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Frisuren-Salon Overmann in Degerloch

Overmann setzt auf Nachhaltigkeit: Haare werden gesammelt, um als Filter zur Reinigung verschmutzter Gewässer eingesetzt zu werden. Dazu werden Kosmetikprodukte zum Umweltschutz angeboten.

Frisuren-Salon Overmann in Degerloch

Bei Overmann Frisuren werden Haare gesammelt, um die Ozane zu säubern. Fotos: eha

Privat hat für Manuela Overmann Nachhaltigkeit schon immer eine große Rolle gespielt. „Ich habe Kinder und möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass die Welt lebenswert ist“, sagt die Inhaberin von Overmann Frisuren mit Zweithaarstudio in Stuttgart-Degerloch. Auch in ihrem Unternehmen schont die Friseurmeisterin die Umwelt. In den vergangenen zwei Jahren hat sie zusammen mit ihrem Team an einigen Stellschrauben gedreht, um den Fußabdruck ihres Salons in der Jahnstraße 4 zu verkleinern.

Genutzt werden nachfüllbare Shampoos.
Genutzt werden nachfüllbare Shampoos.

Manuela Overmann hat es schriftlich von der Abfallagentur Wastemonkey, die Unternehmensberatung rund um die Themen Entsorgung und Recycling bietet, dass sie jeden Tag Gutes für die Umwelt tut. Die Wastemonkeys haben Overmann Frisurenbescheinigt, im vergangenen Jahr durch das Sammeln von mehr als 70 Kilogramm Alufolie und Alutuben, die von Wastemonkey abgeholt und recycelt wurden, „885,48 Kilogramm CO2-Äquivalente TreibhausgasEmission“ eingespart zu haben. „Es ist nur eine kleine Umstellung, die große Wirkung hat“, sagt Manuela Overmann. Und sinnvoller als den Müll nur zu trennen, sei es auch. „Das lassen wir uns gerne ein bisschen was kosten.“

Unternehmen aus der Region

Das gilt auch für die Verwendung von Shampoo, das nachfüllbar ist, statt vieler Einwegpackungen, die sich aber nicht ganz vermeiden ließen, vor allem beim Haarefärben. Beim Wasserverbrauch, der in einem Friseursalon naturgemäß hoch ist, hat die Friseurmeisterin eine umweltfreundlichere Lösung gefunden. In alle Wasserhähne wurden Strahlregler eingebaut, die die Menge des durchfließenden Wassers reduzieren und Luft beimischen, was für einen gleichmäßigen und breiten Strahl sorgt. Auch den Energieverbrauch hat Manuela Overmann mit Energiesparlampen verringert. „Und im Sommer lassen wir den Trockner auch mal aus und hängen unsere Handtücher im Freien auf.“

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Alle vier Wochen wird ein großer Sack Haare verschickt

Die Mitarbeiterinnen, das Team bei Overmann ist rein weiblich, zieht voll mit, auch beim Sammeln der Haare. Denn bei Overmann Frisuren werden die Haare nicht nur meisterlich geschnitten, sondern zur Rettung der Meere gesammelt und weiterverwendet.„Alle vier Wochen verschicken wir einen großen Müllsack“, erzählt Manuela Overmann und zieht eine große Schublade unter dem Schrank hervor mit einem Haufen Haare, blonde, braune, schwarze und graue. Das, so die Chefin, sei nur die Ausbeute vom Männersalon in einer Woche. „Bei den Frauen nebenan fallen natürlich noch viel mehr Haare an.“

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Haare eignen sich als natürlicher Filter für verschmutzte Gewässer

Adressat der Haare aus Degerloch ist die Organisation„Hair Help the Oceans“ mit Sitz in Bückeburg in Niedersachsen. Haare besitzen nämlich die besondere Eigenschaft, viel Fett aufzusaugen und diese Funktion auch nach dem Schneiden nicht zu verlieren. Daher eignen sie sich hervorragend, um als natürliches Reinigungsmittel gegen Verschmutzungen wie Öl, Benzin und Sonnenmilchreste in Gewässern wie Meeren, Flüssen und Seen eingesetzt zu werden.

Diese herausragende haarige Eigenschaft wollen die Gründer von „Hair Help the Oceans“ - Emidio Gaudioso, Inhaber des Salons Emidio XSESSO Hair in Bückeburg und Thomas Keitel, Inhaber der Unternehmensberatung Modern Coaching bei Würzburg - nutzen.

Bisher werden jährlich Tonnen an Haarresten von rund 83000 Friseursalons in Deutschland im Restmüll entsorgt. Gaudioso und Keitel entdeckten auf der Suche nach einer Verwendung die „Haarfilter“. Vorbildfunktion hat der französische Verein „Coiffeure Justes“, auf deutsch„faire Friseure“ aus Südfrankreich. Dort werden die Haare in alte Nylonstrümpfe gefüllt, die zu Rollen gebunden als Filter in verschmutzten Gewässern eingesetzt werden. Die Saugfunktion des Haarfilters zieht das Öl aus dem Wasser, wobei ein Kilogramm Haare bis zu acht Kilogramm Öl aus dem Wasser filtern kann. Danach wird der Haarfilter gereinigt und kann bis zu achtmal wiederverwendet werden.

Für solche Haarfilter, die weltweit in Seen und Gewässern, vor Industriegebieten und an Küsten im Einsatz sind, um Öle, Treibstoffreste und Sonnenmilch aus dem Wasser zu filtern, sammelt der Salon Overmann Frisuren schon seit drei Jahren die geschnittenen Haare der Kundinnen und Kunden. Mittlerweile hat die Bewegung „Hair Help the Oceans“ ganz Deutschland sowie Österreich und die Schweiz erreicht.„Und wenn wir mal versehentlich zu viel schneiden, sagen wir immer, das ist doch für einen guten Zweck und rettet die Meere“, sagt Manuela Overmann mit einem Augenzwinkern.

Ganz langen Haaren - Zöpfe ab einer Länge von 30 Zentimetern – die bei Overmann Frisuren abgeschnitten werden, kommt eine Sonderrolle zu.„Sie werden zu Perücken verarbeitet, die zugunsten einer guten Sache verkauft werden, etwa für die Krebsforschung oder für Studien über seltene Krankheiten.

Bei ihrer eigenen Kosmetikserie Ovimed setzt Manuela Overmann ebenfalls auf Natur und Nachhaltigkeit. Die Hautprodukte, auf die sie dabei ihr Hauptaugenmerk setzt, weil „aus gesunder Haut gesundes Haar wächst“, bestehen aus regionalen Zutaten. „Das bedeutet eine kurze Lieferkette, und wir haben recyclebare Flaschen und keine Umverpackungen.“