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Gärtnermeister Thomas Warth in Untertürkheim: Tradition trifft Transformation

21 Hektar Anbaufläche, 17 Apfelsorten, regionale Partnerschaften und ein eigener Hofladen prägen den Familienbetrieb. Zusätzlich Unterstützung für Logistik und Vermarktung gesucht.

Gärtnermeister Thomas Warth in Untertürkheim: Tradition trifft Transformation

Gärtnermeister Thomas Warth. Fotos: Jürgen Brand

Hofläden sind beliebt. In der Corona-Zeit haben sie einen regelrechten Gründungs-Boom erlebt, waren über Wochen beliebte Einkaufsmöglichkeiten. Die Kundinnen und Kunden wussten und wissen genau, woher Obst, Gemüse und Eier kommen. Die Landwirte konnten trotz Pandemie ihre Produkte verkaufen. Inzwischen sind Hofläden in ländlichen Regionen eine Selbstverständlichkeit – in Großstädten aber eher eine Rarität. Mitten in Untertürkheim gibt es aber schon seit mehr als 20 Jahren so einen Hofladen, den der Familie Warth an der Augsburger Straße.

Landwirt aus Leidenschaft

Thomas Warth ist Gärtnermeister, Landwirt aus Leidenschaft. Im Jahr 2006 hat er den elterlichen Betrieb übernommen. Seitdem hat der 43-Jährige die bewirtschaftete Fläche von einst 10 auf heute 21 Hektar mehr als verdoppelt. Einst war der Hof direkt neben dem heutigen Hofladen, heute lebt und arbeitet er in Fellbach, wo er die meisten Anbauflächen und Lager im direkten Umfeld des Betriebs konzentrieren konnte. Nur beim Weinanbau ist das etwas anders und deutlich komplizierter: Die 32 Weinberge sind über die Fellbacher und Untertürkheimer Gemarkung verteilt. Warth: „Da muss man sich gut auskennen und genau wissen, wohin man fahren muss.“ Thomas Warth wird nach wie vor von seinen Eltern unterstützt, seine Mutter und seine älteste Tochter helfen auch im Laden, aber das meiste schafft er tatsächlich selbst. Eine 40-Stunden-Woche kennt er nicht. Kartoffeln, Äpfel, Birnen, Zwiebeln, Tomaten, Weintrauben, Sommergerste – das will alles gut geplant, sorgfältig gepflegt, im Sommer vor allem auch bewässert, geerntet, gelagert und vermarktet werden. Warth: „Unsere Produkte stehen im Mittelpunkt.“

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Ein Laden seit Generationen

Die Geschichte des Hofladens geht eigentlich noch viel weiter zurück, als es den Laden selbst gibt. Die Familie Warth hat, solange der Betrieb in Untertürkheim war, schon seit Generationen Blumen, Obst und Gemüse direkt im einst unmittelbar benachbarten Hof direkt an die Untertürkheimer verkauft. Die Eltern von Thomas Warth haben dann 2002 den heutigen Hofladen gegründet. Im ursprünglichen Konzept waren Äpfel, Birnen, Kartoffeln und Co. nicht vorverpackt. Die Kunden suchten aus, das Ladenpersonal beriet und wog ab, packte alles in Papiertüten oder in den mitgebrachten Korb. Das war auf Dauer aber aufwändig. Seit Thomas Warth 2006 den Betrieb übernommen hat, hat er auch das Ladenkonzept Stück für Stück verändert. Jetzt gibt es zwar immer noch Unverpacktes, aber auch Vorverpacktes, Vorportioniertes. Das macht den Einkauf effizienter, ohne dass bei der Qualität der Ware Abstriche gemacht werden müssen.

Vielfalt aus heimischem Anbau

Im Warths Hofladen gibt es eine Vielfalt aus heimischem Anbau, die in keinem Supermarktregal zu finden ist. Schon allein die Zahl der Apfelsorten ist ein Alleinstellungsmerkmal. Warth hat im Laufe der vergangenen mehr als 20 Jahre vermutlich alle seine 6000 Apfelbäume selbst gepflanzt. 17 unterschiedliche Sorten wachsen und reifen dort und sind dann je nach Erntezeit auch im Hofladen zu finden.

