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Die treue Lilly wird zum Goldesel

Rolf Müller ist der Eselflüsterer von Mühlhausen. Den Erlös seiner geführten Touren mit den liebenswerten Grautieren spendet er ans Kinderund Jugendhospiz Stuttgart.

Die treue Lilly wird zum Goldesel

Vier Esel leben auf der Ranch in Mühlhausen. Fotos: Eva Herschmann

Wenn der Eselflüsterer von Stuttgart-Mühlhausen ruft, kommt Bewegung in die kleine Herde auf der Blumenwiese. Alle kommen herbei, um Rolf Müller zu begrüßen. Lilly ist die erste und schmiegt sich an ihren Besitzer. Die freundliche Eseldame wird an diesem Freitag zum Goldesel. Mit Rolf Müller und ihrem tierischen Kumpel Alex bringt die Zwergeselin den goldenen Geldsack, gefüllt mit rund 4800 Euro, ins Kinder- und Jugendhospiz in der Diemershaldenstraße in Stuttgart. Der größte Teil der Spende ist der Erlös der geführten Goldesel-Touren, die Müller einmal im Monat macht. Der Rest sind Spenden von Freunden, Bekannten und Teilnehmenden seiner tierischen Touren.

Esel seien „wunderbare, intelligente Tiere und treue Kameraden“, sagt Rolf Müller, der vor 20 Jahren auf den Esel gekommen ist. Heute leben auf seiner Ranch in Mühlhausen vier Esel. Neben der Anführerin Lilly, die der „empathischste Esel ist, den ich kenne“, so Müller - und Alex, sind seit etwas mehr als zwei Jahren Raya und Tonie hier zuhause. Und zu allen seinen Grautieren hat der 74-Jährige eine innige und emotionale Beziehung.

Als Sohn eines Pferde- und Viehhändlers, wuchs Müller mit Huftieren auf und war ein begeisterter Reiter. Auch einen Esel namens Jogi gab es in der heimischen Herde. „Mit ihm bin ich überhaupt nicht klar gekommen. Ich wollte, dass er galoppiert und über Hindernisse springt.“ Mittlerweile kennt Rolf Müller das Wesen und die Natur der Esel und weiß, warum es mit ihm und Jogi nicht geklappt hat. Esel seien keine Reittiere und ließen sich auch nicht dressieren, erklärt er. Dabei seien sie keinesfalls stur, störrisch, eigenwillig oder gar dumm. „Sie sind lernfähig, aber man kann sie zu nichts zwingen, es geht nur über Vertrauen, denn Esel entscheiden nach dem Bauchgefühl.“

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8,5 Kilometer lang ist Müllers Hausstrecke

Rolf Müller ist ein Mühlhäuser Urgestein und ein Macher. Er ist Ehrenvorsitzender des BdS Mühlhausen, den er 1994 mit Johannes Schlichter gegründet hat und dessen Vorsitzender er 21 Jahre lang war. Müller liebt Musik und Theater, ist Mitglied im Bürgerverein, hat die Kirbe Mühlhausen initiiert und das Naturtheater im Hanfäcker 5 gegründet. Doch sobald er bei seinen geliebten Eseln ist, kehrt Ruhe bei dem umtriebigen Macher ein. Innere wie äußere. Und die suchen auch andere Menschen bei den monatlichen geführten Goldesel-Touren, die in diesem Jahr komplett ausgebucht sind.

8,5 Kilometer lang ist Müllers Hausstrecke, die vom Naturtheater Mühlhausen über das Feuerbachtal in die Weinberge über dem Max-Eyth-See führt, weiter auf den Spuren des „,4-Burgen-Weges“ durch den Schlosspark, vorbei an der berühmten Veitskapelle zurück zum Heimatstall. Rund zweieinhalb Stunden dauere die Tour, und sie sei für Menschen, die „ernstes“ Interesse für die Esel und die Natur mitbringen, erklärt Rolf Müller. Die Teilnehmenden bekommen eine Menge geboten. Zum einen engen Kontakt mit den liebenswerten Eseln und jede Menge Informationen über sie, zum anderen Geschichte und Geschichten, etwa, wie der Begriff Eselsbrücke entstand.

„Das hängt damit zusammen, dass Esel nicht durch Wasser gehen, weil ihr Fell, anders als das von Pferden, nicht wasserdicht ist“, erklärt Rolf Müller. Bei schönem Wetter geht Rolf Müller mit seinen Eseln auf Wandertour. Dafür hat er kürzlich einen extra großen Pferdetransporter gekauft, der gerade umgebaut und auf die Bedürfnisse der Esel maßgeschneidert wird.

Wenn er und seine Esel unterwegs sind - oft mit seiner Partnerin und mit Freunden wie Jutta Maier, der evangelischen Pfarrerin von Mönchfeld, und seinem Kumpel und Weggefährten Hans-Werner Schif, einem „Kenner des Schwäbischen Waldes“ - komme es fast immer zu besonderen Begegnungen mit Menschen, erzählt Müller und erzählt von der alten Frau mit Rollator.

„Sie schien völlig in sich gekehrt, doch als sie die Esel sah, hat sie gefragt, ob sie sie streicheln darf.“ Oder die mit einem jungen Sportstudenten aus der Ukraine. „Er meinte, er habe nicht viel Geld, aber er wolle fünf Euro spenden“, sagt Rolf Müller.

Auch sein Beitrag ist in dem Goldsack, den Lilly, der Goldesel von Mühlhausen, an diesem Freitag an der Seite von Rolf Müller und ihrem Eselkumpel Alex in das Hospiz oberhalb des Stuttgarter Eugensplatzes bringen wird.

Von Eva Herschmann