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Bewegung nach Maßarbeit

Orthopädietechnik-Mechanikerin Lina Schweiker hilft Menschen dabei, wieder mobil zu werden.

Bewegung nach Maßarbeit

WEILER Lina Schweiker hat ihren Traumberufgefunden. Foto: Alber

Die 23-jährige Lina Schweiker aus Ottmarsheim bei Besigheim hat ihren Traumberuf gefunden – auch wenn der Weg dorthin nicht ganz geplant war. Heute arbeitet sie bei der Firma Ortema in Markgröningen als Orthopädietechnik-Mechanikerin und hat mit ihrer Leidenschaft für das Handwerk, dem Interesse an Medizin und dem Umgang mit Menschen eine berufliche Heimat gefunden, die perfekt zu ihr passt.

Nach dem Abitur stand Schweiker zunächst wie viele junge Menschen vor der Frage:„Und was jetzt?“ Ein klassisches Studium kam für sie nicht infrage, zu sehr reizte sie die handwerkliche Arbeit. Auch Zahntechnik stand einmal im Raum – ein Beruf, den viele kennen, der Schweiker aber zu einseitig erschien. Der Zufall half bei der Entscheidungsfindung: Sie stieß auf einen Zeitungsartikel über Orthopädietechnik, der ihre Neugier weckte. Ihre Eltern, beide mit einem Gespür für Gesundheit und Technik – die Mutter arbeitet in einem Therapiezentrum, der Vater ist Handwerker – regten an, sich das Thema näher anzuschauen. Schweiker las, recherchierte - und war schnell überzeugt: Das klingt spannend!

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Ein Praktikum bestätigte ihren Eindruck. Der Betrieb war von ihr ebenso angetan wie sie von Beruf, und schon bald hielt sie ihren Ausbildungsvertrag in Händen. Heute ist sie aus Überzeugung dabei – und hat ihre Entscheidung keinen Moment bereut.

Was sie an ihrem Beruf so schätzt? „Die Abwechslung. Kein Tag ist wie der andere“, sagt die 23-Jährige. Der Job sei eine gelungene Mischung aus handwerklichem Können, medizinischem Wissen und dem direkten Kontakt mit Menschen. Es gehe um weit mehr als das Anfertigen von Hilfsmitteln – es gehe um das Verstehen des menschlichen Körpers, seiner Funktionen, Krankheiten und Bewegungsabläufe. Gleichzeitig ist technisches Verständnis gefragt, ebenso wie handwerkliches Geschick und die Fähigkeit, auf Augenhöhe mit Ärzten und Physiotherapeuten zusammenzuarbeiten.

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Der unmittelbare Kontakt zum Patienten ist bereichernd

Besonders bereichernd empfindet Schweiker den unmittelbaren Kontakt zu den Patientinnen und Patienten. Haben diese sich beim Sport oder im Alltag verletzt oder andere körperliche Beschwerden wie Ooder XBeine, sind sie häufig auf die Unterstützung durch spezielle Orthesen, Schuhe oder Einlagen angewiesen, um den Alltag zu meistern und wieder mobiler zu werden. Diese werden von Schweiker und ihren Kollegen gefertigt, die damit den Menschen helfen, wieder mehr Lebensqualität zu erhalten.

„Kaum jemand weiß, wie vielseitig unser Job ist“
Lina Schweiker

Wenn beispielsweise jemand mit einer Kniegelenkarthrose nach dem Anlegen einer Orthese plötzlich weniger Schmerzen verspürt, sei das ein bewegender Moment, berichtet die 23-Jährige aus ihrem Berufsalltag. „Man sieht sofort, wie sehr sich die Menschen freuen“, erzählt sie. Auch die Möglichkeit, Heilungsverläufe zu begleiten – etwa bei Kontrollterminen der Kunden vor Ort - mache den Beruf so erfüllend.

Doch Orthopädietechnik bedeutet nicht nur Therapie, sondern in ihrem Unternehmen aber auch Prävention. Viele ihrer Kunden sind Sportler: Eishockeyspieler, Skifahrer, Fußballer, Motocross-Fahrer. Sie kommen, um sich mit speziellen Schutzausrüstungen auszustatten. „Erst vor ein paar Tagen war wieder ein Profifußballer bei uns. Wir haben ihm nach einem Nasenbeinbruch eine Gesichtsmaske angepasst, damit er wieder spielen konnte – mit Schutz natürlich“, gibt die junge Frau einen kleinen Einblick in die Liste der prominenten Kunden.

Dass ihr Beruf vielen Menschen weitgehend unbekannt ist, wundert Schweiker nicht. „Kaum jemand weiß, wie vielseitig unser Job eigentlich ist.“ In ihrem Freundeskreis war sie die erste, die Orthopädietechnik-Mechanikerin wurde und inzwischen hören alle gebannt zu, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt.

Der Wunsch, sich fachlich weiterzuentwickeln, treibt die junge Frau an. In fünf Jahren möchte sie ihren Meister in der Tasche haben. Ein Studium ist, für sie derzeit kein Thema zu spezialisiert, zu wenig handwerklich. Die Ausbildung sei breiter aufgestellt, praxisnäher und besser geeignet, um in der Werkstatt und mit Menschen zu arbeiten. Genau das liege ihr.

Ein besonderes Highlight ihrer bisherigen Laufbahn war die diesjährige Teilnahme an der "Deutschen Meisterschaft im Handwerk – German Craft Skills“. Nach der Gesellenprüfung qualifizierte sich Schweiker zunächst auf Kammerebene in Stuttgart, setzte sich dann auf Landesebene durch und gewann schließlich das Bundesfinale in Dortmund in der Kategorie Orthopädietechnik Mechanik. „Es war ein einmaliges Erlebnis“, erinnert sie sich. Besonders spannend: der Austausch mit anderen jungen Handwerkerinnen und Handwerkern, der Blick über den Tellerrand.

Dass sie nun ein Jahr lang als „Gesicht ihrer Branche“ unterwegs ist, empfindet sie als große Ehre.„Ich wollte zeigen, was in mir steckt und all jene stolz machen, die mich auf meinem Weg unterstützt haben.“ Die Teilnahme an dem Wettbewerb habe ihr viele neue Einblicke verschafft und noch einmal bestätigt, dass sie beruflich genau dort ist, wo sie hingehört.

Wenn sie über ihren Beruf spricht, leuchten die Augen. „Nur am Computer sitzen? Das wäre nichts für mich“, betont sie ausdrücklich. In der Werkstatt zu stehen, mit Materialien zu arbeiten, mit Menschen in Kontakt zu sein – das ist ihre Welt. Und sie möchte anderen jungen Menschen Mut machen, sich ebenfalls auf diesen Beruf einzulassen: „Man muss keine Angst vor neuen Dingen haben. Wer Interesse an Medizin und Technik hat und gern mit Menschen arbeitet, wird in diesem Beruf richtig glücklich.“