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Stuttgart lokal

Neues Kapitel im Bürgerverein Mühlhausen

Nach 13 Jahren übergibt Heinz Morhard den Vorsitz des Bürgervereins Mühlhausen an Carolina Seggelmann. Engagement für Umwelt, Kinder & Geschichte.

Heinz Morhard hat sein Amt an Carolina Seggelmann abgegeben. Fotos: Eva Herschmann
Heinz Morhard hat sein Amt an Carolina Seggelmann abgegeben. Fotos: Eva Herschmann

Der strenge Geruch und der Lärm der störanfälligen und veralteten Klärschlammverbrennungsanlage störanfälligen in Mühlhausen sowie Pläne für den Bau einer Altölverbrennungsanlage haben anno 1969 die Bürgerinnen und Bürger aktiv werden lassen. Sie gründeten die „Schutzgemeinschaft zur Wahrung der Interessen der Bewohner von Stuttgart-Mühlhausen und Umgebung e.V.“ mit dem Ziel, nachhaltige Verbesserungen für die Menschen und die Umwelt zu erreichen. In den 56 Jahren habe man eine Menge erreicht, sagt Heinz Morhard, der von Anfang an dabei war. Nach 13 Jahren als Vorsitzender hat der 79-Jährige das Amt an seine bisherige Stellvertreterin Carolina Seggelmann, 37, weitergegeben.

Er sei froh, sagt Heinz Morhard, dass er eine solch engagierte Nachfolgerin gefunden habe. Der pensionierte Vermesser und Kartograf, hatte Carolina Seggelmann seit Mai 2022 als zweite Vorsitzende an seiner Seite. Jetzt hat die Kinderkrankenschwester und zweifache Mutter die Führungsrolle übernommen. Sie weiß, dass sie einem Verein mit einsatzfreudigen Mitgliedern vorsteht. „Wir wollen künftig eine Mitgliederumfrage machen, und abfragen, was so alles ansteht“, sagt die 37-Jährige, die 2012 aus Paderborn nach Stuttgart kam und seit 2018 in Mühlhausen daheim ist. Ein Jahr später, 2019, feierte der Bürgerverein Stuttgart-Mühlhausen, sein 50-Jahr-Jubiläum.

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Erfolgreicher Start des Vereins

Die Gründung war seinerzeit schnell und reibungslos über die Bühne gegangen. Was auch daran gelegen habe, dass viele der Mitwirkenden erfahrene Vereinsvorsitzende gewesen seien, sagt Heinz Morhard. Rasch hatten sich 150 Bürgerinnen und Bürger dem Verein angeschlossen. „Wir wurden von Anfang an ernst genommen.“ Und der neue Bürgerverein startete erfolgreich. 

Die Pläne der Stadt Stuttgart für die Altölverbrennungsanlage wurden 1970 begraben und die Schornsteine der Klärschlammverbrennung von ursprünglich vorgesehenen rund 40 Metern auf 80 Meter erhöht. Zudem finden bis heute jährliche Gespräche mit den Verantwortlichen des Hauptklärwerks statt, in denen aktuelle Probleme, Planungen und Bauvorhaben thematisiert werden.

„Es geht auch darum, sich als Stadtbezirk gegen die Kernstadt zu behaupten“, sagt Heinz Morhard. Vorhaben in Mühlhausen und auch Hofen seien meist hinten angestellt worden. „Es war unserem Verein zu verdanken, wenn was passiert ist.“ Morhard verweist auf die Umgehungsstraße oder auf die Erweiterung der Grundschule. Derzeit kämpft der Bürgerverein Stuttgart-Mühlhausen, wie er seit 2014 offiziell heißt, um den Erhalt der zentral gelegenen Turn- und Versammlungshalle, die ein Sanierungsfall ist. Sanieren sei ökologischer als neu zu bauen, sagt Carolina Seggelmann. „Außerdem liegt der geplante Standort Schafshaus lange nicht so günstig, ein großer Teil der Mühlhäuser müsste den Berg hinauf.“

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Auch der Hochwasserschutz bewegt die Mitglieder des Bürgervereins. Denn der Feuerbach, der„eigentlich ein harmloses Bächle ist“, weiß die Vorsitzende, braucht bei Starkregen Überschwemmungsflächen. Doch das Untere Feuerbacher Tal sei aus Naturschutzgründen schwierig.„Immerhin ist es uns gelungen, über den Bürgerhaushalt ein Gutachten einzufordern“, ergänzt Heinz Morhard. Der Einsatz für die Natur ist nicht einmalig. Seit 25 Jahren beteiligt sich der Bürgerverein Mühlhausen aktiv an Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet.

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Kinder liegen dem Verein ebenfalls am Herzen - und deswegen beschäftigen sich die Engagierten mit der Gestaltung und Erhaltung von Spielplätzen im Bezirk Mühlhausen, wie dem Spielplatz beim Palmschen Schloss. „Die Planung für die Umgestaltung wurde vor vier Jahren begonnen, die Mittel sind im Haushalt eingestellt, und eigentlich sollte bald Eröffnung sein, aber passiert ist bisher nichts“, sagt Carolina Seggelmann kopfschüttelnd. Auch eine Babyschaukel gebe es auf keinem der Mühlhäuser Spielplätze, aus dem Spielplatz am Neckar könne man weitaus mehr machen als das, was da ist, und beim Spielplatz Reinhartsstraße sei ein neuer Bodenbelag nötig. „Wir haben in Mühlhausen einen großen Zuzug von Familien. Aber es heißt nur: keine Zeit, kein Geld, kein Personal.“

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Die Vergangenheit will der Bürgerverein Stuttgart-Mühlhausen für die Nachwelt bewahren. Der Verein hat zwei Heimatbücher veröffentlicht, die auf rund 600 Seiten die Ortsgeschichte erzählen. Unterschiedlichste Relikte aus früheren Zeiten, Schriftstücke, Bilder und vieles mehr, werden in einem Raum im ersten Stock des alten Rathauses in der Veitstraße gesammelt und aufbewahrt. Derzeit ist Wolfgang Walter, ein gebürtiger Mühlhäuser, der in Fellbach wohnt, damit beschäftigt, die gesamte Ortsgeschichte zu digitalisieren. „Ehrenamtlich natürlich“, erklärt Heinz Morhard.