Zum Auftakt hätte das Wetter nicht besser sein können. Die Sonne scheint, die Gänseblümchen blühen, die Tische auf der von Bäumen gesäumten Wiese sind mit feinem Porzellan gedeckt, und die mobile Kuchentheke ist aufgebaut, bestückt und geschmückt. Die Gärtnerei Noz, gegenüber des Cannstatter Hauptfriedhofs, hat wie jede Woche ein buntes Blumengesteck dafür gespendet. „Das steht immer am Eingang für uns bereit“, sagt Katja Simon von der Bürgerstiftung Stuttgart. Am Dienstag ist das Café Kränzchen in Steinhaldenfeld in die zweite Saison gestartet. Die Ehrenamtlichen der Bürgerstiftung, der evangelischen Kirchengemeinde NeuSteinHofen und der katholischen Kirchengemeinde StuttgartNeckar haben alles für die Gäste vorbereitet.
30 Ehrenamtliche sind im Einsatz
Im vergangenen Jahr hat das Café Kränzchen in Steinhaldenfeld eröffnet. Wie beim Angebot immer donnerstags auf dem Pragfriedhof, das schon in die vierte Saison geht, wird es von Katja Simon initiiert und federführend organisiert. Tatkräftig unterstützt wird sie von Silke Ulbrich, der Projektreferentin der Bürgerstiftung, und einem engagierten Team von insgesamt rund 30 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die nicht nur vor Ort Einsatz bringen. „Es ist unglaublich, wie toll wir Woche für Woche bebacken werden, alle fühlen sich mit dem Café Kränzchen verbunden“, sagt Katja Simon. Auch zum Start in die neue Saison ist das süße Buffet reichlich bestückt mit Apfelstreuselkuchen, Käsekuchen und russischem Zupfkuchen, und die Doppel-Kaffeemaschine im Begegnungsraum ist im Dauereinsatz.


Das Café Kränzchen in Steinhaldenfeld sei von Anfang an gut angenommen worden, erzählt Katja Simon. „Wir hatten im vergangenen Jahr bis zu 45 Gäste am Tag, mehr Sitzplätze haben wir gar nicht, und es muss auch für unsere Ehrenamtlichen machbar bleiben, denn ohne die geht gar nichts.“
Ort des Miteinanders
Die Café Kränzchen in Steinhaldenfeld und auf dem Pragfriedhof sind Orte der Begegnung und des Miteinanders, die auch das Zusammenleben stärken sollen. Friedhofsbesucherinnen und -besucher, Passantinnen und Passanten sind eingeladen, sich niederzulassen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Kaffeegeschirr, das die Initiatoren auf Kleinanzeigen und durch Spenden zusammengetragen haben, sei dabei nicht ganz unwichtig, sagt Katja Simon. „Wir haben auf dem Pragfriedhof grüne Tische, grüne Stühle und lauter Blümchengeschirr, hier in Steinhaldenfeld rote Tische und Stühle, Geschirr mit Goldrand und goldenes Besteck. Das Geschirr kennen die meisten unserer Besucher und manche haben genau so eines zur Aussteuer bekommen. Das bietet oft Gesprächsstoff.“
Stefan Grunwald ist regelmäßig Gast im Café Kränzchen. Kennengelernt hat der gebürtige Stuttgarter, der in Schorndorf wohnt, das Angebot auf dem Pragfriedhof, wo seine Großmutter und seine Eltern begraben sind. „Auf der Homepage der Bürgerstiftung Stuttgart habe ich dann gelesen, dass es jetzt auch in Steinhaldenfeld ein Café Kränzchen gibt. Also komme ich jetzt dienstags oft auch hierher. Ich finde es einfach schön, für mich ist das wie ein kurzer Wellnessurlaub“, sagt der 54-Jährige.
Auch neue Gesichter sind beim Saisonstart dabei, wie die Frau aus dem Sommerrain, die das Grab ihres Mannes in Steinhaldenfeld besucht hat. „Ich hatte davon gehört und wollte es mir mal anschauen“, sagt sie. Eine der Ehrenamtlichen bringt ihr einen Kaffee an den Tisch und setzt sich auch gleich dazu. „Das machen wir immer, wenn jemand allein das erste Mal zu uns kommt.“ Die Friedhofsgärtner werden gleich mitbetreut. Als ein Trupp von ihnen des Weges kommt, bietet ihnen eine Helferin selbst gebackene Kekse an, und die Männer greifen gerne zu.
Bis Oktober geht die Saison im Café Kränzchen, das nur bei Regen ausfällt. Und das Angebot macht Schule. In Sindelfingen soll ein Café Kränzchen auf dem Burghaldenfriedhof eingerichtet werden. Auch in Leinfelden-Echterdingen, in Ulm und in Tübingen gibt es Initiativen für ein Friedhofs-Café - und alle haben sich vorher in Stuttgart erkundigt. „In Böblingen gibt es jetzt wohl ebenfalls ein Infotreffen, aber die haben uns noch nicht kontaktiert“, sagt Silke Ulbrich mit einem Lächeln. Eva Herschmann