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Wo die Beine nicht still bleiben– UFE Wernau

Das Ungarndeutsche Folkloreensemble in Wernau verbindet Tanztradition, authentische Trachten, Jugendarbeit und deutsch-ungarischen Kulturaustausch über Generationen hinweg.

Wo die Beine nicht still bleiben– UFE Wernau

Von klein an werden die Gruppentänze geübt. Später kommt der Paartanz (unten links) dazu. Fotos: UFE Wernau

Tänze können durch ein Leben lang begleiten. Beim Ungarndeutschen Folkloreensemble (UFE) in Wernau ist das so. Der Verein ist auch in der dritten Generation nach der Vertreibung vieler Deutscher aus Ungarn noch quicklebendig. Das Tanzen hält nicht nur körperlich und geistig fit und verbindet die Mitglieder, sondern dient auch der Völkerverständigung.

Die zweite Vorsitzende Maresa Huber mit ihrer Tochter Milena, und der Vorsitzende Michael Fritton legen Wert auf die Authentizität der Tänze und Trachten. Foto: Karin Ait Atmane
Die zweite Vorsitzende Maresa Huber mit ihrer Tochter Milena, und der Vorsitzende Michael Fritton legen Wert auf die Authentizität der Tänze und Trachten. Foto: Karin Ait Atmane

Das UFE hat familiären Charakter. Angesichts der überschaubaren Mitgliederzahl kennt man sich, teils sind auch ganze Familien vertreten. Man habe aber auch großen Zuwachs von Neumitgliedern, die keinen persönlichen Bezug zur Geschichte der Ungarndeutschen haben, sagt die stellvertretende Vorsitzende Maresa Huber: „Sie kommen einfach aus Spaß an der Bewegung.“ Die Bewegung hat es durchaus in sich, gemächliche Tänze sind die Ausnahme. Stattdessen sorgen herausfordernde Rhythmen und Sprünge dafür, dass der Puls rast und der Schweiß fließt. „Das ist schon Sport“, versichert Michael Fritton, der Vereinsvorsitzende. Mehr als fünf bis zehn Minuten „durchpowern“ seien da nicht drin, stellt seine Stellvertreterin fest. In die ungarndeutschen Tänze wirken Einflüsse beider Länder hinein, typisch sind Polka, Paartänze, Walzer und Landler. Diese Tradition bewahrt das Ensemble – als derzeit letzte verbleibende Tanzgruppe der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Baden-Württemberg, sagt Fritton. Aber das UFE geht darüber hinaus. „Wir suchen auch den Kontakt Richtung Ungarn“, erklärt der Vorsitzende. Drum gehören auch rein ungarische Tänze zum Programm. Sie seien schneller, feuriger, „versprühen mehr Lebensfreude“, erklärt Maresa Huber. „Da bleiben die Beine nicht still.“

Die Wernauer stehen im engen Austausch mit einer befreundeten Tanzgruppe im ungarischen Budapest, ihre Choreografin Marta Szell lässt sich zudem bei Reisen von der lebendigen Tanzszene dort inspirieren. So kommt es, dass die Wernauer manchmal mit ungarischen Tänzen in Ungarn auftreten: „Das bewegt die Menschen dort sehr“, sagt Maresa Huber. Umgekehrt sind auch immer wieder ungarische Gruppen in Wernau und der Region zu Gast. „Völkerverständigung ist für uns ein wichtiges Thema“, betont Fritton. Auch mit der Tanzgruppe Kränzlein aus Wernaus Partnerstadt Bonyhád bestehe ein lebendiger und regelmäßiger Austausch.

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Authentische Tracht

Neumitglieder kommen aber meistens aus einer anderen Motivation zur Gruppe: Sie haben das UFE bei einem seiner Auftritte gesehen und sind von den Tänzen fasziniert. Der Mix aus Paar- und Gruppentanz lässt „eine schöne Gruppendynamik entstehen“, sagt Huber. Und ein fröhlich-farbenfroher Anblick sind die Gruppen mit ihren fliegenden Zöpfen und Röcken allemal.

