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Haus des Tourismus in Stuttgart: "Das Reisebüro für ganz Baden-Württemberg"

Hier entsteht etwas Besonderes. Ein Haus, das für Gäste von nah und fern und ebenso für die Menschen vor Ort gedacht ist. Armin Dellnitz, Geschäftsführer der Stuttgart-Marketing GmbH, gibt Auskunft.

Haus des Tourismus in Stuttgart: "Das Reisebüro für ganz Baden-Württemberg"

Armin Dellnitz: "Dieses Haus ist auch in 20 Jahren noch aktuell."    Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart. Herr Dellnitz, die Idee für das Haus des Tourismus liegt schon einige Jahre zurück. Erinnern Sie sich noch, wie alles begonnen hat?
Ja, sehr genau. Wir hatten damals die Vision, mitten in der Stadt, in allerbester Lage, einen Ort zu schaffen, an dem Tourismus greifbar und erlebbar wird. Uns war klar: Eine klassische Tourist-Information allein reicht heute nicht mehr. Die Menschen wollen inspiriert werden, sie möchten etwas ausprobieren, schmecken, sehen, erleben - bevor sie sich entscheiden, wohin die Reise geht. Diese Gedanken haben wir 2020 gemeinsam mit den Architekten entwickelt. Und das Faszinierende ist: Die Grundidee von damals steht immer noch. Das Konzept musste nicht grundlegend geändert werden, obwohl wir eine Pandemie, schwierige Baujahre und gestiegene Kosten überstanden haben. Das zeigt, dass der Kern unserer Idee von Anfang an tragfähig war.

Unternehmen aus der Region
"Ich bin überzeugt, dass hier eine neue Achse entsteht: vom Dorotheenquartier über den Marktplatz bis ins Rathausviertel."
Armin Dellnitz
Geschäftsführer der Stuttgart-Marketing GmbH

Welche Rolle spielt das Haus in der Strategie für Stuttgart und die Region?
Es ist ein sichtbares Zeichen dafür, welchen Stellenwert die Tourismuswirtschaft zu recht einnimmt. Oft wird Tourismus auf Hotels und Stadtführungen reduziert, aber er ist viel breiter: Er umfasst Kultur, Gastronomie, Hotellerie, Freizeit, Natur, Kongresse und natürlich auch Arbeitsplätze. Mit dem Haus bündeln wir diese Vielfalt. Wir zeigen, dass das Haus ein Schaufenster für das ganze Land Baden-Württemberg sein kann. Es ist also weit mehr als eine Serviceeinrichtung - es ist Aushängeschild, Bühne und Marktplatz für die gesamte Branche.

Ein Projekt dieser Dimension ist nicht billig. Wie viel wurde investiert?
Insgesamt reden wir von rund 25 Millionen Euro brutto. Die Landeshauptstadt Stuttgart trägt den größten Anteil mit voraussichtlich etwa 21,5 Millionen Euro. Weitere Kostendeckung erreichen wir beispielsweise über Fördermittel für energieeffizientes Bauen. Natürlich war das ein Kraftakt, gerade weil sich die Baukosten in den letzten Jahren verdoppelt haben. Aber wir haben immer gesagt: Diese Investition zahlt sich langfristig aus. Denn das Haus ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern ein Unternehmen, das wirtschaftlich stabil arbeiten wird - durch Vermietungen, durch Gastronomie, durch Veranstaltungen.

Sie haben die schwierige Bauphase angesprochen. Was waren die größten Herausforderungen?
Die Liste ist lang: Materialknappheit, Fachkräftemangel, eine schwierige Bausubstanz aus den 50er-Jahren, dazu die explodierenden Kosten. Am Ende hat sich die Bauzeit verdoppelt - das war für alle Beteiligten anstrengend. Aber wir haben durchgehalten, weil wir von der Idee überzeugt waren. Ein besonderer Moment für mich war, als im August das Gerüst zum Marktplatz hin abgebaut wurde. Da haben die Menschen zum ersten Mal gesehen, welchen Beitrag das Haus architektonisch und städtebaulich leisten wird.

