Da ist noch Luft nach oben. Der Spruch ist bekannt und in Sachen Immobilien durchaus konkret: Angesichts des Mangels an Wohnraums gilt in Ballungsräumen längst auch die Devise Verdichten, Aufstocken, Ausbauen und Konvertieren.
Über den Dächern der Landeshauptstadt
Zunehmend werden Dächer als Baufläche entdeckt, das versiegelt keine neuen Flächen und nutzt vorhandene Kapazitäten. Laut der Studie, die die Technische Universität Darmstadt und das Pestel-Institut Hannover veröffentlichte, schlummert auf deutschen Dächern ein Bauplatzpotenzial für rund zwei Millionen Wohnungen.
Die Erkenntnis, dass auf dem Dach was geht, ist so neu nicht. Wurde doch schon vor Dekaden vom exklusiven Wohnen über der Stadt geträumt. Denn die zentrale Lage und Annehmlichkeiten urbanen Lebens gehen da mit einem erhabenen Ausblick eine charmante Liaison ein.
Zu den gelungenen Beispielen eines spektakulären Dachaufbaus gehört das futuristische Doppelstockgebäude, von manchen liebevoll als „Stuttgarter Ufo“ bezeichnet, das Architekt Florian Danner 2009 auf einem Gründerzeithaus im Süden der Landeshauptstadt landen ließ. Sein Glück: Die Eigentümergemeinschaft des Baus konnte sich die Sanierung des Notdachs aus dem Zweiten Weltkrieg nicht leisten. Sie verkauften es zu einem symbolischen Preis an Danner, dem gleich etwas völlig Eigenständiges, „spacig Abgehobenes“ darauf vorschwebte. Längst findet man derlei Aufbauten und Umwandlungen – wenn auch nicht im Übermaß – in Großstädten von Hamburg bis München.
Ist ein Penthouse das Gleiche wie eine Dachgeschosswohnung? Historisch gesehen sind Dachgeschosswohnungen, gleich wie luxuriös und wie großzügig die Terrasse sein mögen, stets in das Gebäude integriert. Das Penthouse wiederum steht frei auf dem Dach, ist sozusagen ein Haus auf dem Haus. Das wiederum wurde dank der Weiterentwicklung des elektrischen Fahrstuhls möglich.
War noch zu Gründerzeiten die „Bel Etage“, also das erste und vor allem zweite Obergeschoss, die vornehmsten Wohnlage und die Dachmansarde den Dienstboten vorbehalten, wurde – insbesondere in New York – ab Mitte der 1940er das Wohnen über der Stadt zum Olymp des luxuriösen Lifestyles. Exklusiv wurde so auch der Zugang: Die Bewohnerinnen und Bewohner hatten oft einem eigenen Aufzug. Im „Big Apple“ gibt es dazu auch aus jüngerer Zeit außergewöhnliche Beispiele, etwa das geplante 1000 Quadratmeter große Triplex-Penthouse im Stadtteil Chelsea mit Blick über die Skyline bis zum Empire State Building. Demokratisch-pragmatisch indes sah der legendäre Le Corbusier, Createur des Weltkulturerbe-Doppelhauses in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung, das Leben auf dem Dach. Der französisch-schweizerische Architekt setzte seiner Unité d’Habitation „Cité radieuse“ in Marseille 1951 einen Sportplatz samt Schwimmbad auf die Dachterrasse – als gemeinschaftlich nutzbare Einrichtung. Petra Mostbacher-Dix