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Esslinger Weinbau: Exportschlager aus steiler Lage

Historische Weinkultur Esslingens: Mittelalterliche Klosterreben, Terrassenkulturen an Südhängen sowie Exportwege und wirtschaftliche Blütezeiten seit dem Frühmittelalter

Esslinger Weinbau: Exportschlager aus steiler Lage

Steillagen der Neckarhalde auf einem Foto um das Jahr 1900. Foto: Archiv Teamwerk Esslingen

Die im Teamwerk Esslingen genossenschaftlich zusammengeschlossenen Wengerter sehen sich in einer stolzen Weinbautradition verwurzelt, die bis in das Frühmittelalter zurückreicht. In der Gegenwart sehen sie ihre Verpflichtung, den Esslinger Wein als Qualitätsprodukt zu pflegen und auszubauen und ihm mit zeitgemäßen Methoden und Innovationen eine gute Zukunft zu bereiten. 

Die Stadt Esslingen blickt auf eine lange und glanzvolle Weinbaugeschichte zurück. Historisch nicht eindeutig belegt, aber einigermaßen nachvollziehbar erscheint die Überlegung, dass der Weinbau mit der römischen Besiedlung im Neckartal ankam. Schriftlich belegt ist der Esslinger Wein ab dem Frühmittelalter. Im Jahr 778 und damit ein Jahr nach der ersten urkundlichen Erwähnung des Orts als „cella ubi sanctus Vitalis requiescit super fluvium Neccra“, der „Zelle wo der Heilige Vitalis ruht über dem Fluss Neckar“, erscheint der Weinbau auf Feldern im Neckartal in einem Schriftstück. 

Die Esslinger Weingärtnergenossenschaft, die seit einigen Jahren als Teamwerk Esslingen firmiert, begeht in diesem Jahr ein großes Jubiläum: Vor 125 Jahren haben sich Wengerter aus dem Stadtgebiet zusammengeschlossen, um gemeinsam ihre Reben anzubauen, zu ernten und gute Tropfen zu produzieren. Seither ist vieles passiert.
Die Esslinger Weingärtnergenossenschaft, die seit einigen Jahren als Teamwerk Esslingen firmiert, begeht in diesem Jahr ein großes Jubiläum: Vor 125 Jahren haben sich Wengerter aus dem Stadtgebiet zusammengeschlossen, um gemeinsam ihre Reben anzubauen, zu ernten und gute Tropfen zu produzieren. Seither ist vieles passiert.
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Bedeutung erlangte der Esslinger Wein mit der Stadterhebung im 13. Jahrhundert. Zahlreiche Klöster hatten Landbesitz im Umkreis der Stadt und profitierten auch vom Wein aus den Weingärten im Neckartal, der in den Kellern der klösterlichen Pfleghöfe lagerte. In staufischer Zeit erkannten die klösterlichen Experten auch das Potenzial der steilen Hänge des Neckartals, auf beiden Seiten des Neckartals und insbesondere an den sonnigen Südhängen wurden Terrassen für den Weinbau angelegt und mit Trockenmauern abgesichert. 

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Mit dem damit verbundenen Qualitätssprung stieg die Nachfrage, und ungeachtet der Bodenqualität und des Kleinklimas wurde weitere Rebflur gewonnen. Die Weinberge wuchsen die Hänge in Richtung zum Schurwald hinauf, auch am schattigen Nordhang des Neckartals und sogar im feucht-kühlen Obertal wurde Wein angebaut. 

Der Weinliebhaber der Gegenwart, der sich gerne mit einem Viertele zum Vesper niedersetzt oder sich bei einer Flasche mit einem annehmbaren Tropfen einige besinnliche Stunden und einen feinen Genuss gönnen möchte, würde wohl nicht mit der Zunge schnalzen, würde man ihm eines dieser Erzeugnisse auftischen. Denn der Geschmack dieser Weine dürfte kaum heutigen Ansprüchen genügen und das Prädikat eines annähernd akzeptablen Produkts erlangen.

Esslinger Eimer als Maß der Dinge

Gleichwohl bescherte der Esslinger Wein in der Vergangenheit allein schon wegen der schieren Menge, die produziert und exportiert wurde, materielles Glück. Der Esslinger Wein wurde zum Exportschlager, nach Bayern, ins Elsass und bis nach Wien geliefert. Das Weingemäß Esslinger Eimer, entsprechend 298 Liter, wurde 1557 gar zum Württembergischen Landmaẞ erhoben. 

Im 14. Jahrhundert wurde in und bei Esslingen eine 1200 Hektar messende Rebfläche bewirtschaftet. Weinbauern und Weinhändler stellten in der Bürgerschaft die große Mehrzahl der Steuerzahler, zeitweilig wurden 42 Keltern in der Stadt betrieben. Die Bedeutung des Weinbaus für die Stadt Esslingen und damit nicht zuletzt seiner Protagonisten, der Wengerter - lässt sich auch daran erkennen, dass die Beutau-Vorstadt, das nördlich der Stadtmauer gelegene kleine Quartier der Weinbauern, einen eigenen respektablen Mauerring erhielt. 

Mit dem 30-jährigen Krieg und noch wesentlich gravierender mit den klimatischen und wirtschaftlichen Veränderungen im 19. Jahrhundert setzte der Niedergang des Esslinger Weinbaus ein. Im April 1815 brach der Vulkan Tambora auf der Insel Sumbawa, einer Nachbarinsel von Bali, im heutigen Indonesien aus. Kolossale Mengen an Asche, Staub und Schwefeloxid verteilten sich sehr schnell um die Erde und schluckten einen Teil der Sonnenwärme. Das Frühjahr 1816 war daher geprägt von Dauerregen und niedrigen Temperaturen, es war der Beginn des Jahrs ohne Sommer. Der Esslinger Johann Samson Wilhelm Mayer notierte in seinem Tagebuch im Juni 1816: „Man zittert für den Weinstock, denn es regnet alle Tage“. Im Juli schrieb er: „Aus den Trauben will gar nichts werden“, und Anfang Oktober: „Die Trauben sind alle erfroren.“

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Zur Stabilisierung der Landwirtschaft und damit auch der Ernährungssituation wurden viele Rebflächen aufgegeben und mit Obstbäumen bepflanzt. Die so auf den Flächen entstandenen Streuobstwiesen boten neben dem Grasland auch Obst als gesunde Nahrung, zudem nahm der Most als Getränk der Wahl zunehmend die Rolle des Weins ein. Die Reblaus brachte den Weinbau gegen Ende des 19. Jahrhunderts schließlich fast völlig zum Erliegen. Nur die allerbesten Lagen, am Burgberg, an der Neckarhalde und nicht zuletzt die terrassierten Steillagen am Schenkenberg sowie die sonnigen Hänge bei Mettingen, blieben erhalten. Derzeit weist Esslingen eine Rebfläche von insgesamt rund 90 Hektar auf, die von den in der Genossenschaft Teamwerk zusammengeschlossenen Familien und zwei unabhängigen Weingütern bewirtschaftet werden.

Von Peter Stotz