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Weinbau in Esslinger: Bodenständigkeit, Wandel und gute Perspektiven

Innovative Ansätze, moderne Rebsorten, wachsendes Fachwissen und touristische Attraktionen rund um die Stadt sichern trotz großer Herausforderungen die Zukunft des Weinbaus

Weinbau in Esslinger: Bodenständigkeit, Wandel und gute Perspektiven

Aktionen wie der Weinwandertag tragen zur Bekanntheit der Weingärtner bei.

Es gab Zeiten, da war der Esslinger Wein in fast aller Munde. Die Weingärtner bearbeiteten zeitweise bis zu 1200 Hektar Rebfläche, und vieles davon, was dann in den Keltern die Fässer kam, wurde exportiert. Die Weinhändler erwirtschafteten damit einen bemerkenswerten Wohlstand. Auch in der Stadt Esslingen war der Wein das Getränk der Wahl, und dies sogar aus medizinischen Erwägungen. So konnte sich etwa glücklich schätzen, wer als Kranker in die Obhut des Esslinger Spitals kam. Dort war es üblich, den Pflegebedürftigen Wein zu trinken zu geben, da die Qualität des Brunnenwassers so schlecht war, dass es der Heilung nicht zuträglich war. 

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Heutigen Weinliebhabern dürfte der Alltagswein wohl kaum geschmeckt haben, überlegt Achim Jahn, der Vorsitzende des Teamwerk Esslingen. „Das ist mit dem heutigen Wein und seiner Qualität kaum zu vergleichen“, sagt er. Zudem gab es in den damaligen Keltern die Arbeitsmöglichkeiten nicht, die heutzutage Standard sind. 

Vieles hat sich geändert, die Esslinger Wengerter verfügen über hervorragende Lagen und produzieren immer wieder auch prämierte Qualitäten. Dennoch sehen sich die Weingärtner vor großen Herausforderungen. „Wir können nicht immer so weitermachen, wie schon immer gemacht wurde. Es gibt Veränderungen und wir müssen reagieren“, stellt Jahn fest.

Die historischen Trockenmauern in den Steillagen an der Neckarhalde sind mit einem hohen Aufwand verbunden. In der Steillage ist nur Handarbeit gefragt. Und die Sanierung der Mauern ist aufwendig und kostspielig. Fotos (2): Peter Stotz
Die historischen Trockenmauern in den Steillagen an der Neckarhalde sind mit einem hohen Aufwand verbunden. In der Steillage ist nur Handarbeit gefragt. Und die Sanierung der Mauern ist aufwendig und kostspielig. Fotos (2): Peter Stotz

Weit oben stehe dabei der Klimawandel und seine Folgen. Der könne nicht schöngeredet oder garnegiert werden. So beginne etwa die Lese durchschnittlich vier Wochen eher als noch vor einer Generation. Dazu müssten die Wengerter bereit und mutig sein, das sich verändernde Klima als Chance für den Weinbau zu sehen. „Wir pflanzen Rebsorten wie Merlot, Syrah, Cabernet Franc oder Cabernet Sauvignon, aus denen gehaltvolle Weine mit südeuropäischem Charakter entstehen. Das funktioniert wunderbar und die Weine werden auch sehr gern getrunken“, beschreibt Jahn. 

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Doch die Esslinger sind bodenständig und geben auch Klassikern wie dem Trollinger, dem Lemberger oder dem Riesling noch Chancen, sagt der Teamwerksvorsitzende. „Wir bauen Riesling sogar im Burgweinberg an, in der heißesten Lage in Esslingen. Aber da sind dann der Wengerter gefragt und seine Kompetenz, etwas richtig Gutes draus zu machen“, sagt Jahn. Auch Experimentierfreude sei gefragt, etwa Riesling im Holzfass auszubauen. „Da hätte noch vor zehn Jahren niemand dran gedacht.“

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Kulturdenkmal prägt Stadtbild

Eine weitere Herausforderung stellen die Terrassenweinberge in den Steillagen dar. Sie prägen das Esslinger Stadtbild, sind von historischer Bedeutung und als flächiges Kulturdenkmal eingestuft. Aufgrund des besonderen Kleinklimas gedeihen dort außergewöhnliche Tropfen. Die Arbeit dort ist allerdings mit sehr hohem Aufwand verbunden, denn in der Steillage ist ausschließlich Handarbeit gefragt. Zudem muss die Kulturlandschaft gepflegt werden, und nicht zuletzt die Trockenmauern verlangen Aufmerksamkeit. „Die Sanierung der Mauern ist aus dem Erlös der Terrassen nicht zu finanzieren“, beschreibt Jahn das Problem. 

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Der Verein Staffelsteiger, der sich um den Erhalt der Mauern und der traditionellen Staffeln kümmert, hat bereits etliche Wengerter bei der Sanierung ihrer Mauern unterstützt. Dafür wurden auch erhebliche öffentliche und private Finanzmittel eingesetzt, die beim Staffelsteiger-Verein als Zuwendungen oder Spenden eingegangen waren. „Man kann sehen, dass sich das Mauerwerk in unseren Steillagen insgesamt gut stabilisiert hat, und wir sind froh, dass die Kulturlandschaft Steillagen gesellschaftlich getragen und erhalten wird“, sagt Jahn.

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Die Steillagen sind auch touristisch interessant, und so gehören sie zum Gesamtpaket eines stimmigen Marketings für den Esslinger Weinbau. Das Teamwerk sieht sich mit seiner Vinothek in der Weinsicht Mettingen und der Vinothek am Marktplatz gut präsent und nah an den Kunden. Moderne Produktlinien, der Weinwandertag, eine Vielzahl von Führungen und Verkostungen, Events und Veranstaltungen tragen überdies zur regionalen Bekanntheit der Esslinger Tropfen bei. 

Das Teamwerk ist auch für die Nachbarn attraktiv. So sind seit einiger Zeit einige Wengerter aus Stuttgart-Hedelfingen Mitglieder, da sich die dortige Genossenschaft in Liquidation befindet. „Wir freuen uns über den Zuwachs“, sagt Jahn. Die Hedelfinger Trauben sollen künftig über Esslingen an die Zentralgenossenschaft in Möglingen geliefert werden. „Vielleicht füllen wir eines Tages die Lage Hedelfingen in Flaschen. Aber das ist Zukunftsmusik“, sagt Jahn. 

„Der Weinbau gehört zu Esslingen und das wird auch so bleiben“, stellt Achim Jahn klar. Für eine gute Zukunft seien beim Teamwerk Mut und frische Ideen am Start, und nicht zuletzt biete die Genossenschaft gegenseitige Hilfe, Unterstützung und gemeinsame Weiterentwicklung der Kompetenzen. „Das heißt auch gute Perspektiven für uns.“

Von Peter Stotz