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Bürgerverein in Wendlingen: „Wir bringen Menschen zusammen“

Bürgerverein im Aufschwung: Vielfältige Projekte wie Repair-Café, Bürgerbus und Bücherschränke sowie wachsendes ehrenamtliches Engagement, soziale Treffpunkte und nachhaltige Initiativen

Bürgerverein in Wendlingen: „Wir bringen Menschen zusammen“

Im Repair-Café des Bürgervereins wird alle zwei Wochen an defekten Geräten getüftelt.

Ein Freitagnachmittag in der Stadt Wendlingen: Vor der Türe des ehemaligen Notariats bildet sich eine kleine Menschenschlange, während nebenan fröhlich das Flüsschen Lauter plätschert fangen die Leute an zu plaudern. Manche kennen sich, manche auch nicht - was sie eint: Alle haben irgendwelche Sachen unter dem Arm, teils im Karton teils ohne, die Palette reicht von einem Staubsauger-Roboter über eine Kaffeemaschine bis hin zu zerrissenen Jeans. Ihr Ziel: das Repair-Café des Wendlinger Bürgervereins. 

Rund 20 Reparaturen werden im Schnitt pro Termin durchgeführt, repariert wird alles was man tragen kann. Und zwar gegen Spende, eine Ausnahme sind Ersatzteile, die extra besorgt werden müssen. „Rund 70 Prozent aller Dinge bringen wir wieder zum Laufen“, erklärt Klaus Oswald. Er teilt sich mit Manfred Klumb seit November 2021 den Vorstandsposten - seitdem haben die beiden Elektro-Ingenieure im Ruhestand viel ins Rollen gebracht.

Dabei sah es Anfang der 2000er ziemlich düster für den 1980 gegründeten Verein aus, der damals gleich zwei Mal vor seiner Auflösung stand. Entstanden war der Verein aus einer Protestbewegung heraus: Eigentlich sollte der Autobahnparkplatz im Rübholz auf beiden Seiten der A8 gebaut werden, für mit 49 Mitgliedern begann, hat sich zu einer wichtigen sozialen Institution in Wendlingen entwickelt, die von vielen unterschiedlichen Menschen frequentiert wird. Aktuell zählt der Verein 130 Mitglieder, die Tendenz ist steigend.

Initialzündung war ein Info-Markt im März 2022, bei dem aktiv neue Mitstreiter etwa für ein Repair-Café, das Projekt Stolpersteine, die offenen Bücherschränke, Stadtrundgänge, den Bürgerbus oder die Organisation von Ausflügen gesucht wurden. „Beim Info-Markt haben uns die Leute die Bude eingerannt“, staunt Oswald immer noch ein bisschen. Weit über 100 Rückmeldungen kamen auf die Vorschläge. „Wir dachten, wenn wir es schaffen zwei oder drei Themen umzusetzen, wäre es super. Aber letztlich haben wir Menschen für alle Projekte gefunden, daraus sind dann unsere Gruppen entstanden“, erinnert sich Klumb.

Und wer ist nun ein typisches Bürgerverein-Mitglied? „Ein Neu-Rentner, der oder die eine neue Freizeitbeschäftigung sucht“, erklärt Oswald. Dabei ist es nicht zwingend, selbst in der Stadt zu wohnen: „Wenn jemand an Wendlingen interessiert ist, noch was bewegen will und teamfähig ist, ist er oder sie herzlich willkommen“, ergänzt Klumb.

Aber auch ein paar jüngere Gesichter gibt es im Bürgerverein etwa Finanzvorstand Tanja Schindler. Die 39-Jährige war 2020 nach Wendlingen gezogen. „Mitten im Lockdown“, sagt sie - der Info-Markt wurde zum Aha-Erlebnis: „Über den Bürgerverein haben wir unseren neuen Wohnort erst richtig kennengelernt.“ Oder Anna Meißner, die von sich selbst sagt, früher kein „Vereinsmeier“ gewesen zu sein: „Im Gegenteil, ich bin immer viel umgezogen.“ Über die Ausflüge knüpfte die 38-Jährige erste Kontakte. Und als zweifache Mutter hat sie gleich ein neues Projekt angestoßen: Einen regelmäßigen Treff für Lego-Liebhaber zum Bauen, Schwätzen und Spielen, in den Räumlichkeiten des Bürgervereins: „Wir wollen vorhandene Synergien als niederschwelliges Angebot für Familien nutzen.“ Starten soll das Projekt noch in diesem Frühjahr.

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„Wichtig für den sozialen Zusammenhalt in der Stadt“

So viel Engagement bleibt nicht unbemerkt: „Der Bürgerverein besetzt viele Themenfelder in der Stadt und steht für herausragendes bürgerschaftliches Engagement“, zollt Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel der Initiative Respekt: „Vieles davon ist für den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt nahezu unverzichtbar, wie etwa der Bürgerbus. Anderes, wie Stolpersteine oder Bücherschränke erfüllen Aufgaben, die hauptamtlich für uns in der Verwaltung nicht zu bewältigen wären.“ Für Weigel ist längst der Bürgerverein ein enorm wichtiger Baustein der Stadtgesellschaft. 

Zurück zum Repair-Café - am Saugroboter wird noch getüftelt, die zerrissenen Jeans sind gekürzt und dank einer neuen Dichtung blubbert der Kaffeeautomat auch wieder. Obendrein sind die obligatorischen Tabletts mit Selbstgebackenem sichtlich leerer geworden. „Manche Leute kommen nur auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen her, das Repair-Café hat sich zum Quartierstreff entwickelt und erfüllt damit eine wichtige soziale Komponente in der Stadt - wir bringen Menschen zusammen“, resümiert Oswald stolz.

111 Veranstaltungen hat der Wendlinger Bürgerverein in diesem Jahr geplant - die Palette reicht vom Repair-Café über den Bürgerbus-Stammtisch und Stadtführungen bis zur Teilnahme am Vinzenzi-Festumzug und an der Langen Nacht der Demokratie in Wendlingen.

Der Verein in Zahlen

Gründungsjahr 1980

Mitglieder 130

Mitgliederstruktur Der Altersschnitt liegt bei ungefähr 65 Jahren, wobei sich Frauen und Männer die Waage halten. Das jüngste Mitglied ist aktuell 33 Jahre alt, das älteste 97 Jahre alt.

Motto „sozial, nah dran, nachhaltig“

Projekte Bürgerbus, Stolpersteine, Repair-Café, Bürgergärten, Ausflüge, Mein Wendlingen (geführte Stadtrundgänge), Miteinander - über den Tellerrand gemeinsam kochen, offene Bücherschränke, Textil-Café

Mitmachen Interessierte sind herzlich willkommen, eine Vereinsmitgliedschaft ist nicht erforderlich.

Ansprechpartner Manfred Klumb Telefon 07024/927 17 47 oder Klaus Oswald Telefon 07024/28 10 oder Mail an: kontakt@buergervereinwendlingen.de

Weitere Informationen gibt es auf www.bürgervereinWendlingen.de Dort sind auch die direkten Projekt-Ansprechpartner aufgeführt. kd

Von Kerstin Dannath