Warum fiel die Standortwahl auf den Marktplatz?
Dem Platz fehlte lange die Lebendigkeit. Natürlich gibt es das Rathaus, natürlich ist der Wochenmarkt da - aber es fehlte ein Anziehungspunkt, der dauerhaft Menschen bringt. Mit dem Haus können wir den Marktplatz aufwerten. Ich bin überzeugt, dass hier eine neue Achse entsteht: vom Dorotheenquartier über den Marktplatz bis ins Rathausviertel. Das Haus fungiert als Bindeglied.

Was erwartet die Besucherinnen und Besucher im Inneren?
Zum einen eine der modernsten Tourist-Informationen Deutschlands. Hier kann man sich beraten lassen, Tickets kaufen - ob für den VfB, die Staatstheater oder fast jede Veranstaltung in der Stadt. Aber es gibt noch viel mehr: Gastronomie, die regionale Produkte anbietet, Räume für Tagungen und Events, Büros für Stuttgart-Marketing GmbH und die Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg. Ein Highlight ist unsere 180-Grad-LED-Wand. Sie ist ein digitales Erlebnis, das die Gäste emotional in touristische Welten eintauchen lässt. Gleichzeitig versprechen wir: Jeder Gast verlässt das Haus mit mindestens drei neuen Ideen. Das gilt für Touristen genauso wie für Stuttgarterinnen und Stuttgarter, die vielleicht Anregungen für den nächsten Wochenendausflug suchen.

Damit sprechen Sie auch die Einheimischen an. Ist das Haus ausdrücklich für sie gedacht?
 Unbedingt. Viele glauben, eine Tourist-Information sei nur für Fremde. Aber wir wollen ein Haus für alle sein. Die Stuttgarterinnen und Stuttgarter finden Inspiration für ihre Freizeit, regionale Spezialitäten, Veranstaltungen. Sie können einfach auf die Dachterrasse gehen, einen Kaffee trinken und nebenbei in den Unterlagen herumschmökern, die sie im darunter liegenden i-Punkt erhalten haben. Und sie werden staunen, wie vielfältig und lebenswert die Stadt und Region ist, in der die Menschen leben dürfen.

Welche Partner sind beteiligt?
Wir haben ein starkes Netzwerk. Neben Stuttgart-Marketing GmbH, Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus GmbH und der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg sind viele Premiumpartner dabei, etwa e die Museen von Mercedes-Benz und Porsche, Ritter Sport, die Staatstheater, die Wilhelma, der VfB Stuttgart, das Märklineum, der Europa-Park, Hochland Kaffee, die Staatlichen Schlösser und Gärten, die Landesmesse, Stage Entertainment und die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart. Sie alle bekommen bei uns eine Bühne - ob analog durch Ausstellungsflächen oder digital über unsere Medieninstallationen. 

Wie wichtig war Nachhaltigkeit?
Sehr wichtig. Wir haben die alte Substanz weitgehend erhalten, viel Holz verwendet, eine Photovoltaikanlage installiert, energieeffizient gebaut. Und in der Tourist-Information bieten wir ein Sortiment regionaler Produkte von kleinen Anbietern an. Das ist für uns gelebte Nachhaltigkeit - nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch und sozial. 

Wie flexibel ist das Konzept?
Das Haus ist so geplant, dass es auch in zehn oder zwanzig Jahren noch aktuell sein kann. Keine schweren Wände, alle Räume sind multifunktional. Wir können Veranstaltungen durchführen, Flächen anpassen, neue Partner einbinden. Das Haus ist lebendig - so wie die Stadt selbst. 

Und wenn Sie das Haus in einem Satz beschreiben müssten?
Es ist ein Haus, auf das die Menschen dieser Region stolz sein dürfen - weil es zeigt, in welch erlebnisreicher Region wir leben. Oder, etwas knackiger gesagt: das Reisebüro für ganz Baden-Württemberg.



Die Fragen stellte Ingo Dalcolmo.