Die Käseigel - eine gespickte Ananas und zwei Honigmelonen - und die Pumpernickl-Happen stehen im Kühlschrank neben der schmackhaften Pfirsichbowle. Noch ist knapp eine Stunde Zeit, bis die Gäste kommen.
Die engagierten Helferinnen und Helfer vom Verein Pro Alt-Cannstatt sind in den letzten Zügen der Vorbereitungen für die Vernissage am Dienstag im Stadtmuseum, die so bunt und poppig wird wie die ganze Ausstellung „Bad Cannstatt in den 70er Jahren“, die bis zum 10. Januar zu sehen ist.
Auf der Ausstellungsvitrine mit kleinen Figürchen darunter Wum und Wendelin sowie der Salamander Lurchi und seine Freunde kleben Prilblumen. Sie schmückten in den 70er-Jahren in fast jeder Küche die Kacheln hinter der Spüle und zieren auch den Flyer zur Ausstellung. Pro Alt-Cannstatt wird in diesem Jahr 50, und der Verein feiert den runden Geburtstag mit einer umfangreichen Retroschau auf die Siebziger im Stadtmuseum in der Marktstraße 71/1.
Ein sechsköpfiges Team hat die Ausstellung konzipiert
Flowerpower in Orange, Rosa und Grün findet sich auf Fotos, Stoffen und anderen Exponaten. Zwischen Plastiktüten von Coop und Kaufhof, Schallplatten und Postkarten von der Bundesgartenschau 1977 werden die letzten Handgriffe erledigt. Ein sechsköpfiges Ausstellungsteam hat die aufwendige Ausstellung konzipiert und aufgebaut. Gaby Leicht, die stellvertretende Vorsitzende von Pro Alt-Cannstatt, Vorstandsmitglied Matthias Busch und Stefan Betsch, der sich schon seit Kindesbeinen im Verein engagiert – und dessen Vater Hans Betsch, Ehrenvorsitzender von Pro Alt-Cannstatt ist und ebenfalls an der bunten Schau mitgewirkt hat haben sich tief in die Materie hineingekniet.

Mit viel Unterstützung aus den Reihen der Mitglieder, erzählt Gaby Leicht. „Wir wurden von Christina Schulz mit selbstgemachten Pizza- und Rahmschnecken und Apfelkuchen verwöhnt.“ Jetzt kurz vor der Eröffnung der Ausstellung muss noch der Fernseher angeschlossen werden, auf dem das Video über den VfB Stuttgart läuft, der zu Cannstatt gehört wie der Neckar. „Der VfB hat uns mit seinem Archiv sehr unterstützt, ebenso wie das Straßenbahnmuseum“, sagt Gaby Leicht. Auch Cannstatterinnen und Cannstatter haben vieles für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Manches haben die Macher im Internet gefunden und gekauft, darunter Zeitschriftenausgaben des Stern, von Yps oder Die Bunte.
„Die haben pro Stück ab zehn Euro aufwärts gekostet“, sagt Olaf Schulze, der Vorsitzende von Pro Alt-Cannstatt. Am teuersten sei das Bravo-Heft mit Hansi Müller auf dem Titel gewesen, ergänzt Stefan Betsch: „Dafür haben wir 30 Euro hingelegt.“ Anderes gab es dafür kostenlos. Das Plakat vom „Midsummerconcert“ der Rolling Stones 1976 im Neckarstadion, dem ersten Stadionkonzert überhaupt der Rockband, haben sie auf eBay gefunden.
„Wir durften es mit Erlaubnis des Besitzers kostenlos scannen und die Kopie aufhängen“, so Gaby Leicht. Und Carmen Jud hat aus der Begegnungsstätte „Cannstatter Brücke“, die sie leitet, Berge von Schallplatten – „Die laufen bei uns täglich“ und Kleidern vom grellen pinkfarbenen Minirock bis zur gemusterten Kittelschürze - herbeigeschafft.
„Alle waren mit Herzblut dabei“
Anders als die Ausstellungsmacher hat das für die Vernissage verantwortliche Veranstaltungsteam – Dorothee Krauß, Beisitzerin im Vereinsvorstand, Silvia Soost, die auch als Museumsaufsicht tätig ist, Sandra Keck und Susanne Engelen - noch eine Menge zu tun für die zum Thema passende Eröffnungsfeier. Sie blasen Luftballons mit Lungenkraft auf, weil die Gasflasche leer ist, befestigen eine schnell gezauberte Brezelgirlande dekorativ an der Theke und runden die Bowle noch mit Sekt ab. „Die schmeckt wie früher“, konstatiert Sandra Keck zufrieden.
„Alle waren mit Herzblut dabei“, lobt Gaby Leicht das Engagement. Und der Einsatz hat sich gelohnt. Die ersten Gäste jedenfalls sind begeistert, auch Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler.
„Man wird hier ein Stückweit in seine Kindheit und Jugend zurückgeholt. Hier wird jede und jeder ein Stück ganz persönliche Erinnerung finden.“ Eva Herschmann