Das „Hallo Emil“ will gefunden werden. Von der Inselstraße, der Hauptverkehrsachse zwischen Untertürkheim und Wangen, ist es nicht zu sehen, sondern verborgen vom Untertürkheimer Hallenbad. Und selbst wer auf dem Neckarradweg direkt daran vorbeifährt, registriert zwar den Ruderverein, aber das beliebte Lokal am Wasser ist obendrauf – eine Vereinsgaststätte mal ganz anders. Oben ist zunächst die große Terrasse zu entdecken, mit einfachem Holzmobiliar, bunten Lampions, Sonnenschirmen und Sonnensegeln, sogar mit Hängematte. Und obendrüber die Discokugel. Vom Terrassenrand ist der Seitenarm des Neckar zu sehen. Eine Außenbar macht es leicht, die chillenden Gäste mit Getränken aller Art zu versorgen. Durch den großen Gastraum drinnen geht es auf der anderen Seite wieder raus zum eigentlichen Neckar-Feeling, sozusagen direkt über dem Wasser, umgeben von viel Grün und mit Blick in Richtung Bad Cannstatt. Die Location war schon immer besonders. Vor vielen Jahren, als das Waldheim Frauenkopf über dem Stuttgarter Osten geschlossen wurde, zogen zunächst die Cassiopeia-Betreiber dorthin um. 2018 übernahm Konstantin Ebert die Gaststätte und machte das „Hallo Emil“ daraus, ein echtes Gastro-Unikat zwischen Industriehafen-Atmosphäre und Neckar-Idylle.
Macher-Typ mit heimischen Wurzeln

Konstantin Ebert ist kein gelernter Gastronom, dafür aber ein Macher-Typ mit heimischen Wurzeln. Aufgewachsen ist er in Obertürkheim, studiert hat er Sportmanagement in Tübingen, insofern gibt es also sogar einen gewissen Bezug zum Wassersport.
Auf ein Jahr in San Francisco folgte eine Zeit im von seinem Großvater gegründeten Unternehmen, der Werner Ebert GmbH & Co. KG, im Großmarkt ein paar hundert Meter weiter auf der anderen Seite des Neckars in Wangen. Der Obst- und Gemüsegroßhandel brachte ganz automatisch den Bezug zu Essen und Trinken, zur Gastronomie mit sich. Nebenher studierte er auch noch einmal Wirtschaftspsychologie. Mit diesem Hintergrund entwickelte er seine ersten eigenen Projekte. Zur Fußball-WM 2014 baute er eine Ape zu einer mobilen Cocktailbar um. „Caipi.Love“ sorgte in der Stadt für Aufsehen, Cocktails und gute Laune. Später folgte, zusammen mit drei Kumpels, „Fruit.Love“, ein Lieferservice für Obstkisten, den es am Langwiesenweg beim Großmarkt in Wangen immer noch gibt, jetzt allein betrieben von einem der damaligen Gründer. Weitere Stationen und Projekte: der Street Love Market am Nordbahnhof 2016, weiterentwickelt zu einem Konzept, das Essen, expressive Kunst und Mode verbindet. Das Pauli, ein Zwischennutzungskonzept im Gerber in Stuttgart, in dem die früheren Konzepte in einer Art Marktplatzidee verknüpft wurden.
In der Corona-Zeit – da gab es das „Hallo Emil“ schon – hat er mit einem Freund„ugly apple“ gegründet. Die Idee: Aus optischen Gründen aussortiertes Obst und Gemüse, das sonst weggeworfen wird, über den Großmarkt zu beziehen und daraus wöchentlich wechselnde Gerichte zu kochen und in Mehrweg-Weckgläsern auszuliefern. 2018 wurde ihm die Vereinsgaststätte am Neckar empfohlen. Er startete pünktlich zur damaligen Fußball-WM mit einem Biergarten-Konzept, aus dem sich rasch das „Hallo Emil“ entwickelte. Heute ist der Ort Restaurant, Bar und Event-Location in einem, mit entsprechend variablen Öffnungszeiten. Freitags und samstags ist das Lokal – wie beispielsweise auch diese Woche – oft für private Feiern, darunter viele Hochzeiten und Firmen-Events, gebucht. Mittwochs und donnerstags ist in der Regel ab 17 Uhr geöffnet, sonntags gibt es von 10 bis 14 Uhr den beliebten Brunch. Reservierungen sind online über die Webseite möglich. Da montags der Haupttrainingstag der Ruderer mit entsprechendem Betrieb im Untergeschoss des Gebäudes ist, hat er die Ruhetage auf den Montag und den Dienstag gelegt.
Urbaner Freiraum am Neckar
Regelmäßig tauchen im „Emil“-Kalender die beliebten Küchenpartys auf: Ab 16 Uhr gibt es dann Drinks und über den Abend verteilt fünf Gerichte. Die Küche ist offen und später baut Küchenchef Ivan dort seinen DJ-Posten auf und verwandelt seinen Arbeitsplatz in einen Dancefloor. Im Normalbetrieb wechselt die Karte im „Hallo Emil“ etwa alle sechs Wochen, immer mit saisonalen Gerichten aus regionalen Zutaten, von Burgern über Körschtal-Forelle, Pinsa oder Pasta bis zu Risotto und veganen Gerichten. Konstantin Ebert hat in seinem urbanen Freiraum am Neckar-Seitenarm sozusagen Anker geworfen, was ihn aber nicht davon abhält, nach einem neuen, zusätzlichen Projekt Ausschau zu halten. Ideen dafür hat er mit seiner Erfahrung sicher genug.