Wie werden wir künftig wohnen, arbeiten und zusammenleben? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart. An zahlreichen Projekten zeigt die IBA'27, wie nachhaltiges Bauen, innovative Arbeitswelten und lebenswerte Quartiere in Zukunft aussehen. Eines dieser Vorhaben entsteht mitten im Stuttgarter Westen: das Klett-Areal am Feuersee. Aus einem über Jahrzehnte gewachsenen Verlagsstandort entsteht hier ein zukunftsorientierter Arbeits- und Stadtraum – nicht durch Abriss und vollständigen Neubau, sondern durch die behutsame Weiterentwicklung des Bestands. Genau dieser Ansatz macht das Projekt zu einem beispielhaften IBA-Vorhaben. Bestehende Gebäude werden erhalten, ressourcenschonend modernisiert und zu einem zusammenhängenden Ensemble entwickelt.
Das künftig autofreie Areal verbindet Klimaschutz, Aufenthaltsqualität und moderne Arbeitswelten. Gleichzeitig soll die historische Identität der Gebäude erhalten bleiben. Die Dimension der Transformation zeigt sich auch in den Zahlen: Auf dem rund 11.600 Quadratmeter großen Grundstück werden acht von 17 Gebäuden saniert, zwei vollständig zurückgebaut und ein Neubau ergänzt. So entstehen neue Geschäftsflächen mit modernen Büros für die rund 1.100 Mitarbeitenden der in Stuttgart ansässigen Unternehmen der Klett-Gruppe.
Bei der baulichen Umsetzung übernimmt die Gottlob-Rommel-Gruppe eine zentrale Rolle und verantwortet die Leistungspakete Rohbau, Gebäudehülle, Außenanlagen und Elektrotechnik. Damit ist das Stuttgarter Bau- und Gebäudetechnikunternehmen an nahezu allen wesentlichen Bauabschnitten beteiligt und bringt seine Erfahrung insbesondere in der Modernisierung komplexer Bestandsgebäude ein. Das Besondere an diesem Projekt ist jedoch nicht nur die bauliche Aufgabe, sondern vor allem die Art der Zusammenarbeit. Denn das Klett-Areal wird nach dem Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA) mit Mehrparteienvertrag realisiert. Anders als bei klassischen Bauprojekten arbeiten alle Projektpartner bereits in einer frühen Phase eng zusammen und verfolgen gemeinsame Projektziele. „Diese neue Herangehensweise stellt den gemeinsamen Projekterfolg in den Mittelpunkt“, erklärt Benjamin Heinrich, Geschäftsfeldleitung Altbausanierung bei der Gottlob-Rommel-Gruppe. „Entscheidend sind dabei die frühzeitige Einbindung aller Partner, eine offene Projektkultur, eine integrierte Organisation und die enge Zusammenarbeit über alle Fachbereiche hinweg.“ Die organisatorische Grundlage schafft der sogenannte Mehrparteienvertrag. Transparenz, Vertrauen und gemeinsames Handeln ersetzen das klassische Denken in getrennten Verantwortlichkeiten. Bereits während der Planung bringen alle Beteiligten ihr Fachwissen ein, wodurch Risiken frühzeitig erkannt und Lösungen gemeinsam entwickelt werden können. „Der kollaborative Ansatz fordert Transparenz sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit allen Projektpartnern“, betont Benjamin Heinrich. „Bereits in der Vorplanung haben alle Projektbeteiligten wichtige Impulse und ihr spezifisches Know-how in das komplexe Sanierungsprojekt eingebracht, um so die Projektziele abzusichern sowie die Risiken und Unwägbarkeiten deutlich zu reduzieren.“ Neben der neuen Form der Zusammenarbeit prägt auch das konsequente Nachhaltigkeitskonzept die Transformation des Areals. Statt wertvolle Bausubstanz zu ersetzen, werden vorhandene Gebäude weitergenutzt und ressourcenschonend modernisiert. Gleichzeitig kommen innovative Baustoffe und wiederverwendete Materialien zum Einsatz. So entstehen nichttragende Innenwände beispielsweise aus Hanfkalk und Lehmsteinen, alte Backsteine werden für neue monolithische Außenwände wiederverwendet.
Gleichzeitig wird die Gebäudetechnik bewusst auf das notwendige Maß reduziert und durch passive Maßnahmen ergänzt, die eine sommerliche Überhitzung verhindern. Vorhandene Materialien und Bauteile werden möglichst weitergenutzt. Das spart Ressourcen und reduziert die sogenannte graue Energie, also jene Energiemenge, die bereits für die Herstellung, den Transport und den Einbau von Baustoffen aufgewendet wird. Das Ergebnis sind langlebige Gebäude mit geringem Wartungsaufwand und niedrigen Betriebskosten. „Durch die kluge Nutzung der bestehenden Gebäudesubstanz und die Wiederverwendung von Materialien schonen wir Ressourcen und verringern CO₂-Emissionen“, erklärt Benjamin Heinrich. „Bereits in der Planungsphase wurde der klimaneutrale Gebäudebetrieb vorgedacht und durch nachhaltige Lösungen in der Bauphase vorbereitet.“ Die nachhaltige Transformation reicht dabei weit über die Gebäude hinaus. Ziel ist es, aus dem bestehenden Areal einen zukunftsfähigen Stadtraum mit hoher Aufenthaltsqualität zu entwickeln. Wo immer möglich, werden versiegelte Flächen zurückgebaut, Freiräume neugestaltet und zusätzliche Grünbereiche geschaffen. Regenwasser bleibt künftig vor Ort gespeichert, während die Vegetation dazu beiträgt, das Mikroklima insbesondere an heißen Sommertagen positiv zu beeinflussen. „Das vormals aus mehreren Einzelgrundstücken bestehende Areal fügt sich durch die Transformation stadträumlich zu einem Gesamtbild zusammen“, erklärt Benjamin Heinrich. „Dabei wird das typische Erscheinungsbild der Blockrandbebauung im Stuttgarter Westen wertschätzend bewahrt.“
Das Klett-Areal zeigt damit beispielhaft, wie sich innerstädtische Bestandsquartiere zukunftsfähig weiterentwickeln lassen. Nachhaltigkeit entsteht hier nicht allein durch neue Materialien oder moderne Technik, sondern vor allem durch den verantwortungsvollen Umgang mit vorhandenen Ressourcen und eine partnerschaftliche Projektkultur.
Von Brigitte Bonder