Die stimmige Ausstattung ist wichtig, zu jedem Tanz gehört die passende Tracht. „Es muss authentisch sein“, sagt Maresa Huber. „Das ist für uns absolutes Credo, dass man nicht irgendeinen Quatsch anzieht.“ Die Trachten werden teils nach Vorlagen und Bildern selbst gemacht, teils kommen sie von Freunden und Verwandten aus Ungarn. Der Nähtreff in der Stadtbücherei Wernau hat die Gruppe auch schon mit Accessoires versorgt, wofür sie sehr dankbar ist. Überhaupt spielen Accessoires eine große Rolle: Flechtfrisuren, Kopftücher, Schultertücher, Strumpfhosen, letztere auch bei 40 Grad Hitze. „Das ziehen wir durch“, sagt Huber. Die Folge ist, egal, wo der Auftritt stattfindet: „Wir reisen immer mit Koffern an.“

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Fotos: UFE Wernau
Fotos: UFE Wernau

Die wunderschönen Kleider samt Zubehör sind auch ein Mädchentraum. „Ich fühl mich da drin immer ein bisschen wie eine Prinzessin“, sagt Alisa. Die 15-Jährige tanzt schon lange und hilft jetzt zusammen mit Annika (14) den Trainerinnen in der Gruppe mit den Kleinsten ab drei Jahren. Hier geht es entspannt und locker zu, trotzdem sind mit Ringeltanz, Drehung um sich selbst oder paarweise schon wichtige Elemente dabei. Die Jungs haben offenbar ebenso viel Spaß wie die Mädchen, sind aber bei der Jugend generell in der Minderzahl. Verstärkung wäre willkommen. Auch bei den Erwachsenen schwächelt die männliche Seite ein wenig, obwohl die Tänzer eine gewichtige Rolle spielen. „Die sind schon eine Attraktion, vor allem, wenn sie platteln“, sagt Michael Fritton. Samuel Hauck, 28 Jahre alt, tanzt seit seiner Grundschulzeit. Dabeigeblieben ist er auch deshalb, weil man nicht stagniert, sondern sich mit den Tänzen immer weiterentwickelt, von der einfachen zu immer schwierigeren Schrittfolge. „Da ist eine große Steigerung möglich, das reizt mich“, sagt der 28-Jährige. Wichtig sei aber auch das Gruppenleben, man kenne praktisch alle im Verein.

Seit fast sieben Jahren ist Hauck auch Übungsleiter und trainiert zusammen mit einer weiteren Tänzerin die Acht- bis Zehnjährigen. Der Trainer-Nachwuchs kommt meistens aus den eigenen Reihen. „Wir legen einfach Wert auf die Kinder- und Jugendförderung“, sagt Maresa Huber. Derzeit sind vier nach Alter gestaffelte Kinder- und Jugendgruppen aktiv. Die „Auftrittsgruppe“ mit (jungen) Erwachsenen ist mit rund zehn Paaren am Start.

Von Karin Ait Atmane


Der Verein in Zahlen

Gründungsjahr 1971
Mitgliederzahl 85
Altersdurchschnitt 23,5
Frauenanteil 65 Prozent
Jüngstes/ältestes Mitglied 3/71 Jahre
Übungsstunden 1 bis 2 Mal pro Woche
Aktionen/Events Jahresausflüge, Familienfest, Gulaschfest mit Bühnenprogramm, Auftrittsreisen nach Ungarn, Tanzauftritte in der Region
Ehrenamtlich Tätige bei eigenen Veranstaltungen sind alle Mitglieder aktiv dabei
Trainingsräume in den Wernauer Schulen
Ansprechpartner Michael Fritton und Maresa Huber; anfrage@ufe-wernau.de www.ufe-wernau.de aia