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50 Jahre Hedelfinger Herbst, aber ohne Kirbejahrgang

Jubiläumsfest in Stuttgart-Hedelfingen mit Riesentraube, Weinfest, Feuerwehr, Musikprogramm und historischem Krämermarkt.

50 Jahre Hedelfinger Herbst, aber ohne Kirbejahrgang

Traditionell bilden die 20-Jährigen den Kirbejahrgang-wie hier 1912 mit Riesentrauben. In diesem Jahr ist das nicht so. Foto: Archiv Altes Haus

Im Hedelfinger Ortskern wird seit Monaten gebaut, die Weingärtnergenossenschaft ist seit vergangenem Jahr in der Auflösung, ein Kirbejahrgang ließ sich diesmal nicht zusammenbekommen – den Hedelfinger Herbst gibt es aber trotz all der Veränderungen wieder und das schon seit einem halben Jahrhundert. Am 30. August und 1. September lädt die Arbeitsgemeinschaft Hedelfinger Herbst zu dem beliebten Traditionsfest ein. Die Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus Weinfestverein und Feuerwehr, gibt es seit einem halben Jahrhundert, sie wurde 1976 gegründet. 49 Feste hat die Gemeinschaft in dieser Zeit organisiert, ein Jahr musste wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt werden. Das Programm 2026 ist vielfältig wie eh und je.

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Das Festprogramm

Auftakt ist am Kirbe-Sonntag, dem 30. August, um 10 Uhr in der Hedelfinger Kelter mit einem ökumenischen Gottesdienst. Musikalisch wird er vom Posaunenchor gestaltet. Beim anschließenden Frühschoppen sorgt die Handharmonika-Abteilung der Sportkultur Stuttgart für Unterhaltungsmusik. In der bewährten Kombination von Feuerwehrhaus, Kelter und Vorplatz geht es am Nachmittag vielfältig weiter. Im Feuerwehrhaus öffnet um 14 Uhr das Kirbe-Café, wo auch leckere selbst gebackene Kuchen genossen werden können. In der Kelter und im Pavillon auf dem Vorplatz schenken die Weingärtner ihre Weine und auch Alkoholfreies aus. Die Feuerwehr sorgt für Gegrilltes.

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Der Kirbejahrgang

Traditioneller Höhepunkt am Kirbe-Sonntag ist das Aufhängen der Riesentraube. Der 120 kg schwere Trauben wird normalerweise vom Kirbejahrgang in einem kleinen Umzug zur Kelter gebracht und „aufgetanzt“. Dieser Programmpunkt muss in diesem Jahr ausfallen. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist es nicht gelungen, einen Kirbejahrgang zusammenzubekommen. Das haben auch andere Ortschaften in der Stadt und der Region schon erleben müssen. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber vor allem auf die veränderten Bildungs-, Berufs- und Lebenswege heute zurückzuführen. Normalerweise besteht der Kirbejahrgang aus den 20 Jahre alten jungen Erwachsenen eines Ortes, die hier zusammen die Grundschule besucht haben. Diese Jahrgänge sind in der heutigen Zeit aber größtenteils längst nicht mehr im Ort, sondern studieren, arbeiten, leben ganz woanders. Im vergangenen Jahr war es in Hedelfingen noch gelungen, genügend junge Frauen und Männer für den Kirbejahrgang zu finden, dieses Jahr nicht.

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Die Riesentraube wird trotzdem aufgehängt. Das übernehmen die Weingärtner und die Feuerwehr. Auf das Auftanzen muss verzichtet werden. Um 14 Uhr hängen sie den Trauben in der Kelter auf, tanzen dürfen die Festteilnehmer. Für Musik ist durchgehend gesorgt. Ab 14.30 Uhr spielt der preisgekrönte Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Wangen, der um 16.45 Uhr vom Musikverein Hedelfingen-Rohracker abgelöst wird.

Der Kirbe-Dienstag

Der zweite Festtag, der Kirbe-Dienstag, ist der heimliche Hedelfinger „Nationalfeiertag“, an dem sich auch ehemalige Hedelfinger an und in der Kelter treffen. Sie öffnet an dem Tag um 11 Uhr, für Musik sorgt ab 16 Uhr die Band „Sammy Short“. Für die Kinder dreht sich an beiden Festtagen, also am Sonntag und am Dienstag, an der Heumadener Straße ein Karussell. Und einen Krämer-Markt wird es am Kirbe-Dienstag auch wieder geben, in der Heumadener und der Amstetter Straße, allerdings baustellenbedingt diesmal in etwas verkleinerter Form.

Der Krämermarkt hat eine lange Geschichte: Man schrieb das Jahr 1872, als Hedelfingen die dauerhafte Genehmigung für seinen Traditionsmarkt bekam. So ist es urkundlich festgehalten: „Der Gemeinderat Hedelfingen wird benachrichtigt, daß seinem Gesuch um Erlaubnis zur Abhaltung eines Krämer-, Vieh- und Schweine-Jahrmarkts je am 1. Dienstag des Monats September durch Regierungsdecret (...) entsprochen“ wird. Die Gebühr dafür betrug 41 Gulden und 15 Kreuzer. Und als Hedelfingen 1922 nach Stuttgart eingemeindet wurde, war der Markt Bestandteil des Eingemeindungsvertrags: „Die Stadtgemeinde Stuttgart verpflichtet sich, für die Beibehaltung des seit dem Jahr 1872 bestehenden Jahrmarkts einzutreten.“ Deswegen ist heute der Eigenbetrieb Märkte Stuttgart der Veranstalter des Krämermarkts, der natürlich ganz anders aussieht als vor 150 Jahren.

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Die Gesprächsthemen

2025 war die Auflösung der Weingärtnergenossenschaft Hedelfingen eines der Hauptgesprächsthemen bei der Kirbe. Die Genossenschaft hatte kurz vor dem Hedelfinger Herbst verkündet: „Nach 70 erfolgreichen Jahren hat die Weingärtnergenossenschaft Hedelfingen beschlossen, neue Wege zu gehen, um den Weinbau in Hedelfingen zukunftssicher aufzustellen. Damit endet ein bedeutender Zeitabschnitt lokaler Weinkultur, der durch ehrenamtliches Engagement und gelebte Gemeinschaft geprägt war.“ Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, erklärten Vorstand und Aufsichtsrat. „Doch die aktuellen strukturellen Herausforderungen erfordern es, sich für die Zukunft und den Erhalt des Weinbaus in Hedelfingen neu aufzustellen.“ Seitdem ist die Genossenschaft in Liquidation und die Wengerter arbeiten eng mit dem Teamwerk Esslingen zusammen.

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In diesem Jahr könnten die Dauerbaustellen im Hedelfinger Ortskern das Hauptgesprächsthema sein. Seit April wird der Ortskern umgestaltet, werden wichtige Leitungen auch im weiteren Umfeld erneuert. Die Arbeiten sollen noch bis Ende November dauern, so lange sind auch Straßen gesperrt. Für das Festwochenende gilt aber eine besondere Regelung: Da die Ruiter Straße wegen des Festes selbst komplett gesperrt ist, wird der Verkehr ortsauswärts über einen sonst gesperrten Abschnitt am Ende der Amstetter Straße geleitet. Den Festbesuchern wird dringend empfohlen, öffentliche Verkehrsmittel, also Stadtbahnen und Busse, zu nutzen.

Von Jürgen Brand