Vor dem „Haus im Süden“ der Caritas in der Brückenstraße 21, in dem auch das Gemeindepsychiatrische Zentrum Bad Cannstatt untergebracht ist, stehen drei große Bäume, unter denen bald schon gemütlich gehockt werden kann. Die geplanten Sitzmöglichkeiten stehen auf privater Fläche, aber im öffentlichen Raum und sollen nicht nur von Besucherinnen und Besuchern des Hauses und des Zentrums genutzt werden, sondern der Gemeinschaft dienen. Der Bezirksbeirat hat beschlossen, die Kosten für die Beschaffung und Installation von drei Bänken in Höhe von 3240 Euro zu übernehmen.
Die Brückenstraße ist keine Prachtallee, aber die kaum 400 Meter lange Straße war einst eine wichtige Verkehrsverbindung. Sie spielte ab 1490 eine bedeutende Rolle für die sogenannten„Postrouten“ beziehungsweise „Postcourse“ in Baden-Württemberg, und sie bildete die Hauptachse durch die Neckarvorstadt - von der Wilhelmsbrücke bis zur Kreuzung der Haldenstraße und der Altenburger Steige. Früher parkten dort die Lieferwagen des im Jahr 1906 gegründeten Stammhauses des Cannstatter Traditionsunternehmens „Rilling Sekt“.
Heute geht es in der Brückenstraße eher ruhig zu. Ein Päuschen oder Pläuschchen im Sitzen auf dem geräumigen Bürgersteig vor den bodentiefen Fenstern und im Schatten der Bäume bietet sich an, dachte sich Ljubica Govedarica, Sozialarbeiterin im Gemeindepsychiatrischem Zentrum der Caritas. „Die Sitzbänke im Außenbereich unserer Beratungsstelle sollen eine warme und einladende Atmosphäre und einen gemeinschaftsfördernden Raum vor unserem Haus schaffen.“


Ein Symbol der Zugehörigkeit
In der Brückenstraße gebe es bisher keine Möglichkeit zum Sitzen oder Verweilen, sagt Ljubica Govedarica. Dabei seien Sitzbänke soziale Treffpunkte, die das Zusammenleben und die Interaktionen der Menschen fördern.„Sie sind ein Symbol der Gemeinschaft und Zugehörigkeit und bieten eine Plattform für Gespräche.“ In einer hektischen Stadt seien Sitzbänke Orte der Ruhe, sie verschönerten das Stadtbild und erhöhten die Lebensqualität der Einwohner. Die Bänke ermöglichten zudem einen Moment der Ruhe und Erholung für die Klientinnen und Klienten, um sich zu sammeln oder nach einem Beratungsgespräch das Erlebte an der frischen Luft zu verarbeiten, erklärt die Sozialarbeiterin.„Da soziale Interaktionen insbesondere für psychisch erkrankte Personen herausfordernd sein können, bieten die Bänke gute Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen.“

Doch die Bänke sind nicht nur den Besucherinnen und Besuchern des Hauses im Süden vorbehalten. Mitarbeitende, Passantinnen und Passanten sowie alle, die an der Bushaltestelle gegenüber der Martinskirche warten, könnten sie nutzen, betont Ljubica Govedarica.„Die Bänke sollen signalisieren, dass das Gemeindepsychiatrische Zentrum für alle offen ist, und jeder von uns Unterstützung bekommen kann.“ So könnten die Bänke die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringen und ein gemeinschaftliches Gefühl entstehen lassen, das die Integration und den Zusammenhalt der Gemeinschaft stärkt.
Der Bezirksbeirat hat den Wunsch der Caritas nach drei stilvollen Bänken im selben Design wie die neuen Sitzmöglichkeiten in der Seelbergstraße - zwei Betonwürfeln mit einer verbindenden Holzbank - unterstützt. „Die Caritas bringt sich in hohem Maße in die Gemeinwesenarbeit in der Neckarvorstadt ein“, sagt Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler. Und weil weder das Stadtplanungsamt noch das Tiefbauamt Mittel zur Verfügung haben, hat der Bezirksbeirat beschlossen, gemäß den Richtlinien zur Verwendung des Bezirksbudgets für „Maßnahmen zur Verschönerung des Stadtbezirks“ das Vorhaben auch finanziell zu fördern.
Ljubica Govedarica freut sich über den positiven Bescheid und hofft, dass schon Ende des Sommers oder Anfang Herbst drei Sitzbänke vor dem Haus der Caritas zum Platznehmen einladen.