Die Steinenbergschule in Hedelfingen hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig sie für den Stadtbezirk, für die Kinder hier ist. Beim Kinderforum am vergangenen Mittwoch konnten viele Kinder aus den Hedelfinger Kitas und aus der Schule ihre Vorschläge und Wünsche für Verbesserungen im Stadtbezirk machen. Die Kinderforen sind in gewisser Weise die Bürgerversammlungen für Kinder in den Stadtbezirken, allerdings ohne dass der Oberbürgermeister oder andere Bürgermeister dort auftreten, dafür aber der Bezirksvorsteher.
Hedelfingen hat bei der Durchführung der Kinderforen inzwischen stadtweit einen gewissen Vorbildcharakter, weil hier die Kinderbeteiligungen öfter organisiert werden als in anderen Stadtbezirken. Sie zeigen den Kindern nicht nur, dass ihre Wünsche ernst genommen werden und ihnen zugehört wird, sondern sind auch eine frühe und gerade in diesen Zeiten so wichtige Demokratie-Schule für sie.
Kinderforen sollen eigentlich alle fünf bis sieben Jahre in jedem Stadtbezirk stattfinden, ähnlich wie die großen Bürgerversammlungen. „Kinder lernen durch altersgemäße und qualifizierte Formen der Mitbestimmung, sich im Gemeinwesen einzubringen und dass Ergebnisse in Verhandlungsprozessen zustande kommen. Sie erfahren Selbstwirksamkeit in demokratischen Prozessen. Maßnahmen werden durch Partizipation von Kindern verbessert und ihre Akzeptanz erhöht sich“, heißt es dazu in der Konzeption Kinderfreundliches Stuttgart für die Jahre 2025-2020). So sollen auch die Bedürfnisse der Kinder in der ganzen Stadt systematisch erhoben werden.
Nicht alle Wünsche können umgesetzt werden
Inzwischen gab es Kinderforen beispielsweise in den Stadtbezirken Botnang und Feuerbach oder etwa auch in Neugereut, in Stammheim gibt es den sogenannten Kindergipfel. Alle diese Veranstaltungen wurden natürlich durch die Corona-Pandemie ausgebremst. Aber in Hedelfingen fand tatsächlich auch in der Coronazeit ein Kinderforum statt, wenn auch in sehr reduzierter Form. Es war das erste Kinderforum, das Matthias Hagen als Rektor der Steinenbergschule organisieren konnte. „Damals gab es eine Wanderausstellung der Anliegen-Plakate, die nach und nach durch die verschiedenen Einrichtungen lief. Die Eröffnungsveranstaltung fand bei uns statt - allerdings auch ,nur' als Pressetermin mit viel Abstand zueinander, Masken und kurzer Fotorunde.“
Trotzdem hätten auch damals einige Anliegen umgesetzt werden können, wie etwa eine gewisse Verkehrsberuhigung am Steinenberg. Die Kinder müssen von Treppen kommend die Straße in Richtung Schulgelände überqueren. Allerdings war die Sicht dort durch parkende Wohnmobile stark eingeschränkt, zu schnell gefahren wurde trotz 30er-Zone offenbar auch.

Da Zebrastreifen in Stuttgart in Tempo 30-Zonen nicht genehmigt werden, wurden eine Gehwegnase eingebaut und die Parkverbotszone erweitert. Weitere Erfolge dieses und früherer Kinderforen sind etwa der regelmäßige Besuch des Eiswagens und die Neugestaltung des Spielplatzes am Steinenberg oder ein kleiner Basketballkorb, den das Sportamt zur Verfügung stellte.
Andere Wünsche konnten dagegen nicht erfüllt werden. „Ich denke, dass die Kinder durchaus auch lernen müssen, damit klarzukommen, dass nicht alle Wünsche umsetzbar sind. Sie lernen, dass Maßnahmen dieser Art bestimmte Rahmenbedingungen und Abläufe zur Vorgabe haben,“ sagt Rektor Matthias Hagen.„Demokratie heißt also nicht, dass alle, meine Wünsche' berücksichtigt werden. Es heißt aber, dass ich Anliegen einbringen darf, dass diese ernst genommen werden und dass ich auch nachvollziehbar erfahre, warum ein Vorhaben gegebenenfalls nicht umzusetzen ist. Das ist tatsächlich wichtig, falls ein Anliegen nicht umgesetzt werden kann - Transparenz und Zeit, dies den Kindern zu erklären.“
„Paten-Vertrag" für die Anliegen der Kinder
Auch Ulrike Kieninger vom Jugendamt findet, dass Hedelfingen die Kinderforen vorbildlich umsetzt und die Beteiligungsveranstaltung sogar öfter als die vorgesehenen fünf bis sieben Jahre organisiert. Am Mittwoch präsentierten die beteiligten Gruppen und ihre jeweiligen Paten aus der Stadtverwaltung ihre Wünsche. Die Kitas im Stadtbezirk hatten dies gemeinsam mit der Pop-Up-Bibliothek Hedelfingen vorbereitet. So hatten sich die Kinder Kita Ruiter Straße gewünscht, dass etwas gegen die große Pfütze auf dem Weg zum Kindergarten beim Spielplatz „Am Steinenberg“ gemacht werden soll, weil sie sonst immer auf dem Bordstein balancieren müssten.
Auch ein Zebrastreifen oder eine Überquerungshilfe an der Ecke Fruchtstraße und Obere Heckenstraße steht ganz oben auf ihrer Wunschliste. Die Kinder der Kita an der Fruchtstraße wünschen sich eine bessere Straßenbeleuchtung in der Fruchtstraße. Und die Kinder der Dibber-Kita an der Heimgartenstraße wünschen sich grundsätzlich Zebrastreifen vor jeder Kita. Im Anschluss an die Präsentationen wurde eine Art Paten-Vertrag für die Anliegen abgeschlossen, es gibt also Kümmerer, die an der Erfüllung der Wünsche arbeiten.
Kinder und Jugendliche am kommunalen Geschehen beteiligen
Und weil Demokratie auch Spaß machen soll, sorgte ein Zauberer in der Steinenbergschule für große Augen und die eine oder andere Überraschung.
Bezirksvorsteher Kai Freier bedankte sich bei den beteiligten Einrichtungen für die Vorbereitung und bei der Steinenbergschule für die Durchführung des Kinderforums. Auch den Paten aus den städtischen Ämtern dankte er. Freier betonte, wie wichtig es sei, Kinder und Jugendliche am kommunalen Geschehen zu beteiligen, auf ihre Wünsche einzugehen und sich darum zu kümmern. Und er hofft, dass möglichst bald erste Verbesserungen sichtbar werden. Jürgen Brand