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Kaufleute sind gefragt

Fast für jede Branche gibt es eine kaufmännische Ausbildung - und die ist ein guter Start in die Arbeitswelt, denn die Möglichkeiten sind vielfältig.

Kaufleute sind gefragt

Vermittler zwischen Technikern und Kunden: Patrick Fink, Kaufmann für IT-Systemmanagement Foto: NIC Systemhaus GmbH

Wer kennt sie nicht, die Ausbildung zu Kauffrau oder Kaufmann in Industrie, Groß- und Einzelhandel oder etwa der Bank. Wer aber hätte gedacht, dass es sage und schreibe über 50 kaufmännische Ausbildungsberufe gibt? Sich über die Vielzahl der kaufmännischen Berufe zu informieren lohnt sich.

Kaufleute gibt es im Hotelmanagement, der Marketingkommunikation, im Gesundheitswesen, Sport- und Fitnessbereich oder Tourismus. Sie arbeiten aber ebenso beispielsweise in der Immobilienwirtschaft, im IT-System-Management oder im E-Commerce, um nur einige der Möglichkeiten aufzuzählen. „Im Wesentlichen gibt es so gut wie für jede Branche einen kaufmännischen Beruf“, weiß Barbara Keller, Ausbildungsberaterin für kaufmännische Berufe bei der IHK Region Stuttgart.

Immer neue Ausbildungsberufe

Die kaufmännischen Berufe gehen mit der Zeit. Angepasst an die Entwicklung und den Bedarf in Industrie, Unternehmen, Handwerk, werden bestehende Ausbildungsberufe überarbeitet und es kommen immer wieder neue hinzu. Die Digitalisierung ist in aller Munde, große wie kleine Unternehmen sind gefordert. Seit 2020 gibt es zum Beispiel die Ausbildung zur Kauffrau beziehungsweise zum Kaufmann für Digitalisierungsmanagement. Dieser Beruf vereint kaufmännische Fähigkeiten und IT-Fachwissen. Die Kaufleute für Digitalisierungsmanagement sind daher gefragt, wenn es in Unternehmen darum geht, IT-Lösungen zu entwickeln oder vorhandene für mehr Wirtschaftlichkeit und Effizienz zu optimieren. Auch beispielsweise IT-Sicherheit, Datenschutz und den Mitarbeitenden bei PC-Problemen helfen, steht auf ihrer To-do-Liste.

Antiquiertes Bild löst sich schnell auf

Großer Bedarf an Kaufleuten herrsche derzeit eigentlich überall, sagt Barbara Keller. Angesichts der sich ändernden Kaufgewohnheiten - wer hat nicht schon des Öfteren im Internet bestellt –, bieten sich beispielsweise sehr gute Einstiegschancen im E-Commerce. Kaufleute für E-Commerce verkaufen im Internethandel Güter und Dienstleistungen. Sie stehen im Kundenkontakt, wissen um die richtige Präsentation der Angebote im Onlineshop, können aber auch etwa die Online-Bezahlungssysteme einrichten und überwachen. Sie schalten Werbung und überprüfen den Erfolg von Marketingmaßnahmen.

Im Verlauf von Praktika in den Praxisalltag reinschnuppern, sich auf Berufsmessen informieren, rät Barbara Keller allen Interessierten. So manches antiquierte Bild, das man von den Kaufleuten habe, löse sich dann schnell auf, gehen doch alle kaufmännischen Berufe mit der Zeit. So hat sich beispielsweise auch die Tätigkeit der Bankkaufleute gewandelt. Den Einsatz am Schalter gibt es zwar noch immer, aber: „Die Beratung steht im Vordergrund, und die Finanzexperten begleiten ihre Kunden oft über Jahre hinweg“, erklärt Barbara Keller.

Kaufleute für IT-Systemmanagement

Angebote schreiben, der Kontakt zu den Kunden sein - Patrick Fink mag diese Aspekte seiner Ausbildung zum Kaufmann für IT-Systemmanagement besonders. Mit seinen 27 Jahren ist er nicht mehr der klassische Azubi, aber einer, der auch schon ein Studium ausprobiert und dort die Praxis vermisst hat. Und einer, dem sein ältester Bruder vorgemacht hat, was mit einer Ausbildung alles geht. „Der hat jetzt sein eigenes Geschäft und ist eigentlich erfolgreicher als meine Geschwister, die studiert haben“, sagt Fink. Ein Nerd braucht er für seinen Beruf nicht zu sein, die notwendigen Softwarekenntnisse bekommt er in der Berufsschule vermittelt. „Das Entscheidende als Kaufmann für IT-Systemmanagement - man fungiert als Vermittler und Übersetzer zwischen den Technikern und den Kunden“, erklärt Patrick Fink. Manchmal wissen die Kunden genau, was sie wollen, weit häufiger haben sie aber Beratungsbedarf von den Computern über das Betriebssystem bis hin zu den Netzwerken. Für Patrick Fink bedeutet das genau nachzufragen, sich selber schlau machen, kundenspezifische Lösungen erarbeiten, Anbieter recherchieren, schließlich das Angebot schreiben. „Mein Ziel ist der IT-Consultant“, sagt Fink mit Blick in die Zukunft, die für kaufmännische Fachleute im IT-Bereich wie ihn sehr gut aussieht.

Kommunikations- und Organisationstalent sind wichtig

„Eine Ausbildung ist immer ein guter Start in die Arbeitswelt und die in der Regel dreijährige, duale kaufmännische Ausbildung nie eine Sackgasse“, betont Ausbildungsberaterin Keller. Aufbauend auf dem erlernten kaufmännischen Beruf gibt es je viele Weiterbildungsangebote, die ganz nach Interesse zu einer stärkeren Spezialisierung führen können oder die Möglichkeit eröffnen, sich breiter aufzustellen. In der Regel ist ein mittlerer Bildungsabschluss gefragt. Wer keine so tollen Noten habe, solle sich aber trotzdem trauen, sich zu bewerben. „Wenn das Interesse für die gewählte Ausbildung wirklich da ist, schauen die Unternehmen nicht nur auf die schulischen Leistungen“, sagt Barbara Keller. Ein Mathegenie muss man als Kaufmann und Kauffrau übrigens nicht sein. Natürlich hat man es aber mit Zahlen zu tun, sollte schon rechnen können – mindestens so wichtig, wenn nicht gar wichtiger, sind Kommunikations- und Organisationstalent.