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Fachgeschäfte

Steinheim: Der Wert des Händlers „gleich nebenan“

Lokaler Einzelhandel, Kaufkraft und verkaufsoffener Sonntag zeigen die Bedeutung von Geschäften für lebendige Ortskerne der Stadt und Gemeinde.

Steinheim: Der Wert des Händlers „gleich nebenan“

Foto: Suprijono Suharjoto

Man kennt sich. Ein kurzes „Grüß Gott“, zwei Sätze übers Wetter, vielleicht noch die Frage, ob das Geschenk auch umgetauscht werden kann. Einkaufen vor Ort ist manchmal erstaunlich ineffizient – zumindest, wenn man Effizienz nur daran misst, wie viele Sekunden zwischen Wunsch und Warenkorb liegen.

Für eine Stadt oder Gemeinde ist genau dieses Drumherum allerdings ziemlich wertvoll. Das lässt sich auch in Steinheim beobachten. Geschäfte, Dienstleister, Gastronomie und Handwerksbetriebe sind nicht nur Unternehmen, sondern Teil eines Ortszentrums. Sie sorgen dafür, dass Menschen kommen, bleiben und sich begegnen. Am verkaufsoffenen Sonntag am 20. September wird das besonders sichtbar, wenn lokale Firmen und Vereine gemeinsam mit dem Handel in der Stadt präsent sind.

Dabei muss sich Steinheim als Einkaufsstandort keineswegs verstecken. Die aktuelle Kaufkraftanalyse der IHK-Region Stuttgart prognostiziert für 2026 einen stationären Einzelhandelsumsatz von rund 133 Millionen Euro. Das entspricht etwa 11.200 Euro je Einwohner – ein Wert, mit dem Steinheim unter den Kommunen der Region mit mehr als 10.000 Einwohnern weit vorne liegt. Die sogenannte Zentralitätskennziffer beträgt 146. Vereinfacht gesagt: Steinheims Handel zieht deutlich mehr Umsatz an, als allein aufgrund der örtlichen Kaufkraft zu erwarten wäre.

Mehr als ein „Kassenbon“

Das ist bemerkenswert, denn der Gegenwind für den stationären Handel ist kräftig. In der gesamten Region Stuttgart stehen aktuellen Studien zufolge den Menschen 2026 knapp 24 Milliarden Euro einzelhandelsrelevante Kaufkraft zur Verfügung. In den Kassen des stationären Handels landen davon rund 19,2 Milliarden Euro, heißt es weiter. Ein Teil der Differenz erklärt sich durch den Online- und Versandhandel. Bei der Einzelhandelszentralität rangiert die Region inzwischen noch auf Platz 69 von 79 deutschen IHK-Bezirken.

Warum sollte das jemanden interessieren, der gar nichts kaufen möchte? Weil ein Laden eben mehr hinterlässt als einen Kassenbon. Unternehmen schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze, vergeben Aufträge an andere Betriebe und zahlen Steuern. Vor allem aber erzeugen Geschäfte Frequenz. Wo Menschen einkaufen, trinken sie vielleicht noch einen Kaffee, erledigen etwas bei einem Dienstleister oder treffen Bekannte. Wo Geschäfte verschwinden, funktioniert dieser Effekt irgendwann auch rückwärts: Weniger Angebot bedeutet weniger Besucher, weniger Besucher machen weitere Geschäfte schwieriger.

Unternehmen aus der Region

Deshalb ist „lokal kaufen“ kein nostalgischer Feldzug gegen den Paketboten. Onlinehandel gehört längst zum Alltag. Es geht vielmehr um eine ziemlich einfache Erkenntnis: Wer lebendige Ortskerne möchte, braucht Orte, für die es sich lohnt, das Haus zu verlassen. Und manchmal beginnt das tatsächlich mit etwas so Alltäglichem wie einem Einkauf.

Von Reimund Abel