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Teodor Currentzis’ Utopia Orchestra & Vilde Frang in der Liederhalle: Von Engeln und Titanen

Ein Konzertabend zwischen innerer Zartheit und großer Klangkraft, geprägt von starken Emotionen, persönlicher Tiefe und einer spannungsvollen musikalischen Dramaturgie.

Teodor Currentzis’ Utopia Orchestra & Vilde Frang in der Liederhalle: Von Engeln und Titanen

Alma Mahler-Werfel gehört zu den schillerndsten Frauenfiguren der Musikgeschichte: Gustav Klimt machte ihr den Hof, als sie gerade einmal 17 Jahre alt war, später hatte sie eine Affäre mit Alexander Zemlinsky und heiratete dann Gustav Mahler. Die Ehe war unglücklich, und sie ging eine Beziehung mit dem Maler Oskar Kokoschka ein, ehe sie dann 1915 den Architekten Walter Gropius heiratete. Von 1929 an war sie die Ehefrau des Schriftstellers Franz Werfel.

Ein Stück dieser außergewöhnlichen Biografie scheint musikalisch im Konzert auf, das am 27. Mai um 20 Uhr in der Liederhalle stattfindet. Auf dem Podium steht dann das Utopia Orchestra unter der Leitung von Teodor Currentzis (Foto oben), Solistin ist an diesem Abend keine Geringere als die Violinistin Vilde Frang.

Aber wo sind sie nun, die biografischen Bezüge? Am greifbarsten sind sie in Alban Bergs Violinkonzert, genannt „Dem Andenken eines Engels“. Damit ist Manon Gropius gemeint, die gemeinsame Tochter von Alma Mahler und Walter Gropius. Die junge Frau war 19-jährig an Kinderlähmung gestorben. Ein Tod, der die Wiener Gesellschaft erschütterte. Doch die Musik beschreibt etwas anderes, wie der Violinist Kolja Blacher einmal gesagt hat: „Das, was man erwartet von dem Stück, ist von A bis Z Trauer und Doloroso. Für mich stimmt das nicht. Für mich ist der erste Satz ein sehr fröhlicher Satz. Da wird das Mädchen beschrieben - eher in seiner Schönheit, als dass es um den Tod geht.“

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Am selben Abend erklingt Gustav Mahlers Symphonie Nummer 1 D-Dur „Der Titan“. Mahler wusste damals noch nichts von dem Schmerz, den er aufgrund der Verbindung von Walter Gropius mit Alma einmal erleiden würde und dem er in seiner 10., unvollendeten Symphonie, Ausdruck verleiht.

Ganz unabhängig von diesen persönlichen Hintergründen, setzen Teodor Currentzis und sein Ensemble mit diesem Programm ihren Mahler-Zyklus fort. Eine "hinreißende Interpretation“, pries die Süddeutsche Zeitung das ausverkaufte Konzert in München -„Teodor Currentzis ist ein Erlebnis“. Der kompromisslose, spirituelle, radikale Zugang zur Musik ist dem als Rebell der Klassikszene betitelten Griechen genauso wichtig wie die energetische Körpersprache. Die Neue Zürcher Zeitung schwärmte von Vilde Frang, die Bergs Klang-Hommage regelrecht „gepackt hat“. Die Norwegerin, als Jahrhunderttalent gefeiert, wird für ihren niemals effektheischenden, kraftvollen und ehrlichen Musizierstil bewundert. Der Name des Utopia Orchestra ist bewusst zukunftsorientiert gewählt, das Ziel dabei ist die Suche nach Klangperfektion. Es ist ein Forschen nach einem höheren Musikkosmos, den Gründer Teodor Currentzis auszuleuchten sucht.

Utopia Orchestra, Teodor Currentzis und Vilde Frang: 27. Mai, 20 Uhr, Liederhalle, 07 11 / 52 43 00, stuttgartkonzert.

Von Gabriele Metsker