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Neue Herausforderung für Berufsanfänger

Wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) die klassischen Ausbildungsberufe verändern.

Neue Herausforderung für Berufsanfänger

Technische oder kaufmännische Auszubildende, die in die Tiefe gehen wollen, können in 100 Lerneinheiten bei der IHK die Zusatzqualifikation „Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen“ erwerben. Foto Gorodenkoff-stock.adobe.com

Die digitale Transformation spielt nicht nur im Alltag in Form von Tiktok, Instagram oder Youtube eine wichtige Rolle. Sie verändert auch die Berufe. „Ob Hotel, Handel oder Industrie, die Digitalisierung hat Einzug in jeder Branche gehalten. Maschinen-, Produktionssteuerungen, Abrechnungssystem, selbst Backstraßen in Bäckereien - alles funktioniert nur noch computergesteuert“, erklärt Thomas Weise, stellvertretender Abteilungsleiter Berufliche Bildung und Fachkräfte bei der IHK Region Stuttgart.„Ein Chatbot etwa beantwortet Kundenanfragen auf Webseiten und nicht mehr ein Mensch.“

Unternehmen aus der Region

Deshalb benötigen die zukünftigen Berufseinsteiger in vielen Bereichen Kenntnisse in Informatik und Technik, etwa um Maschinen und Anlagen zu bedienen. Auch die Kommunikation hat sich verändert: Die meisten Unternehmen halten digitale Besprechungen ab. Daneben entstehen neue Berufe, zum Beispiel Kauffrau oder Kaufmann im E-Commerce. Das Aufgabenfeld entspreche in weiten Teilen des Groß- und Außenhandelskaufmann, aber es gehöre auch dazu, Onlineshops mitzugestalten und zu pflegen, sagt Weise.

Unternehmen aus der Region

„Alte“ Berufe fallen nicht weg. Und sie heißen oft noch so wie vor 20 Jahren, aber die Anforderungen haben sich komplett verändert.„Software ersetzt nun die klassische Schreibmaschine, und Rechnungen werden nicht mehr abgeheftet, sondern digital abgelegt“, erläutert der Ausbildungsexperte an zwei Beispielen. Einzig der Job des Büroboten existiere nicht mehr, fällt Weise nach einigem Überlegen ein.

„Berufsanfänger sind oft noch nicht betriebsblind, sie haben einen anderen Blick auf ihren Betrieb. So sind sie im Stande, Digitalisierungspotenziale in Unternehmen aufspüren und als, Digital Natives' gemeinsam mit ihren Vorgesetzten die Ideen umsetzen. “
Thomas Weise stellvertretender Abteilungsleiter Berufliche Bildung und Fachkräfte bei der IHK Region Stuttgart.

Die Ausbildung soll fit machen für die digitale Arbeitswelt. Deshalb lernt der Azubi zum Beispiel den richtigen Umgang mit Daten, das Recherchieren im Internet oder mit digitalen Medien zu kommunizieren. Dabei werden die theoretischen und praktischen Inhalte der Ausbildung stets weiterentwickelt. Digitalisierung ist dabei Handwerkszeug und Hilfsmittel zugleich. In der Berufsschule hilft sie dem Azubi etwa dabei, den Stoff zu vertiefen. Allerdings bietet KI nur die Chance, Lernprozesse zu optimieren, das Verständnis für die Inhalte muss der Lehrling selbst aufbringen. Schummeln ist somit nicht möglich, spätestens in der Prüfung fliegt der Schwindel auf, dass die KI die Arbeit gemacht hat.

Junge Leute können damit punkten, dass sie keinerlei Berührungsängste mit Laptop oder I-Pad haben. Foto: Monkey/stock.adobe.com
Junge Leute können damit punkten, dass sie keinerlei Berührungsängste mit Laptop oder I-Pad haben. Foto: Monkey/stock.adobe.com

Im Gegensatz zu allgemeinbildenden Schulen sei die digitale Ausstattung an den Berufsschulen in Baden-Württemberg gut, meint Weise. Einzig die Wartung sei aufwendig. Physik- oder IT-Lehrer kümmern sich darum, oft neben ihrer eigentlichen Aufgabe. Quereinsteiger aus der Industrie bringen zudem die entsprechenden Kenntnisse und Kontakte in die Firmen mit. Die Rolle der Lehrkräfte bleibt zentral: dabei Eine Schule ohne Lehrer wird auch in Zukunft eine schlechte Schule sein - eine Schule ohne KI aber auch.

Seit drei Jahren können technische oder kaufmännische Auszubildende, die in die Tiefe gehen wollen, in 100 Lerneinheiten bei der IHK die Zusatzqualifikation „Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen“ erwerben. Die Absolventen Grundbegriffe von KI und kennen die Chancen und Risiken von KI. Sie können souverän mit Daten umgehen. Und sie können anschließend nicht nur Daten analysieren, sondern wissen auch, was Maschinelles Lernen ist. So werden sie zu gefragte Fachkräfte von morgen. 

Bereits ins vierte Jahr ist das IHK-Projekt DigiScouts gegangen. Weise erläutert den Ablauf: „Berufsanfänger sind oft noch nicht betriebsblind, sie haben einen anderen Blick auf ihren Betrieb. So sind sie im Stande, Digitalisierungspotenziale Unternehmen aufspüren und als ,Digital Natives' gemeinsam mit ihren Vorgesetzten die Ideen umsetzen. Das Projekt lässt eine Win-Win-Situation entstehen: Die Betriebeerhalten neue Perspektiven und Impulse für die Optimierung von Prozessen, im Gegenzug bekommen die Azubis die Gelegenheit, aktiv den digitalen Wandel im Unternehmen mitzugestalten.“ Insgesamt seien rund zehn Firmen pro Jahr im Großraum Stuttgart an dem Projekt beteiligt.

Generell können die jungen Leute damit punkten, dass sie keinerlei Berührungsängste mit Laptop oder dem I-Pad haben. Sie sind häufig in mancherlei Hinsicht bereits Experten im Digitalen, sind sie doch mit digitalen Medien aufgewachsen. Man müsse sie nur hin und wieder für den Umgang mit Kundendaten sensibilisieren. Schließlich handele es sich nicht um Posts für Tiktok oder Instagram. „Aber in erster Linie profitieren alle“, weiß Weise.„Bei den Älteren wird die digitale Kompetenz gestärkt, bei den Jungen das Selbstvertrauen.“

Von Corina Wieẞler