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Im Einklang mit dem Standort: Erfolgsrezept für naturnahe Gärten

Ein wilder, lebendiger Garten wirkt mühelos - doch hinter echter Natürlichkeit steckt Planung. Wer Vielfalt und Stabilität will, braucht Wissen über Pflanzen, Standorte und ökologische Zusammenhänge.

Im Einklang mit dem Standort: Erfolgsrezept für naturnahe Gärten

Vermeintlich„ungepflegte“ Bereiche eines naturnahen Gartens sind oft bewusst so angelegt, in Trockenmauern fühlen sich trockenheitsliebende Pflanzen wohl. Foto: BGL

Ein Garten, der aussieht, als hätte ihn die Natur selbst gestaltet - wild, vielfältig und voller Leben. Das ist der Traum vieler Gartenbesitzer. Doch wer glaubt, man müsse für eine lebendige, vielfältige Fläche „nur die Natur machen lassen“, irrt und verkennt nicht nur die Ansprüche der Pflanzenwelt, sondern auch die Rolle fundierter Pflanzenkenntnis. „Ein Garten ist immer eine Kulturlandschaft und es braucht solide landschaftsgärtnerische Kompetenz, um eine langfristig gesunde, artenreiche und vielfältige Anlage zu erzielen“, erläutert Uschi App vom Bundesverband Garten-, Landschaftsund Sportplatzbau e. V. (BGL). „Ein naturnaher Garten entsteht nicht per Zufall, sondern ist das Ergebnis von detaillierter Planung unter Berücksichtigung von Bodentypen, Wuchsdynamiken, Pflanzengesellschaften und Lebensbereichen.“ Zusammengefasst: Ein naturnaher Gartenist ein ökologisch durchdachtes Projekt und lebt davon, dass die Pflanzen nicht nur nach Aussehen, sondern vor allem nach Funktion, Standort und Entwicklung ausgesucht, kombiniert und in Szene gesetzt werden.

„Ein naturnaher Garten ist Ergebnis von einer detaillierten Planung.“
Uschi App, Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau

Der Standort als Ausgangspunkt

Ein zentrales Prinzip in der Gestaltung eines naturnahen Gartens lautet: standortgerechte Pflanzenauswahl. Die Beschaffenheit des Bodens, Lichtverhältnisse, Feuchtigkeit, Windlagen all das bestimmt, welche Pflanzen sich vor Ort wohlfühlen und dort langfristig gedeihen. „Unsere Aufgabe als Landschaftsgärtner ist es, den Garten so zu planen, dass er im Einklang mit den bestehenden Standortfaktoren funktioniert – nicht gegen sie“, so Uschi App. „Zwar ist es auch möglich, den Boden entsprechend aufzuarbeiten, sodass er sich für die gewünschten Gewächse anbietet. Besser ist es jedoch, und das empfehlen wir unserer Kundschaft auch, mit den natürlichen Gegebenheiten zu arbeiten und die Pflanzenwunschliste entsprechend anzupassen.“ In einem trockenen, sandigen Boden finden typische trockenheitsliebende Wildstauden wie Edeldistel (Eryngium planum), Steppensalbei (Salvia nemorosa) oder Fetthenne (Sedum telephium) hervorragende Bedingungen. Statt hier feuchtigkeitsliebende Pflanzen mit regelmäßigen Gießrunden mühsam durchzubringen, sollte die Bepflanzung konsequent auf die eher steppenähnlichen Standortbedingungen abgestimmt werden - das spart Wasser, Pflege, Zeit und Geld und sieht dazu noch eindrucksvoll aus. „Nur wer Pflanzen kennt, kann sie standortgerecht verwenden, und nur wer Standortbedingungen versteht, kann naturnahe Strukturen schaffen, die langfristig stabil, ästhetisch und ökologisch wertvoll sind“, so Uschi App.

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Nicht nur schön, sondern auch nahrhaft

Naturnahe Gärten sind nicht nur Augenweide für uns Menschen, sondern auch Lebensgrundlage für eine Vielzahl an Pflanzenund Tierarten. Foto: BGL
Naturnahe Gärten sind nicht nur Augenweide für uns Menschen, sondern auch Lebensgrundlage für eine Vielzahl an Pflanzenund Tierarten. Foto: BGL

Auch der ökologische Wert der Pflanzen sollte beachtet werden - besonders im Hinblick auf ihre Bedeutung für Insekten, Vögel und andere Gartenbewohner. Naturnahe Gärten werden so nicht nur zur Augenweide, sondern auch zur Lebensgrundlage, weil sie Nektar, Pollen, Früchte und Samen bieten. 

