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Wie Nachfolgeprozesse gelingen können

Die Übergabe eines Unternehmens ist ein hochkomplexer Vorgang-juristisch, finanziell, menschlich. Beim Round Table zur Unternehmensnachfolge von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten diskutierten Experten im Pressehaus Stuttgart über familiäre Fallstricke, systemische Hürden und die Chancen einer neuen Generation.

Wie Nachfolgeprozesse gelingen können

Moderator Chris Fleischhauer im Gespräch mit den Experten Fotos: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Unternehmensnachfolge ist kein Moment, sondern ein Prozess. Und sie ist selten planbar wie ein Projekt im Maschinenraum - dafür aber voller emotionaler Spannungen, unerwarteter Wendungen und nicht selten auch Konflikte. „Man ist in vielen Fällen mehr Mediator als Berater“, beschreibt Martin Wulf von PKF Wulf Gruppe seine Rolle. Das gilt besonders dann, wenn es um familieninterne Übergaben geht. „Eltern und Kinder haben oft völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Zukunft des Betriebs aussehen soll - oder ob es überhaupt eine gemeinsame Zukunft gibt.“

Ein besonders prägnantes Beispiel bringt Dr. Marcus Baum von Kuhn Carl Norden Baum Rechtsanwälte mit in die Runde. „Zwei Söhne, die sich sehr schwer taten mit einer Entscheidung - und Eltern, die andere Erwartungen hatten. Nach intensiven Gesprächen kam es zu einer Lösung, die niemand vorher auf dem Schirm hatte. Aber sie war tragfähig und das ist, was zählt.“

Die menschliche Seite

Dass neben juristischen Fragestellungen auch psychologische Aspekte immer mehr Gewicht bekommen, unterstreicht auch Dr. Franz-Peter Stümper von Bansbach. In einem seiner Fälle ging es um ein Unternehmen mit außergewöhnlich hohem Vermögen. „Das steuerlich effizient in die nächste Generation zu übertragen, war anspruchsvoll genug. Aber es kamen Spannungen in der Familie hinzu und Unsicherheiten in der Belegschaft. Die menschliche Seite darf man nie unterschätzen.“

Denn Nachfolge bedeutet auch Loslassen - und das fällt vielen Unternehmerinnen und Unternehmern schwer. „Die Zeiten haben sich verändert. Früher war es selbstverständlich, dass ein Kind die Firma übernimmt. Heute wollen viele Eltern ihren Kindern diesen Druck nicht mehr zumuten“, sagt Dr. Baum. Gleichzeitig sei auch die junge Generation nicht automatisch bereit, Verantwortung zu übernehmen - nicht aus Unlust, sondern weil sich Lebensentwürfe verändert haben. Wulf beobachtet zudem, dass die Rahmenbedingungen immer herausfordernder werden.„Es gibt mehr geopolitische Risiken, mehr Bürokratie, höhere steuerliche Anforderungen und komplexere Finanzierungsfragen. Die Komplexität ist in den letzten Jahren massiv gestiegen.“

Eine Konsequenz: Immer mehr Nachfolgelösungen verlaufen außerhalb der Familie. Verkäufe an Dritte oder Stiftungsmodelle nehmen zu. Doch das macht es nicht unbedingt einfacher. „Verkaufsprozesse werden regelmäßig unterschätzt“, so Baum. „Viele Unternehmer sind es gewohnt, zu gestalten, nicht zu verkaufen. Dabei ist ein strukturierter Verkaufsprozess mindestens ebenso aufwendig wie ein Start-up - und braucht dieselbe Professionalität.“

Eine der größten Hürden ist die Finanzierung. Gerade für junge Menschen, die ein Unternehmen übernehmen wollen, ist die Kapitalfrage oft entscheidend. „Die Investitionssummen sind hoch, die Hürden der Banken ebenfalls. Zwar gibt es Förderprogramme, aber sie sind nicht immer schnell und passgenau“, sagt Baum. Wulf plädiert für neue Instrumente: „Staatliche Fonds, die gezielt und flexibel agieren, wären ein echter Hebel.“ Auch die Frage nach dem Unternehmenswert ist alles andere als trivial. „Den einen objektiven Wert gibt es nicht“, sagt Wulf.„Je nach Bewertungsmethode - ob Ertragswert, Substanzwert oder Marktvergleich - entstehen unterschiedliche Zahlen. Entscheidend ist, dass Verkäufer mit realistischen Preisvorstellungen in die Verhandlungen gehen.“ Dr. Stümper ergänzt: „Überzogene Erwartungen führen häufig zum Scheitern eines ansonsten erfolgversprechenden Verkaufs.“ Doch es sind nicht nur ökonomische Fragen, die den Nachfolgeprozess hemmen. Auch staatliche Strukturen wirken vielfach blockierend. „Wir haben zu viele Stellen mit zu vielen Zuständigkeiten. Es fehlt an Einheitlichkeit, an Geschwindigkeit - und an Mut zur Vereinfachung“, kritisiert Stümper. Wulf fordert einen grundlegenden Wandel: „Wir brauchen eine zentrale Verwaltung, eine transparente Plattform, auf der Prozesse klar und effizient abgebildet werden.“

Unternehmen aus der Region

Die Frage der sozialen Verantwortung

Dass sich auch die Unternehmenskultur verändern muss, wird in der Diskussion deutlich. „Die junge Generation denkt anders. Sie stellt Sinnfragen, legt Wert auf Nachhaltigkeit, Vereinbarkeit von Beruf und Leben, soziale Verantwortung“, sagt Stümper. „Unternehmen, die das nicht ernst nehmen, werden nicht attraktiv für Nachfolger sein.“ Der Wandel sei nicht nur technisch und rechtlich, sondern auch kulturell. Die Zukunft der Unternehmensnachfolge wird deshalb stark davon abhängen, wie anpassungsfähig die Betriebe sind - organisatorisch wie mental. Wulf sieht mittlere und größere Mittelständler gut aufgestellt: „Wer professionell arbeitet, wird einen Weg finden.“ Kleinere Betriebe hingegen hätten es deutlich schwerer-etwa im Handwerk oder in der Gastronomie. Ein Beispiel: In Oberstaufen sinkt die Zahl der verfügbaren Gästebetten. „Viele kleine Gasthöfe schließen, weil sie den digitalen Anschluss verloren haben - und die Kinder wollen die Strukturen der Eltern nicht fortführen“, schildert Stümper.

