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Die Werbe-Ikone aus Kornwestheim: Lurchi lebt weiter

Lurchi, der kultige Salamander, begeistert seit Jahrzehnten mit Comics, Werbefiguren und seltenem Sammelspielzeug – weit über Kornwestheim hinaus.

So waren „Lurchi und seine Freunde“ in der Vitrine im Museum im Kleihues-Bau in der Sonderausstellung „Helden den Südwestens zu sehen. Foto: arc/Simon Granville
So waren „Lurchi und seine Freunde“ in der Vitrine im Museum im Kleihues-Bau in der Sonderausstellung „Helden den Südwestens zu sehen. Foto: arc/Simon Granville

Mit was bringt man Katja Ebstein in Verbindung? Natürlich mit dem Grand Prix, natürlich mit dem Eurovision Song Contest, natürlich mit einer Expertise zu Chansons und ihren Geschichten, sicher auch mit der Schauspielerei. Dass Ebstein aber auch Erzählerin für Lurchi-Geschichten war, das weiß sicher nicht jeder. Die gebürtige Schlesierin und Bundesverdienstkreuz-Trägerin hat im Jahr 2000 „Lurchi und seine Freunde im Herbstwald“ eingesprochen. Auch Oliver Mink gilt beispielsweise als bekannte Synchron- und Hörspielstimme. Er hat mehrmals Lurchi seine Stimme geliehen.

Von Sütterlin bis zur Ausgangsschrift

Wer in der Sonderausstellung „Helden des Südwestens“ im Kleihues Kornwestheim vor ein paar Jahren war oder auch schon mal im Museum der Alltagsgegenstände in Waldenbuch oder im Digitalen Museum Baden-Württemberg gestöbert hat, der weiß, dass man fast von einem eigenen Markt sprechen kann, der sich nur um Produkte rund um den gestiefelten Salamander - mal mit, mal ohne Tiroler Hut - dreht. Vor acht Jahren ist das erste Lurchi-Heft, erschienen vor 88 Jahren, von einem Kornwestheimer in Bietigheim Bissingen ersteigert worden.

Die Salamander-Schuhe, ein Lurchi zum Verbiegen oder ein musizierender Lurchi - keine Frage: das Amphib mit dem schwarz-gelben Muster ist ein populärer Werbeträger. Foto: Stadt Kornwestheim
Die Salamander-Schuhe, ein Lurchi zum Verbiegen oder ein musizierender Lurchi - keine Frage: das Amphib mit dem schwarz-gelben Muster ist ein populärer Werbeträger. Foto: Stadt Kornwestheim

Bei 10000 Euro fiel damals der Hammer. Aufgrund des fälligen Aufgeldes legte der Lurchi-Fan insgesamt 12 200 Euro für den Salamander-Comic hin. Anscheinend hat der Bruder des bisherigen Besitzers des Heftes im Jahr 1937 im Alter von einem Jahr seine ersten Schuhe genau in jenem Schuhhaus erhalten, samt Lurchi-Heft. Auf diesem „Gadget“ - wie man heute in der Werbesprache für ein kostenloses Geschenkeiner Firma sagt - ist auf dem Umschlag des Buchtitels in Sütterlin-Schrift, innen drin ist der Text in lateinischer Schreibschrift geschrieben worden. 

Allein zu den Schriften in den Lurchi-Magazinen könnte ein eigenes Kapital verfasst werden. Die vereinfachte Ausgangsschrift, die vor ein paar Jahrzehnten in baden-württembergischen Schulen Einzug fand, ist da ebenso zu finden wie die ganz normale lateinische Ausgangsschrift aus dem Jahr 1953, die vorwiegend im Unterricht beigebracht wurde.

Das Lurchi-Haus aus Pappe für Kleinkinder

Einen ganzen Schatz an Lurchi-Heften beherbergt das Wirtschaftsarchiv in Stuttgart-Hohenheim an der gleichnamigen Universität. Was aber ansonsten an Produkten und teilweise Skurrilitäten auf den Markt gekommen ist, das kann man auf der Internet-Seite Collection Heroes sehen, bei der Hobby-Forscher und -Sammler selbst recherchiert haben.

Ein wunderschönes Lurchi-Haus aus Pappe ist auf dieser Seite zu finden - wer hätte das nicht gern selbst gehabt? Auf 73 mal 83 mal 108 Zentimetern stand Kindern der Raum zum Spielen zur Verfügung. Sprich: es war für Kleinkinder gedacht. Aber der Clou war, dass man das Gefühl hatte, ein eigenes Domizil zu haben, wo der Igelmann einen Stapel Holzscheit mit Hilfe eines Grashüpfers und eines Käfers aufrichtet, Unkerich mit dem Feuerwehrschlauch schon für den Notfall bereitsteht und Lurchi und der erfinderische Zwerg Piping die Gäste an der Eingangstür beziehungsweise am Fenster über der Haustür empfangen.

Unternehmen aus der Region

Zeichner Dietwald Doblies hat die Zeichnungen angefertigt und das Häuschen war nie im Verkauf, sondern vor allem bei den so genannten Fußmesstagen in den Salamanderschuh-Filialen als attraktiver Preis zu gewinnen. Die Macher Collection-Heroes-Seite der schätzen auch wenn die Häuschen nur in einer limitierten Auflage hergestellt wurden - den Wert der zusammensteckbaren Elemente als mäßig hoch ein. Auf der Homepage heißt es: „Das Spielhaus hat einen Sammlerwert von etwa 70 bis 80 Euro (...). Durch die mäßige Nachfrage sind mit viel Glück auch Preise von 50 bis 60 Euro erzielbar.“

Bälle mit Farbverlauf und Illustrationen

Herausragend unter den Merchandising-Produkten waren weiterhin Bälle in allen Größen und mit sämtlichen Mustern oder Illustrationen bedruckt. Der vermutlich älteste Plastikball mit Lurchi-Motiv stammt aus Anfang der sechziger Jahre und zeigt den beliebten Feuersalamander mit seinem Akkordeon sitzend und musizierend. Das Key Visual von 1959 stammt aus der Feder von Heinz Schubel vom Cover des Hefts mit der Nummer 20. Ins Auge sticht aber auch der Gummi-Ball mit Durchmesser von 18 Zentimetern mit Regenbogen-Verlauf aus den achtziger Jahren, der Lurchi-Strandball mit fantastischen Illustrationen oder die Plastik-Jonglierbälle aus den siebziger Jahren.

Sämtliche Artikel und ihre Beschreibung findet man unter der Homepage www.collectionheroes.de .