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Boulefreunde Denkendorf: Boule spielen kann man in jedem Alter

Der Verein blickt auf erfolgreiche Zeiten zurück, während Senioren in der Hobbygruppe den Spaß am gemeinsamen Spiel mit den Kugeln an der frischen Luft genießen.

Boulefreunde Denkendorf: Boule spielen kann man in jedem Alter

Hinter der Albert-Schweitzer-Schule haben sich die Boulefreunde ihre Spielflächen und das Vereinsheim in Eigenregie hergerichtet. Fotos: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Boule ist ein Sport für jedermann: Man könne ihn in jedem Alter und mit mehr oder weniger Ehrgeiz betreiben, sagt Frank Naumann, Gründungsmitglied und seit 2010 Vorsitzender der Boulefreunde Denkendorf.

Die Städtepartnerschaft mit Meximieux nahe Lyon war der Auslöser, auch in Denkendorf einen Bouleverein zu gründen. 1996, bei den Feiern zum zehnjährigen Bestehen der Partnerschaft, präsentierten Spieler aus Meximieux auf einer provisorisch aufgeschütteten Boulebahn das Spiel, erinnert sich Naumann. „So wurden wir mit dem Boulevirus infiziert.“

Auf dem Gelände der Tennisplätze fand sich eine verwilderte Boccia-Bahn, die die Boule-Fans in Eigenregie herrichteten. 18 Denkendorfer Frauen und Männer gründeten im Dezember 1997 schließlich die Boulefreunde. Die Gemeinde verpachtete dem jungen Verein ein Gelände hinter der Albert-Schweitzer-Schule und wieder wurde in viel Eigenarbeit die erste Spielfläche mit zwölf Bahnen angelegt. Inzwischen verfügt der Verein über drei Spielflächen. 2001 krempelten die Vereinsmitglieder erneut die Ärmel hoch und bauten ihr Vereinsdomizil. Gerda Nording-Schröter, hiesige Künstlerin und Gründungsmitglied, verpasste dem Boulehäusle ein künstlerisches Design. Die Zahl der Mitglieder wuchs schnell, zu Hochzeiten waren es rund 120.

Boule sei kein aufwendiger und auch kein teurer Sport, sagt Naumann. „Man braucht Geschicklichkeit und Konzentration.“ Entscheidend ist, die Kugeln möglichst nahe an der „Schweinchen“ genannten roten Kugel zu platzieren. Als Ausrüstung genügt ein Set aus drei Metallkugeln, einem Lappen und einem Maßband. Für Wettbewerbe müssen die Kugeln mit einem Durchmesser von 70 bis 76 Zentimetern zwischen 680 und 800 Gramm schwer sein und sie brauchen eine individuelle Gravur, um sie von denen der Mitspieler zu unterscheiden. Und noch etwas mache die Attraktivität des Spiels aus: „Man muss nicht lange trainieren, die Wurftechniken kann jeder für sich selbst üben“, erklärt der Vorsitzende. Erlernen könne man Boule einfach beim Spielen mit anderen.

Spannend bis zum Schluss

Metallkugeln, Lappen und Maßband – damit sind Boulespieler wie Frank Naumann gerüstet.
Metallkugeln, Lappen und Maßband – damit sind Boulespieler wie Frank Naumann gerüstet.

Letztlich spiele auch das Glück eine große Rolle: „Spiele sind häufig lange nicht entschieden. Es bleibt also spannend bis zum Schluss.“ Derzeit spielen 17 Vereinsmitglieder auf Liga-Niveau: eine Mannschaft in der Oberliga, die andere in der Landesliga. Von zahlreichen sportlichen Erfolgen zeugt die stattliche Reihe an Pokalen, die ein Bord im Vereinsdomizil füllen. Gespielt wird das ganze Jahr hindurch. Die „Winterrunde“, in der sich Denkendorf mit sechs anderen Vereinen aus der Umgebung misst, habe man mit ins Leben gerufen, sagt Naumann. Von April bis Oktober läuft die „Sommerrunde“. „Auch ohne Lizenz kann man wunderbar Boule spielen“, betont der Vereinsvorsitzende.

