Welche Talente habe ich und in welchem Beruf kann ich sie einsetzen? Brauche ich Freiheit oder klare Strukturen? Solche Fragen stellen sich nicht nur Berufseinsteiger. Interessen- und Persönlichkeitstests versprechen Orientierung, indem sie Stärken und Vorlieben erfassen und mit Berufs- oder Ausbildungsprofilen abgleichen.
Nach aktuellem Forschungsstand gilt: Wer einen Beruf ausübt, der zu den eigenen Interessen passt, ist meist zufriedener. Zudem werde es für Unternehmen immer wichtiger, die eigene Kultur und das Arbeitsverständnis mit der Persönlichkeit neuer Mitarbeitender abzugleichen. Wer seine Stärken und Motive kenne, könne daher im Bewerbungsprozess Vorteile haben.
Interessen entwickeln sich bereits in Kindheit und Jugend und bleiben laut Forschung über das Leben hinweg relativ stabil. Deshalb würden sie als Teil der Persönlichkeit betrachtet. Unterschieden werden sechs Hauptinteressen: realistisches Interesse (etwa Handwerk oder Technik), investigatives Interesse (Forschung), künstlerisches Interesse, soziales Interesse, unternehmerisches Interesse sowie konventionelles Interesse im Bereich Verwaltung, Organisation und Datenverarbeitung.
In der Berufsberatung werde häufig analysiert, welche zwei oder drei dieser Bereiche besonders stark ausgeprägt sind und welche Berufsbilder dazu passen. Interessenstests können dabei eine erste Orientierung bieten.
Wer nach solchen Tests sucht, findet im Internet allerdings eine kaum überschaubare Auswahl. Entscheidend sei daher die Seriosität des Anbieters. Fachleute empfehlen, darauf zu achten, ob Hinweise auf eine wissenschaftliche Überprüfung des Verfahrens vorliegen. Viele frei verfügbare Tests dienten eher der Unterhaltung als einer fundierten Berufsorientierung. Die Ergebnisse könnten zwar interessante Anregungen liefern, sollten aber nicht überbewertet werden.
Aktuelle Forschungen zeigen: Wer einen Beruf ausübt, der zu den eigenen Interessen passt, ist meist zufriedener.
Wichtige Qualitätsmerkmale seien die sogenannte Reliabilität, also die Zuverlässigkeit eines Tests, sowie die Validität, also die Frage, ob tatsächlich das gemessen wird, was gemessen werden soll. Für Laien sei dies jedoch oft schwer zu überprüfen.
Seriöse Verfahren basierten meist auf dem Holland-Modell, das derzeit als eine der am besten erforschten Theorien zu beruflichen Interessen gilt. Idealerweise sollten die Ergebnisse Rückschlüsse darauf erlauben, wie zufrieden jemand später im Beruf sein könnte. Viele einfache Online-Tests oder Apps könnten diesen Anspruch nicht erfüllen.
Wer die Qualität eines Tests einschätzen möchte, kann Bewertungen recherchieren oder sich an Personalverantwortliche wenden. Auch KI-Chatbots können Hinweise liefern.
Als besonders hilfreiche Anlaufstelle gilt die Agentur für Arbeit. Dort kommt unter anderem das Selbsterkundungsverfahren „Explorix“ zum Einsatz, das auf umfangreichen Datensätzen basiert. Neben dem kostenlosen Testangebot unterstützen Fachkräfte auch bei der Interpretation der Ergebnisse.
Grundsätzlich wird empfohlen, Testergebnisse in eine persönliche Beratung einzubetten. Ziel sei nicht nur, die eigene Persönlichkeit besser kennenzulernen, sondern auch passende Berufe zu identifizieren, die mit dem vorhandenen Ausbildungsstand erreichbar sind. Das gelte nicht nur für Berufseinsteiger, sondern ebenso für Menschen, die sich neu orientieren möchten.
Zusätzlich könne es hilfreich sein, Freunde, Familie oder Lehrkräfte um eine Einschätzung der eigenen Stärken zu bitten. Ebenso bieten Berufs- und Ausbildungsmessen die Möglichkeit, verschiedene Tätigkeiten kennenzulernen. Die Berufswahl müsse heute zudem nicht mehr zwangsläufig ein Leben lang gelten.
Wer sich für einen bestimmten Beruf interessiert, sollte möglichst mit Menschen sprechen, die bereits in diesem Bereich arbeiten. Gespräche mit Fachkräften, Personalberatern oder Headhuntern könnten wertvolle Einblicke vermitteln. Noch aussagekräftiger seien praktische Erfahrungen – etwa durch einen Schnuppertag im Unternehmen oder einen Besuch an einer Hochschule.
Von der Redaktion