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Am 1. Advent stehen Gutsle auf dem Tisch: Bräuche & Rezepte

Vorweihnachtliche Stimmung: Maritta Bounin pflegt Weihnachtsbräuche und Rezepte des Landfrauenvereins Mühlhausen, vom Adventskranz bis zu traditionellen Gutsle und selbstgebackenem Stollen

Am 1. Advent stehen Gutsle auf dem Tisch: Bräuche & Rezepte

Maritta Bounin (links) und Waltraud Stiefel beim Stöbern durch die Backbücher. Fotos: eha.

In der Wohnung von Maritta Bounin in Mühlhausen herrscht schon vorweihnachtliche Stimmung. Auf dem kleinen Schränkchen steht ein Weihnachtsbaum aus Holz, daneben auf der Vitrine eine Vielzahl von Engel. Auch einen Adventskranz hat die ehemalige Landfrau bereits, er wartet auf dem Balkon auf seinen Einsatz am ersten Adventssonntag. Und selbstverständlich steht Selbstgebackenes auf dem Kaffeetisch. Zwetschgenkuchen mit Streusel serviert die 85-Jährige. In den Tischgesprächen mit Waltraud Stiefel geht es dann aber hauptsächlich um Gutsle. Der erste Advent steht vor der Tür, und im Hause Bounin in Stuttgart-Mühlhausen laufen die Vorbereitungen. „Ich fange jetzt dann mit dem Backen an, eingekauft habe ich alles schon“, sagt die Gastgeberin.

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Viele Jahre war Maritta Bounin im Landfrauenverein Mühlhausen aktiv, doch der Verein, der zu seinen besten Zeiten rund 40 Mitglieder hatte, hat sich vor rund sechs Jahren aufgelöst. Sie hätten aus Altersgründen keine Kandidatinnen für Vorstandsposten gefunden, erzählt die agile Seniorin. Doch noch immer treffen sich die ehemaligen Landfrauen einmal im Monat, nicht mehr im Vereinsraum im Erdgeschoss des alten Rathauses, aber im Gasthaus Löwen. „Manchmal sind wir nur eine Handvoll, manchmal aber auch 20“, sagt Maritta Bounin.

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Bräuche und Rezepte der Landfrauen sind geblieben

Ein Programm wie früher mit Vorträgen etwa über „Weihnachten auf einer nordfriesischen Insel“ oder „Feldenkrais“, Bastelangebote und Ausflüge gibt es nicht mehr, aber einiges ist erhalten geblieben. „Für unser Treffen im Dezember backe ich wie früher einen Stollen mit Zitronat, Orangeat, Rosinen und viel Quark und zwar den 40-prozentigen“, sagt Maritta Bounin. Auch die Bräuche und Rezepte der Landfrauen sind geblieben, gerade in der Vorweihnachtszeit.

Von Butterplätzchen bis Vanillekipferl

Die Rezepte der Landfrauen sind oft noch von Hand aufgeschrieben.
Die Rezepte der Landfrauen sind oft noch von Hand aufgeschrieben.

Bald schon wird der Duft von frisch gebackenen Plätzchen durch die Wohnung in der Wenzelstraße ziehen. Früher, so erzählt Maritta Bounin, habe sie alle Jahre wieder bis zu 15 verschiedene Sorten gebacken – von Butterplätzchen bis Vanillekipferl. „Jetzt mache ich nur noch drei verschiedene Gutsle, Ausstecherle mit Marmelade und Spritzgebäck einmal mit Schokolade und dann noch mit Marmelade.“ Haselnussbrötle, Butter-S und Elisen-Lebkuchen stehen unter anderem auf dem Backprogramm der 81-jährigen Waltraud Stiefel, die auch regelmäßig zu den Treffen der ehemaligen Landfrauen kommt. „Ich fange bald damit an, denn zum 1. Advent gibt es die ersten Gutsle.

Nachdem sich Waltraud Stiefel und Maritta Bounin mit Kaffee und Zwetschgenkuchen gestärkt haben, stecken sie ihre Nasen in Backbücher und stöbern in den Rezepten, die oft noch von Hand aufgeschrieben sind. Wie das von den Mandel-Häufchen oder den Ausstecherle mit Marmelade.

„Die brauchen bei mir maximal zehn Minuten bei 180 Grad im Backofen, bei Gutsle ist es aber sowieso am besten, dabeizubleiben und zu gucken“, empfiehlt Maritta Bounin.

Von Eva Herschmann

Rezept

Ausstecherle mit Marmelade (ergibt rund 110 Stück)

1 Kilogramm Mehl
500 Gramm Butter
500 Gramm Zucker
6 Eier
2 Päckchen Backpulver
2 Päckchen Vanillezucker
je 1 Rum-Aroma, Bittermandel-Aroma und Zitronen-Aroma
eine Prise Salz

Alle Zutaten zu einem glatten Teig verarbeiten und über Nacht zugedeckt in einer Schüssel in den Kühlschrank stellen. Den Teig halbieren und die Hälfte geschmeidig durchkneten. Auf einer bemehlten Fläche den Teig circa 3 Millimeter dick ausrollen. Mit einer runden Ausstechform, Durchmesser circa 7,5 Zentimeter, ausstechen. In die Hälfte der ausgestochenen Teiglinge jeweils ein rund 3 Zentimeter großes Loch stechen, mit gequirltem Eidotter bestreichen und mit Zucker bestreuen. Alles bei – je nach Backofen – zwischen 160 und 180 Grad backen. Nach dem Auskühlen werden die Gutsle ohne Loch mit Marmelade bestrichen und je ein rundes mit und eines ohne Loch zusammengefügt. Mit der zweiten Hälfte des Teigs ebenso verfahren.
eha