Und dennoch: Die Chancen sind da.„Wir haben eine gut ausgebildete junge Generation, viele mit Unternehmergeist“, sagt Dr. Baum. „Was fehlt, ist der Zugang - über Finanzierung, Mentoring, Entbürokratisierung.“ Es gelte, Brücken zu bauen, nicht nur Hürden aufzustellen. Ein Symbol sei der sogenannte Notfallkoffer - ein Bündel aus Vollmachten, Verträgen, Zugangsdaten und Ansprechpartnern, das im Ernstfall hilft, den Betrieb handlungsfähig zu halten. „Er steht für Vorbereitung, Klarheit und Verantwortung“, erklärt Stümper. „Denn eine Unternehmensnachfolge lässt sich nicht aus dem Bauch heraus regeln. Sie muss strategisch geplant und menschlich begleitet werden.“

Fazit: Erfolgreiche Nachfolgeprozesse brauchen mehr als juristische Expertise und steuerliche Beratung. Sie verlangen emotionale Intelligenz, strukturelle Weitsicht und die Fähigkeit, sich auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen. Wer sich der Komplexität stellt, offen kommuniziert und professionell begleitet wird, kann auch unter schwierigen Bedingungen eine tragfähige Lösung finden - und das Weiterleben seines unternehmerischen Lebenswerks sichern.

PKF WULF GRUPPE

Martin Wulf
Martin Wulf

Die PKF Wulf Gruppe zählt zu den Top 3 Mittelstandsberatern in Deutschland. Neben den klassischen Leistungen der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung bietet sie ganzheitliche Beratung in Bereichen wie Corporate Finance, Unternehmensbewertung, Nachfolgeplanung, ESG sowie Sanierung und Restrukturierung. Mit rund 500 Mitarbeitenden an 14 Standorten in Baden-Württemberg und Bayern steht die PKF Wulf Gruppe für individuelle und persönliche Beratung sowie für praxisnahe Lösungen. Der Hauptsitz befindet sich in Stuttgart. Im Bereich Nachfolgeplanung unterstützt die PKF Wulf Gruppe Unternehmen bei der strategischen Vorbereitung und nachhaltigen Umsetzung der Unternehmensübergabe. Im Fokus stehen die frühzeitige Analyse der jeweiligen Unternehmenssituation sowie die Entwicklung tragfähiger und individueller Lösungen zur langfristigen Sicherung der Unternehmensfortführung. www.pkf-wulf-gruppe.de

BANSBACH

Dr. Franz-Peter Stümper
Dr. Franz-Peter Stümper

Unternehmen erfolgreich übergeben - das erfordert mehr als nur Paragrafenkenntnis. Seit über 100 Jahren begleitet BANSBACH Mittelständler durch komplexe Nachfolgeprozesse - rechtlich, steuerlich und betriebswirtschaftlich. Rund 450 Mitarbeitende an neun Standorten bundesweit - darunter der Hauptsitz in Stuttgart - stehen für umfassende Beratung aus einer Hand: Steuer-, Unternehmens- und Rechtsberatung, Wirtschaftsprüfung, Corporate Finance sowie IT-Beratung. Im Bereich Unternehmensnachfolge bündeln interdisziplinäre Teams ihre Expertise: Ob familieninterne Übergabe, Management Buy-out oder Verkauf - Ziel ist eine Lösung mit Weitblick, ohne unnötige Reibung. „Unternehmensnachfolge ist kein einmaliges To-do, sondern ein strategischer Prozess mit vielen Stellschrauben. Dabei denken wir ganzheitlich, bündeln alle Perspektiven und formen daraus eine zukunftsfähige Lösung“, so Dr. Franz-Peter Stümper von BANSBACH. www.bansbach-gmbh.de

KUHN CARL NORDEN BAUM RECHTSANWÄLTE

Dr. Marcus Baum
Dr. Marcus Baum

Seit bald 60 Jahren berät Kuhn Carl Norden Baum ihre Mandanten umfassend, persönlich und diskret in den Kernbereichen Unternehmens- und Vermögensnachfolge, Gesellschaftsrecht und M&A, Allgemeines Wirtschafts- und Vertragsrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Compliance, Arbeitsrecht und Bank- und Finanzrecht sowie in Gerichts-, Schieds- und Mediationsverfahren aller Art. Als Team aus Rechtsanwälten und einem Steuerberater unterstützt Kuhn Carl Norden Baum ihre Mandanten hierzu sowohl Mittelständler als auch große Wirtschaftsunternehmen, Unternehmer, anspruchsvolle Privatpersonen und deren Familien im nationalen und internationalen Umfeld bei allen Fragen und in allen Belangen. Höchste fachliche Kompetenz gepaart mit maßgeschneiderter, praxisorientierter und persönlicher Beratung bei absoluter Diskretion sind dabei der Anspruch und Grundsatz. www.kcnb.de