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Die zweite Liga drängt ins Rampenlicht

Die 2. Frauen-Bundesliga der Frauen ist längst mehr als nur das sportliche Unterhaus. Sie gilt als Talentschmiede, Übergang in den Profifußball und als Bühne für Vereine mit unterschiedlichen Konzepten und Ambitionen - An der Tabellenspitze steht der VfB Stuttgart.

Die zweite Liga drängt ins Rampenlicht

Fabienne Dongus, Mittelfeldspielerin für die Frauenfußballmannschaft des VfB Stuttgart. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

 Es ist während der Wintermonate viel diskutiert worden über die Zukunft des Klubfußballs der Frauen in Deutschland. Die Bundesliga soll professioneller werden. Sogar ein handfester Streit zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und den großen Klubs war zwischenzeitlich ausgebrochen. Entgegen ursprünglicher Planung streben die Vereine die Gründung eines mit viel Marketingexpertise ausgestatteten Ligaverbandes ohne Beteiligung des DFB an. Die zweite Liga aber wird weiter im Verantwortungsbereich des großen Nationalverbandes bleiben, wohl auch, weil hier keine großen wirtschaftlichen Potenziale brachliegen. Obgleich der Wettbewerb im Unterhaus nicht nur interessant, sondern auch vielschichtig ist.

Hohe Leistungsdichte

Sie sei „positiv überrascht von der Stärke der zweiten Liga“, sagt die Stuttgarter Mittelfeldspielerin Fabienne Dongus. „Wir können gegen jede Mannschaft punkten, aber sogar als Tabellenführer besteht gegen fast alle Mannschaften die Gefahr, Punkte zu verlieren. Vor ein paar Jahren war die Leistungsdichte hier nicht so hoch.“ Dongus war vor ihrem Wechsel zum VfB im vorigen Sommer zehn Jahre bei der TSG Hoffenheim aktiv, zunächst ebenfalls in der zweiten Liga, später dann in der höchsten deutschen Spielklasse.

Das Unterhaus gilt als Talentschmiede und als Scharnier zwischen dem neben einem Studium, einer Ausbildung oder einem Berufsalltag betriebenen Leistungssport und dem professionellen Frauenfußball. Traditionsvereine ohne Anbindung an einen Männerfußballkonzern wie der SC Sand oder der ehemalige Champions-League-Sieger Turbine Potsdam treffen hier auf verschiedene zweite Mannschaften von Bundesligavereinen: Bayern München II, Eintracht Frankfurt II, VfL Wolfsburg II. Und auf aufstrebende Teams mit Bundesligaambitionen wie Stuttgart, Mainz oder auch Viktoria Berlin, einen besonders spannenden Zweitligisten.

In der Hauptstadt soll im Rahmen eines von sechs Frauen gegründeten Start-Ups ohne das Geld aus dem Männerfußball ein wettbewerbsfähiger Klub entstehen. Ein Verein, der dank externer Geldgeber womöglich bessere Chancen hat, sich dauerhaft in der Bundesliga zu etablieren, als Potsdam, Jena oder Essen. Allerdings geht die Entwicklung bei Viktoria langsamer als beim VfB oder beim im vorigen Sommer direkt aus der drittklassigen Regionalliga bis in die Bundesliga vorgestoßenen 1. FC Union Berlin. Dennoch sind die Duelle mit Viktoria für alle anderen Vereine interessant, weil hier ein echter Gegenentwurf zu den Frauenteams aus den großen Männerklubs versucht wird. Mit dem klaren Ziel, 2027 in die Bundesliga aufzusteigen.

Seit 2008 eingleisige zweite Liga

Fabienne Dongus sagt: „Die zweite Liga ist eine starke Liga, mit vielen jungen Trainern und vielen Mannschaften, die einen klaren, einfachen Plan haben. Das macht diese Liga superinteressant, allerdings auch wirklich superschwer.“

Historisch nahm die zweite Liga der Frauen ihren Betrieb 2004 auf, zunächst noch zweigleisig, unterteilt in eine Nord- und eine Südstaffel. Zweite Mannschaften waren ursprünglich nicht zugelassen. Diese Einschränkung wurde im Laufe der Jahre genauso verworfen wie die Zweigleisigkeit, sodass seit 2018 nur noch in einer zweiten Liga gespielt wird.

Physisch betonter Spielstil

Dass auch zweite Mannschaften dabei sind, die nicht in die Bundesliga aufsteigen können, mag den Wettbewerb etwas verwässern, für die Ausbildung bietet dieses Umfeld aber interessante Chancen. Talente, die noch den letzten Schritt auf die höchste nationale Ebene geschafft haben, können hier Spielpraxis in einer Erwachsenenliga sammeln, wo viele Fußballerinnen mit Bundesligaerfahrung anders zur Sache gehen als im Juniorenbereich. Und auch der Spielstil der zweiten Liga bietet eine interessante Lernumgebung. „In der zweiten Bundesliga wird oft ein anderer Spielstil gespielt als in der Bundesliga, in der viele Mannschaften versuchen, das Spiel mit dem Ball aufzubauen“, sagt Dongus. „In der zweiten Liga gebe es viel Kick and Rush: lange Bälle auf schnelle Zielspielerinnen.“ Es ist ein sehr physischer Fußball, der hier erlebt werden könne.

Unternehmen aus der Region

Zu befürchten ist allerdings, dass die zweite Liga mittelfristig ein Sammelbecken für die alten Traditionsklubs des Frauenfußballs wird, die immer chancenloser sind im Wettbewerb mit großen deutschen Fußballmarken. Potsdam, der SC Sand, aber auch die SGS Essen oder Jena, die in der ersten Liga gegen den Abstieg kämpfen, könnten zu klassischen Zweitligaklubs werden. Ein Funktionär aus einem großen Klub sagt im Gespräch mit dieser Zeitung, dass die Tabelle der Bundesliga der Frauen mittelfristig immer mehr wie die Tabelle der Männer-Bundesliga aussehen werde. Was das für die zweite Liga hieße, das wird sich noch zeigen. dth


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