Auch wer rein zum Spaß die Kugeln rollen lassen will, ist bei den Boulefreunden richtig. An diesem Nachmittag trifft sich wie jeden Donnerstag die Hobbygruppe, die hauptsächlich aus Seniorinnen und Senioren besteht. Da geht es weniger um Punkte, als um das Miteinander. „Ich habe keine sportlichen Ambitionen, mir geht es um den Spaß“, sagt Eleonore Kröcker (76). Auch Wolfgang Rett (76) und seine Frau Monika sind nicht wegen der Leistung hier. „Bei uns spielt es keine Rolle, ob man gewinnt oder verliert. Hauptsache, wir haben genug miteinander gelacht“, sagt die 75-Jährige. Auch die erst vor kurzem zur Gruppe gestoßene Anja Poremba (82) schätzt diese Einstellung: „Ich lerne immer noch und hier ist mir niemand böse, wenn ich danebenschieße.“ Jürgen Bauder war sein ganzes Leben lang sportlich aktiv und schätzt die Bewegung an der frischen Luft .„Jetzt kann ich viele Sportarten nicht mehr machen“, bedauert der 83-Jährige. Doch Boule gehe noch. Dass man sich dabei konzentrieren müsse, tue auch im Alter gut, ist sich die Gruppe einig.

Unternehmen aus der Region

Zwei Großturniere stellen die Denkendorfer jährlich auf die Beine: Im Juli die „Semi-Nocturne“, die traditionell erst am Spätnachmittag oder Abend beginnt, und das Hobbyturnier im Oktober. Das allerdings muss in diesem Jahr ausfallen. „Es fehlen uns schlicht die Bewirtungshelfer“, erklärt Naumann. Dabei sei gerade die Bewirtung bei Veranstaltungen die einzige Einnahmequelle des Vereins.

Es werde immer schwieriger, die Mitglieder zur Mitarbeit zu motivieren. Dabei gibt es auf dem Gelände immer was zu tun. Die Bahnen müssen instandgehalten und ständig von Unkraut befreit werden. Zudem fand sich bei der letzten Mitgliederversammlung kein zweiter Vorsitzender, der laut Satzung aber erforderlich sei. Und so zieht Naumann die Möglichkeit in Betracht, die Eigenständigkeit aufzugeben und sich einem anderen Denkendorfer Verein anzuschließen. Doch noch hoffe er, dass sich die derzeit prekäre Situation wieder bessere.

Wie viele Vereine leiden die Boulefreunde unter Nachwuchsmangel. Vorbei die Zeiten, als eine Jugendgruppe existierte. Um Jugendliche für den Sport zu interessieren, bietet der Verein in den Sommerferien Schnupperboule an. Interessierte, egal welchen Alters, seien bei den Boulefreunden jederzeit willkommen, betont Naumann.

Von Ulrike Rapp-Hirrlinger


Der Verein in Zahlen

Gründungsjahr 1997

Mitglieder 53 (31 Männer, 22 Frauen)

Altersspanne 55 bis 90 Jahre

Lizenzspieler 17

Anlage 3 Bouleplätze, insgesamt 32 Bahnen

Spielzeiten Dienstag und Donnerstag, 18 bis 21 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 13 Uhr

Training Dienstag und Donnerstag im Wechsel, Hobbygruppe: im Sommer donnerstags 14.30 bis 16.30 Uhr (Winter: 14 bis 16 Uhr)

Mitgliedsbeitrag 40 €/Jahr

Besondere Veranstaltungen Hobbyturnier im Oktober, Semi-Nocturne im Juli, Schnupperboule für Jedermann in den Sommerferien immer donnerstags von 17 bis 19 Uhr, Französische Spezialitäten beim Schlehenfest und Crêpe-Stand beim Weihnachtstreff der Gemeinde

Vereinsheim / Bouleplätze Lenaustraße 3, hinter der Albert-Schweitzer-Schule,

Kontakt Frank Naumann, Telefon 0163 6286266, frank.naumann@boulefreundedenkendorf.de https://boulefreunde-denkendorf.de
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