedoch steigen die Kosten für moderne Werkstätten, digitale Ausstattung und qualifiziertes Bildungspersonal kontinuierlich, warnt Kammerpräsident Rainer Reichhold.

Aus Sicht des Handwerks braucht es deshalb weitere Investitionen in die berufliche Bildung. Neben der finanziellen Förderung für moderne Bildungsstätten seien insbesondere eine bessere personelle Ausstattung der beruflichen Schulen, die Sicherung von Ausbildungskapazitäten sowie eine stärkere Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung notwendig. „Gerade weil das Handwerk jungen Menschen weiterhin so viele Ausbildungs- und Karrierechancen bietet, müssen die politischen Rahmenbedingungen stimmen“, so Reichhold. „Außerdem steigen die Erwartungen an die berufliche Bildung. Damit das Handwerk auch künftig die Fachkräfte für Transformation, Klimaschutz und Digitalisierung ausbilden kann, brauchen wir verlässliche Unterstützung für unsere Bildungsstätten.“ red