Dass Musik weitaus mehr sein kann als nur ein genussvoller Zeitvertreib, lässt sich bei Konzerten gut beobachten: Das beweist die Pianistin Sophie Pacini bei ihrem moderierten Konzert. Die Trommler der japanischen Gruppe Kodo erwecken riesige Instrumente zum Leben, und die Schweizer Popsängerin Stefanie Heinzmann wagt ein Abenteuer mit einem berüchtigten Geiger.
Liebe auf den ersten Blick
Die Pianistin Sophie Pacini hat schon viele Preise bekommen. Am wichtigsten sind ihr indes ihre innige Verbindung zu ihrem Instrument und die Geschichten, die sich mit der Musik erzählen lassen.
Bei ihrem ersten Wettbewerb ist Sophie Pacini als Achtjährige mit Jeans, T-Shirt und Ballerinas aufgetreten und unterschied sich damit von den anderen, die mit Frack oder Tüllröckchen auf die Bühne kamen. Aber schon damals ging es der jungen Pianistin um die Musik- und um die Geschichten, die sie mit dem Konzertflügel erzählen kann. Denn der ist für sie nicht einfach nur ein Instrument, sondern ihr bester Freund, der jeden Abend ein Gute-Nacht-Küsschen bekommt. Der Erfolg hat ihr damals schon Recht gegeben. „Dieses Persönchen hat uns beeindruckt“, stand handschriftlich auf der Wertung der Gewinnerin.
Die Liebe zum Tasteninstrument war eine auf den ersten Blick. Eigentlich hatte sie als Sechsjährige nur ihren Vater zu einem Tag der offenen Tür einer Musikschule begleitet. Der Literaturprofessor wollte sich seinen Traum erfüllen und Klavierstunden nehmen. In der Musikschule standen aber nicht nur Klaviere, sondern auch Flügel. Eleganz, Erhabenheit und Unabhängigkeit, diese drei Attribute waren für die kleine Sophie ausschlaggebend und sind es bis heute. „Es war und ist ein Gefühl von Du und ich“, sagt sie. Ihre Liebe zur Ausstrahlung des Instrumentes, ihre innige Verbindung, ist geblieben.
„Sonst hätte ich meinen Werdegang sicher nicht überstanden“, sagt sie. Der Vater warf nach eineinhalb Jahren das Handtuch, Sophie spielte weiter, schon bald wurde ihre Hochbegabung entdeckt. Sophie Pacini wurde als „Young Artist of the Year“ bei den International Classical Music Awards, ICMA und mit dem ECHO Klassik in der Kategorie „Nachwuchskünstlerin des Jahres 2015 (Klavier)“ ausgezeichnet. Sie erhielt den Prix Groupe Edmond de Rothschild bei den Sommets Musicaux de Gstaad unter dem Juryvorsitz von Dmitri Bashkirov sowie den „Förderpreis Deutschlandfunk“ im Rahmen des Musikfests Bremen als „eine der größten Begabungen ihrer Generation“.
Von Anfang an hat Sophie Pacini auf der Bühne das Gefühl von Wärme geliebt, mit dem Publikum einen Moment zu teilen. Da ist der Kunstgenuss nur ein Teil dessen, was Musik zu schenken vermag. Das hat die temperamentvolle Pianistin mit den warmen, voller Energie blitzenden Augen, auch innerhalb ihrer eigenen Familie erfahren. Musik, das weißs sie, kann auch ein Rezept für Unterstützung im Alltag sein. Nicht ganz zufällig heißt also das neue Format, das sie bei SWR 2 moderiert„,Die Musiksprechstunde“.
Zu ihrem Konzert am 24. Februar in der Liederhalle bringt sie Werke von Frédéric Chopin, Franz Liszt und Alexander Skrjabin mit- und Geschichten, die für sie damit verbunden sind und die sie erzählt. „Warum habe ich dieses Stück ausgewählt und was verbinde ich damit?“ Das wird das Publikum erfahren. „,Lebensmomente teilen und gemeinsame Erinnerungen entstehen lassen“, das ist ihr wichtig. Sie möchte auch Menschen begeistern, denen klassische Musik vielleicht noch fremd ist. „Am Ende ist es nur musikalische Berührung. Aber es bedarf der Vermittlung.“ Tickets unter 07 11/52 43 00, stuttgartkonzert.de.
Gabriele Metsker