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Leonberg

Frauen-Bundesliga FC Bayern: Erdrückende Dominanz

74 von 78 Punkten, 90:9 Tore und der vierte Meistertitel in Folge – mögliche Playoffs ab 2027/28 sowie starke Abwanderung von Topspielerinnen ins Ausland.

Frauen-Bundesliga FC Bayern: Erdrückende Dominanz

Giulia Gwinn (Bildmitte) und Pernilla Harder (ganz rechts) sind prägende Figuren bei Bayern München. Foto: IMAGO/ActionPictures

Mit seiner ruhigen und besonnenen Art hat sich José Barcala in nur einer Saison in der Frauen-Bundesliga viele Freunde gemacht. Auch, weil der Respekt vor dem Gegner beim Trainer des FC Bayern immer mitspielt. Dabei haben die Münchnerinnen im Grunde gar keine Konkurrenz mehr: Der vierte Titelgewinn in Folge geriet zum eindrucksvollen Beleg der nationalen Dominanz. Am Ende hatten die FCB-Fußballerinnen 74 von 78 möglichen Punkten gesammelt und 90:9 Tore geschossen. Auch das DFB-Pokalfinale gegen den Rivalen VfL Wolfsburg (4:0) in Köln geriet zur Machtdemonstration.

Der Spanier erklärte die Überlegenheit einmal so: „Wir haben die Kapitäninnen von Deutschland und Dänemark und absolute Führungsspielerinnen aus England, Norwegen und Kanada – einen Kader voller Talent.“ Wenn man diesen Spielerinnen einen klaren Plan vermittelt, sagte der 44-Jährige, „dann können sie mit ihrer Qualität bis zum Mond kommen“. In der Champions League war allerdings im Halbfinale gegen den späteren Sieger FC Barcelona (1:1, 2:4) Endstation.

Häufung an spielerischer Qualität

Giulia Gwinn und Pernilla Harder, die erwähnten Anführerinnen der deutschen und dänischen Auswahl, sind nur zwei von vielen prägenden Figuren: Die isländische Kapitänin Glódís Perla Viggósdóttir gilt als eine der besten Abwehrspielerinnen der Welt, Franziska Kett und Klara Bühl vereinen auf der linken Seite Tempo, Technik und Torgefahr. Und im Mittelfeld ist die japanische Entdeckung Momoko Tanikawa mit gerade 21 Jahren längst ein Fixpunkt. Eine solche Häufung von Qualität weist kein anderes Ensemble auf. Bei den Frauen wirkt die bayrische Übermacht fast noch erdrückender als bei den Männern. Deshalb erwägt die neu gegründete Frauen-Bundesliga FBL e. V. – ein eigener Liga-Verband nach Vorbild der früheren DFL (jetzt Bundesliga) –, den Deutschen Meister vielleicht künftig in Playoffs zu küren. Ein Teil der 14 Klubs soll offen für die Idee sein, die mit dem neuen Medienvertrag ab der Saison 2027/28 umgesetzt werden könnte.

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Liga wirkt arg vorhersehbar

Es wäre eine Revolution. Die Liga wirkt arg vorhersehbar. Der Einlauf der Top Drei ist seit der Saison 2022/23 immer derselbe: Bayern vor Wolfsburg und Eintracht Frankfurt, gewissermaßen der „ewige Dritte“, der genau wie Wolfsburg noch Playoffs für die Königsklasse bestreitet. Vor allem Union Berlin und Bayer Leverkusen wollen auch mal international spielen – und zumindest Wolfsburg und Frankfurt attackieren.

Wolfsburg Im Vorjahr hatte die Werkself vor einer Rekordkulisse von 57.762 Besuchern das Eröffnungsspiel in München bestritten, nun kommt Union am 21. August an der Alten Försterei zu dieser Ehre gegen die Bayern. Gleichberechtigung wird bei den Eisernen mit der Nutzung derselben Spielstätte vorgelebt. Als Aufsteiger knackte Union auf Anhieb die Marke von insgesamt mehr als 100.000 Zuschauern, kam auf einen Schnitt von 8200 Fans. Die Verpflichtung der Frankfurter Nationalspielerinnen Jella Veit und Lisanne Gräwe unterstrich die Ambitionen in Berlin-Köpenick. „Der Kader ist schon jetzt so gut aufgestellt, dass wir einen Platz unter den Top Fünf anvisieren“, sagt die sportliche Leiterin Jennifer Zietz.

Trainerin Marie-Louise Eta ist bekannt geworden, weil die resolute 35-Jährige als erste Frau in der Männer-Bundesliga auf der Trainerbank saß und einen selbstbewussten, fachkundigen Eindruck hinterließ.

Ansonsten gibt es nur drei weitere Trainerinnen: die frühere DFB-Assistentin Britta Carlson (1.FC Köln), die ZDF-Expertin „Fritzy“ Kromp (Werder Bremen) und Eva-Marie Virsinger (TSG Hoffenheim). Auch die Aufsteiger VfB Stuttgart beschäftigen sich mit Nico Schneck und der FSV Mainz 05 mit dem Japaner Takashi Yamashita, zwei Männer. Noch ein bisschen mehr Diversität auf dem Posten würde sicher nicht schaden.

Und schade, dass mit der SGS Essen der letzte reine Frauenfußballverein abgestiegen ist. Nun spielen ausschließlich Klubs mit einer professionellen Männer-Profiabteilung mit. Das schien bei Gründung der Frauen-Bundesliga 1997 undenkbar. Viele Klubs von damals wie Heike Rheine, SC Bad Neuenahr oder SV Grün-Weiß Brauweiler sind längst von der Bildfläche verschwunden.

Aktuell das größte Problem stellt die Abwanderungswelle von Topspielerinnen dar: Der FC Arsenal lockte neben der englischen Europameisterin Georgia Stanway (Bayern) auch noch Torjägerin Selina Cerci (TSG Hoffenheim), Topspielerin Geraldine Reuteler (Frankfurt) und Toptalent Lisa Baum (RB Leipzig). Während die Bayern den Abgang ihrer Mittelfeldantreiberin Stanway auffangen können, weil mit Lena Oberdorf und Sarah Zadrazil zwei lange verletzte Leistungsträgerinnen auf ihrer Position zurückkehren, wird es für die Verfolger unmöglich, den Qualitätsverlust aufzufangen. Wolfsburgs Nationalspielerin Vivien Endemann nahm ein Angebot vom FC Liverpool an, Lineth Beerenstyn zog es zu Real Madrid. Dort heuerte auch Frankfurts DFB-Auswahlspielerin Elisa Senẞs an, Topstürmerin Nicole Anyomi zog es zu den London City Lionesses.

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kaum jemand widerstehen. „Schaut man sich an, was da los ist, ist es schon schwierig auch für den FC Bayern“, so Bayerns Sportdirektorin Bianca Rech. „Spielerinnen wollen Wettbewerb haben und in einer attraktiven Liga spielen.“ Und das sei im Moment in England gegeben auf einem sehr, sehr hohen Niveau sowie auf einem hohen finanziellen Niveau. Rech: „Da müssen wir uns aktuell hinten anstellen.“ International, wohlgemerkt. National sieht es erneut nach einem Durchmarsch ihres Klubs aus.

Von Frank Hellmann