„Viele Pflanzen, die optisch unscheinbar wirken, sind für Wildbienen, Schmetterlinge oder Vögel regelrechte Schatzkammern“, erklärt Uschi App. „Ein Garten sollte nicht nur gefallen, sondern auch nähren und das ganzjährig.“ Statt steriler Zuchtformen mit gefüllten Blüten setzen Landschaftsgärtner gezielt auch auf heimische, einfache Arten: Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), wilde Malve (Malva sylvestris) oder Blutweiderich (Lythrum salicaria) sind ökologisch wertvolle Pflanzen, die vielen Insekten als Hauptnahrungsquelle dienen. Gehölze wie Kornelkirsche (Cornus mas) oder Weißdorn (Crataegus monogyna) bieten nicht nur im Frühjahr Nahrung für Bestäuber, sondern liefern im Herbst auch Früchte für Vögel. „Wo gegessen wird, wird auch getrunken: Daher ist es wichtig, im Garten auch Trinkmöglichkeiten für Tiere zu bieten, etwa in Form eines naturnah angelegten Teichs, einer Feuchtstelle oder einer einfachen Wasserschale“, weiß Uschi App. Selbst kleine Wasserflächen schaffen wertvolle Lebensräume für Amphibien, Libellen, Wasserkäfer und Co. – ein ökologischer Mehrwert, der die Biodiversität im Garten deutlich steigert.

Pflege gehört dazu im naturnahen Garten

Zwar fällt die Pflege eines naturnahen Gartens deutlich geringer aus als bei einer Anlage mit architektonischen Formschnittgehölzen und akkuraten Rasenflächen, doch auch hier ist hin und wieder besondere Aufmerksamkeit angebracht.

„Pflege bedeutet dabei nicht Mähen oder Unkrautüäten sondern vor allem beobachten, eingreifen, lenken“, sagt Uschi App. „Naturnahe Gärten entwickeln sich dynamisch. Wer sie begleitet, muss wissen, wann Eingriffe sinnvoll sind und wann man besser einfach mal abwartet.“

„Nur, weil ein Baum tot ist, ist er nicht gleich nutzlos.“
Uschi App, Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau

Eine wichtige Eigenschaft im naturnahen Garten ist die Geduld. Stauden sollten beispielsweise über den Winter stehen bleiben, statt sie im Herbst rigoros zurückzuschneiden. Denn in ihren hohlen Stängeln überwintern zahlreiche Insektenarten. Auch vermeintlich „ungepflegte“ Bereiche eines naturnahen Gartens sind oft bewusst so angelegt – zum Beispiel Fugen in Pflasterflächen, die nicht akribisch ausgekratzt, sondern gezielt begrünt werden. Gleiches gilt für die Zwischenräume in Trockenmauern, in die problemlos trockenheitsliebende Pflanzen gesetzt werden können. Ein oft übersehener, aber ökologisch wertvoller Pflegeaspekt ist der Umgang mit Totholz. „Nur weil ein Baum tot ist, ist er nicht gleich nutzlos“, sagt Uschi App. „Im Gegenteil: Stehendes Totholz ist einer der artenreichsten Lebensräume im Garten.“ Selbstverständlich steht die Sicherheit im Vordergrund – lose Äste oder bruchgefährdete Partien sollten entfernt werden. Doch ein stabiler Stamm mit niedrigen Astansätzen darf – wo es möglich ist - stehen bleiben, um Spechten, Wildbienen, Käfern und Pilzen ein Zuhause zu bieten. Der fachgerechte Rückschnitt, das Eindämmen sich stark ausbreitender Gewächse, das gezielte Entfernen von unerwünschten Arten, das Erkennen von entstandenen Lücken, der Rückschnitt der Stauden im Frühjahr: All das gehört auf einem naturnahen Grundstück dazu und unterscheidet es von einer Fläche ohne Struktur. GPP