Wer auf den Spuren der Vergangenheit wandern will, muss nicht weit laufen. Im Stadtbezirk Mühlhausen gibt es viele alte Gebäude und geschichtsträchtige Plätze zu entdecken. Der Bürgerverein Mühlhausen hat sie in einem „Historischen Rundgang“ zusammengefasst, der Bürgerverein Hofen in einem „Rundgang durch Alt-Hofen“, und beide Touren sind lohnenswert, gerade auch, aber nicht nur, für Neu-Bürgerinnen und -Bürger.
Der historische Rundgang durch Mühlhausen dauert rund 75 Minuten. Er soll den lebenden und nachfolgenden Generationen „den bewundernden Blick auf die Geschichte des ehemals kleinen Ortes Mühlhausen erhalten“, heißt es in dem Faltblatt, das anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des Bürgervereins im Jahr 2019 veröffentlicht wurde und beim Bürgerverein, in zahlreichen Geschäften und im Bezirksrathaus erhältlich ist. Startpunkt ist das Palm’sche Schloss, das auf ein um 1595 errichtetes Herrenhaus zurückgeht und mehrmals umgebaut und erweitert wurde. Ab 1728 war es die Residenz der Freiherren von Palm und seit 1990 ist das Bezirksrathaus des Stadtbezirks Mühlhausen im Palm’schen untergebracht.
25 Stationen Geschichte
Insgesamt 25 Stationen gibt es. Eine davon ist die Ruine der Engelburg, die ihren Namen vermutlich dem Ritter Engelbold von Kaltental verdankt, der 1567 die Reformation einführte. Auch Gegenwartsgeschichte gehört zum Rundgang. Das Hauptklärwerk Stuttgart-Mühlhausen, das Anfang des 20. Jahrhunderts entstand und das neben Abwässern der Stadt Stuttgart auch die von Esslingen, Fellbach, Korntal-Münchingen, Kornwestheim und Remseck reinigt, ist mit einem Volumen von täglich 190.000 Kubikmeter schließlich die größte Kläranlage in Baden-Württemberg. Wer mehr Gefallen an der Historie findet, der sollte die Veitskapelle besuchen, deren Grundstein 1380 gelegt wurde und die ein Kleinod der Spätgotik ist. Ihr Inneres gilt mit Altären und Wandmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert als der schönste und kunstgeschichtlich bedeutendste Kirchenraum des Mittelalters in Stuttgart und ist ein herausragendes Beispiel für den mittelalterlichen Sakralbau. Auch in Alt-Hofen gibt es interessante Stellen zu entdecken. Für den Rundgang kann in der Broschüre „Stadtgeschichte vor Ort“ der Arbeitsgemeinschaft Stadtgeschichte Stuttgart mittels QR-Code ein umfangreiches Begleitheft heruntergeladen werden. Entlang des Weges liegen beispielsweise der Hof Scheef, eine Anlage aus dem 15 Jahrhundert, die denkmalgeschützte St. Barbarakirche und die Lourdesgrotte oder das altes Fährhaus mit seinen Hochwassermarken, das wegen der Neckarregulierung längst nicht mehr am Neckarufer steht, sondern durch einen Damm vom Fluss getrennt ist. Natürlich gehört zum Rundgang durch Alt-Hofen auch die einzige heute noch bestehende Burgruine auf Groß-Stuttgarter Markung, um die sich Sagen und Geschichten ranken. Erbaut wurde die Zwingburg derer von Hofen vermutlich im 12. Jahrhundert und ums Jahr 1633, im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden, zerstört. Bei diesem Anlass wurde auch der Ort geplündert und eingeäschert, wie auch die Pfarrbücher und die Urkunden. Als Herzog Carl Eugen anno 1753 Burgruine und Dorf Hofen um 28 000 Gulden erwarb, kam wieder Leben in die alten Mauern. Der damalige Adlerwirt beseitigte die Trümmer und richtete im Innenhof eine Gartenwirtschaft ein, die Schauplatz fröhlicher Feste war.
Wie überall gibt es auch um die Burg in Hofen Sagen. So erzählt man sich die Geschichte eines Edelfräuleins das wegen Hartherzigkeit, üppigem Lebenswandel und Hochmut verwünscht wurde. Wegen seiner grünen Schuhe wird es Grünpantoffel, im Volksmund „Greatöffele“, genannt. Die Sage wird seit 1987 während der närrischen Tage von den Scillamännle als Symbolfigur der Fasnet zum Leben erweckt und am Aschermittwoch wird das „Greadeffele“ wieder in die Gruft der Burgruine verbannt. Eva Herschmann