Die Unterschiede im Geschmack erklären Warth, wenn er denn da ist (meistens morgens), und seine Mitarbeiterinnen gerne. Warths Lieblings-Birnensorte, natürlich auch im eigenen Anbau, ist die alte Sorte „Gräfin von Paris“, eine Winterbirne, die es auch jetzt noch im Laden gibt. Weitere wichtige Standbeine sind Kartoffeln, egal ob die frühe Sorte Annabelle, die robuste Belana oder die frühe, mehligkochende und gut lagerbare Concordia. Die nimmt Thomas Warth am liebsten für Kartoffelpüree und schwärmt regelrecht davon: „Ein besseres Püree gibt es nicht.“ Weitere Warth-Spezialitäten sind die eigenen Freilandtomaten, die sich durch ihre feste Schale und das intensive Aroma auszeichnen. Und natürlich die „Stuttgarter Riesen“, die großen Zwiebeln, die kaum noch angebaut werden und viel Handarbeit erfordern, auf die er aber wegen des besonderen Aromas nicht verzichten will. Im Fruchtwechsel baut Warth auf den Kartoffeläckern Sommergerste an, die er an eine regionale Brauerei liefert. Und seine Weintrauben liefert er an die Fellbacher Weingärtner.

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In Warths Hofladen gibt es natürlich noch viel mehr, die Kundschaft erwartet schließlich auch eine noch größere Vielfalt an Obst, Gemüse und mehr. Seinen Spargel bezieht er aus der Pfalz, aber tatsächlich von einem Schwaben von hier, der dort einen Hof übernommen und sich auf Spargel spezialisiert hat. Die Salate kommen von den Gebrüdern Merz in Rommelshausen, die Eier von einem Geflügelhof im Heilbronner Land, das Mehl von der Hegnacher Mühle im Remstal, in der Warths Vorfahren einst ihr Getreide mahlen ließen. Und weil Thomas Warth nicht alle seine heimischen Produkte direkt im Hofladen verkaufen kann, beliefert er auch die Rewe-Aupperle-Märkte in der Region. Partnerschaft wird auch in der Produktion immer wichtiger: Da werden Lagerhallen unter Kollegen geteilt, teure Erntemaschinen tageweise gegenseitig ausgeliehen, statt dass sich jeder selbst eine anschafft.

Herausforderungen für die Landwirtschaft

Egal ob Obst, Gemüse, Wein – die Landwirtschaft steht heute vielen Herausforderungen gegenüber. Die Preise werden durch billige Importe aus südlichen Ländern gedrückt, gleichzeitig wird die aufwändige Produktion hier aber teurer. Ein Faktor dabei ist auch der Mindestlohn von jetzt 13,90 Euro zuzüglich steigender Nebenkosten, etwa für Saisonarbeitskräfte. Thomas Warth: „Wir kriegen die Preise nicht so weitergegeben, wie die Kosten steigen.“ Also versucht er, die Arbeitszeit sinnvoller zu nutzen. Ein Beispiel: Vor einigen Jahren hat er in Fellbach eine Lagerhalle gebaut, nahe bei seinen Feldern und Obstbäumen. Er hat ausgerechnet, dass die Halle ihm jährlich rund vier Wochen Zeit spart, die er bis dahin für die Transportwege benötigt hatte. Vier Wochen Zeit also, die er jetzt für Planung, Anbau und Pflege gewonnen hat. Den Klimawandel kann er mit seinen eigenen Lebensdaten belegen: Am Tag seiner Geburt, im November vor 43 Jahren, war sein Vater noch mit der Weinlese beschäftigt und eilte vom Weinberg zur Geburt. Heute ist die Lese meistens im September beendet. Und ohne Bewässerung geht heute gar nichts mehr, deswegen investiert er jedes Jahr in weitere Anlagen.

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Verstärkung gesucht

Thomas Warth hat also eine ganze Menge zu tun – und sucht dringend eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter, der ihn in den täglichen Abläufen unterstützt und entlastet. Waren müssen ausgeliefert werden, auch an die Gastronomie und Privatkunden, für die Warth Gemüsekisten anbietet. Und in seinem vielfältigen Betrieb gibt es auch sonst viele Möglichkeiten, mitzudenken und mit anzupacken. Dabei geht es Thomas Warth nicht unbedingt um die formale Qualifikation: „Wer lernen will und einen Blick für das Ganze hat, ist willkommen.“ Einen korrekten Baumschnitt nach seinen Vorstellungen zeigt er dann gerne persönlich. Interessenten können sich direkt im Hofladen oder bei ihm im Betrieb in Fellbach melden.

Von Jürgen Brand