Über viele Jahrzehnte war das etwa 140 Hektar große Gebiet des heutigen Ostfilderner Stadtteils Scharnhauser Park für die meisten der Einwohner der umliegenden Dörfer und der späteren Stadt Ostfildern so unerreichbar wie der Mond. Erst mit dem Abzug der amerikanischen Truppen aus den Nellingen Barracks im Jahr 1992 und dem Kauf des bundeseigenen Teils des Geländes im Jahr 1994 durch die Stadt Ostfildern eröffnete sich die Chance, einen neuen, stadtplanerisch, architektonisch wie infrastrukturell modellhaften Stadtteil anzulegen.
Der "Schapa" genannte Stadtteil erwies sich für viele Menschen als attraktiv und wuchs rasch. Allerdings wurde bald schon klar, dass ein so großes Wohngebiet ohne gewachsene Strukturen und soziales Gefüge problematisch werden könnte. So initiierte die Stadtverwaltung 1998 einen Runden Tisch zur Benennung von Problemen und Entwicklung von Lösungsvorschlägen - die Geburtsstunde des Bürgervereins Die Schapanesen.
"Der Scharnhauser Park ist kein Dorf, keine gewachsene Gemeinde. Wir wollen deshalb helfen, die Menschen zusammen zu bringen, Kontakte zu knüpfen, gute nachbarschaftliche Verhältnisse und ein gutes Miteinander im Schapa aufzubauen", sagt Ulrike Weitz, die Vorsitzende des Bürgervereins.
Der Wunsch, sich zu vernetzen, sich für die Nachbarschaft einzusetzen und gemeinsam etwas zu bewegen, treibe viele der Vereinsmitglieder um, ergänzt Hartmut Weber, der Vizevorsitzende des Vereins. Für dieses Engagement müsse man „ein wenig das Helfersyndrom in sich tragen“, sagt er. Die Philosophie des Bürgervereins ermögliche es aber auch, Ideen einzubringen und zu versuchen, sie umzusetzen. "Deshalb macht der Verein auch so viele verschiedene Sachen. Manche Angebote sind im Projektstadium geblieben, viele andere sind erfolgreich", sagt Weber.
So würden etwa die Sport- und Bewegungsangebote sehr gut von Menschen angenommen, die nicht in einen der klassischen Sportvereine in der Stadt gehen wollen, das Filmkneiple und die Disco Groovtie Night seien ebenso gut nachgefragt wie die Vorstellungen der Amateurtheatergruppe Schapanack und Stadtteil und der Jungen Bühne Ostfildern (Jubo), einer eigenständigen Ausgründung theaterbegeisterter Jugendlicher, die Floh- und Adventsmärkte oder das Stadtteilfest.
Die Kronkorken-Sammelaktionen zugunsten des Fördervereins für krebskranke Kinder Tübingen und vor allem der Fairteiler für kostenlose gerettete Lebensmittel am Sophie-Scholl-Haus, den der Verein zusammen mit anderen Organisationen und Lebensmittelrettern betreut, hätten große Resonanz erfahren."Darüber sind einige Leute dazu gekommen, da hat sich einiges getan“, berichtet Weber.
Dies sei auch nötig. Wie viele andere Vereine wären auch die Schapanesen froh über einen Nachwuchs an Aktiven. "Viele Leute im Schapa kennen unsere Angebote, aber viele wissen auch nicht, dass es oft nur wenige sind, die die Sachen wuppen müssen. Da fragen die Leute etwa nach, warum das Stadtteilfest nur einen Tag geht, warum nur ein Tag lang Adventsmärktle ist, ob es nicht öfter im Jahr Disco geben könnte. Wenn wir ihnen dann sagen, dass sie das gern organisieren, vorbereiten, durchführen und die Verantwortung übernehmen können, wird es meist still", erzählt Ulrike Weitz.
"Man kennt uns, aber viele wissen nicht, was wir tatsächlich alles für den Stadtteil tun", ergänzt Weber. Weitere Mitstreiter, die sich für den Stadtteil und seine Menschen, für die Nachbarn, engagieren wollen, seien deshalb gern gesehen.

Die aktive Mitgestaltung des Scharnhauser Parks als lebendigen und lebenswerten Stadtteil sei jedoch bei weitem nicht nur mit Arbeit verbunden, berichtet Weber von der Motivation zum Engagement im Verein. "Wir leben in einem urbanen Quartier im Grünen, in einem besonderen Stadtteil, und es macht Spaß, das nachbarschaftliche Verhältnis der Menschen zu pflegen und auszubauen", sagt Weber, und Ulrike Weitz ergänzt dies mit einer persönlichen Note. "Ich mag Ostfildern, ich mag den Schapa und ich möchte, dass sich möglichst viele Menschen hier wohlfühlen und hier gerne leben."
Von Peter Stotz
Der Verein in Zahlen
Gründungsjahr 2000; Vorläufer war 1998 eine Diskussionsrunde zum Stadtteil
Altersstruktur ab etwa 40 bis 95 Jahre
Angebote Jeden zweiten Mittwoch im Monat offener Treff im Bürgertreff im Nachbarschaftshaus, Bonhoefferstraße 4; einmal monatlich Film-Kneiple im Bürgertreff; zweimal im Jahr Disco Groovetie-Night im Zentrum Zinsholz; Samstag vor dem 3. Advent Adventsmarkt; Kinder- und Schülerflohmarkt auf dem Stadtbahnplatz; Hofflohmarkt im gesamten Stadtteil; zweimal monatlich offener Spieleabend; Sport- und Bewegungsangebote; Amateurtheatergruppe Schapanack; Mitbetreuung Fairteiler; Kronkorken-Sammelaktionen; Stadtteil-Putzaktionen
Kontakt per Mail
info@schapanesen.de
https://schapanesen.de
pst
998 Menschen im Scharnhauser Park werden regelmäßig informiert, wenn im Fairteiler neue gerettete Lebensmittel ankommen und kostenlos abgeholt werden können.