Wenn am Sonntag, 6. September, die Motoren aufheulen, verwandelt sich die Neuffener Steige erneut in ein rollendes Automobilmuseum. Zum vierten Mal seit der Wiederbelebung der traditionsreichen Veranstaltung lädt die Interessengemeinschaft (IG) Bergpreis Schwäbische Alb zu Demonstrationsfahrten auf der historischen Bergrennstrecke ein. Rund 140 historische Renn- und Sportwagen werden erwartet – vom Porsche 910 über Ford GT40 und Ferrari 512 Competizione bis zu Rallye-Legenden wie Lancia Delta S4 und Audi Rallye Quattro S1. Nach dem großen Besucherandrang im vergangenen Jahr rechnen die Organisatoren erneut mit bis zu 20.000 Zuschauern.

Dabei geht es weder um Bestzeiten noch um Pokale, sondern um die Faszination historischer Rennfahrzeuge und die Erinnerung an eine Epoche, als die Neuffener Steige zu den bekanntesten Bergrennstrecken Deutschlands gehörte. „Es geht um nichts, es geht um eine Ananas“, brachte es Organisator Stephan Allgöwer bei der Pressekonferenz augenzwinkernd auf den Punkt. Gerade der besondere Charakter der Veranstaltung sorge dafür, dass sich immer mehr Besitzer außergewöhnlicher Rennwagen um einen Startplatz bemühten.
Anders als bei klassischen Motorsportveranstaltungen kommen die Zuschauer den Fahrzeugen und Fahrern besonders nahe. Schon am frühen Morgen füllen sich die vier Fahrerlager im Neuffener Ortskern. Dort können Besucher die Rennwagen aus nächster Nähe betrachten und mit ihren Besitzern ins Gespräch kommen. Anschließend absolvieren die Teilnehmer drei Demonstrationsfahrten über die historische Strecke.
Das Organisationsteam setzt bei der Auswahl gezielt auf automobile Raritäten mit Geschichte. Das Spektrum reicht vom filigranen Abarth Sport Spider über Tourenwagen und Prototypen bis zu legendären Rennfahrzeugen von Porsche, BMW, Ford, Ferrari, Lancia und Audi. Und mit Klaus Ludwig, Roland Asch, Helmut Henzler oder RallyeExperte Niki Schelle stehen zudem bekannte Namen der deutschen Motorsportszene auf der Teilnehmerliste.
Der Reiz des Bergpreises liegt nicht allein in den Fahrzeugen. Es ist die Mischung aus Motorsport, Volksfest und Zeitreise. Wo früher um Sekundenbruchteile gekämpft wurde, steht heute das gemeinsame Erlebnis im Mittelpunkt. Benzingespräche gehören ebenso dazu wie Erinnerungen an die großen Bergrennen vergangener Jahrzehnte.
Neuffens Bürgermeister Matthias Bäcker sieht darin einen wichtigen Grund für den Erfolg. Der Bergpreis sei inzwischen weit über die Region hinaus bekannt und habe sich zu einem „kleinen Selbstläufer“ entwickelt. Zugleich zeige die Veranstaltung, was durch das Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher möglich sei.
Auch Landrat Marcel Musolf zeigte sich beeindruckt. Bei seinem ersten Besuch habe ihn die Begeisterung in der Stadt überrascht. Gerade in einer Zeit, in der ehrenamtliches Engagement schwieriger werde, sei in Neuffen etwas Besonderes entstanden. Der Bergpreis verbinde historische Automobile, Gemeinschaft und die Kulisse am Albtrauf.
Dabei knüpft die heutige Veranstaltung bewusst an ihre Geschichte an. Zwischen 1964 und 1983 gehörte die Neuffener Steige zu den bekanntesten Bergrennstrecken Deutschlands. Fahrer wie Hans Stuck, Jochen Mass oder Prinz Leopold „Poldi“ von Bayern gingen hier an den Start. Bis zu 40.000 Zuschauer säumten die knapp vier Kilometer lange Strecke. Nach dem Ende der Rennen 1983 schien dieses Kapitel abgeschlossen. Seit 2023 erlebt die Strecke als Schauplatz historischer Demonstrationsfahrten ihre Renaissance.
Auch abseits der Strecke ist einiges geboten. Ein großer Oldtimerparkplatz bietet weitere automobile Klassiker, Shuttlebusse verbinden den Ortskern mit der Albhochfläche. Parallel sorgt das Eselhock-Fest für Betrieb in der Stadt. Bereits am Samstag stimmt ein Seifenkistenrennen auf das Motorsportwochenende ein. Am Sonntag aber gehört die Bühne den historischen Rennwagen.
Von Reimund Abel
Bergpreis 2026 - Zeitplan
Samstag, 5. September
10.00 Uhr: Seifenkistenrennen im Wohngebiet Auchtert
13.00–16.00 Uhr: Eintreffen von Fahrern, der Rennfahrzeuge und des Begleittrosses/Vorfahrerlagers: Speditionshof der Herbert Schall GmbH, Stuttgarter Str. 75
16.00 Uhr: Eselhock im Ortskern Neuffen
18.00 Uhr: Eröffnung Eselhock durch Bürgermeister Matthias Bäcker
Sonntag, 6. September
8.00 Uhr: Bezug Fahrerlager Rennfahrzeuge
8.30 Uhr: Erste Fahrt des Busshuttles ab Neuffen zum Zielpunkt auf der Albhochfläche (ca. halbstündiger Pendelbusverkehr) 9.30 Uhr: Gottesdienst vor der Martinskirche 10.00 Uhr: Start zum ersten Lauf und Beginn Eselhock ca.
12.00 Uhr: Mittagspause (in den Pausen Attraktionen und Schaufahrten ab Albstraße auf der Rennstrecke bis zum Ziel)
13.30 Uhr: Start zum zweiten Lauf
16.00 Uhr: Start zum dritten Lauf ca.
18.30 Uhr: Letzte Fahrt des Busshuttles von der Albhochfläche nach Neuffen