Der Tau liegt auf dem Fußballrasen, die Sonne scheint, Vögel zwitschern. Nach und nach füllt sich die Halle neben den Fußballplätzen mit den ersten Nutzern dieses Tages. Heute trainiert die noch junge Inklusionsmannschaft des Sport-Clubs (SC) Altbach. Manche Kinder laufen sofort los und schießen einen Ball Richtung Tor, andere kommen vorsichtig mit ihren Eltern über den Platz. Überall wird sich herzlich begrüßt, umarmt, gefeixt. Sportangebote für Kinder und Jugendliche mit Handicap sind selten. Oft geht es bei vielen Vereinen schon in jungen Jahren um den sportlichen Wettbewerb. Kinder, die eine gesundheitliche Einschränkung haben, haben dann das Nachsehen. Dass sie jedoch wie ihre Altersgenossen Spaß am Sport haben, wird regelmäßig beim Fußballtraining der Inklusionsmannschaft deutlich.
Bis 2025 kein Angebot für Kinder und Jugendliche mit Handicap
Das Angebot gibt es seit April 2025 und erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit, berichtet Trainer Gaetano Protomastro. Er hat die Idee in die Tat umgesetzt. Hintergrund war, dass ihn das Verhalten manch eines Jugendspielers des Vereins gegrämt hatte. Unregelmäßiges Erscheinen zum Training oder sogar das Verpassen von wichtigen Spielterminen haben den langjährigen Jugendtrainer immer wieder geärgert. Und gleichzeitig habe es Kinder und Jugendliche mit Handicap gegeben, die gerne Fußball gespielt hätten, für die es aber kein Angebot in der kleinen Gemeinde gegeben habe, erinnert sich Protomastro. So sei die Idee der Inklusionsmannschaft entstanden. Beim ersten Inklusionstraining sind zwei Kinder gekommen.
Das Angebot hat sich aber rasch herumgesprochen. Inzwischen seien es fast 20 Kinder und Jugendliche, die regelmäßig kämen, ergänzt Vereinsvorstand Stephan Schnabel. Die Familien kämen aus der ganzen Region. Das Angebot werde gut angenommen und solle ausgebaut werden.
Zum ersten Mal ist an diesem Samstagvormittag Nina Leicht mit ihrem Sohn Valentin (11) dabei. Der Junge hat das Downsyndrom. "Es macht ihm total Spaß“, sagt Leicht über das Fußballspielen. Die Familie wohnt in Fellbach. Ein Fußballangebot für Kinder mit einer Behinderung zu finden, das sei nicht einfach, berichtet Leicht. Von dem Angebot in Altbach habe sie von anderen Familien gehört. Ein gutes Netzwerk und der Austausch von Informationen sei wichtig, betont die Mutter. Auch das ermöglicht das Fußballtraining in Altbach.
Die Eltern können ihre Kinder in der Regel nicht beim Training allein lassen, auch wenn der Verein mit vielen Ehrenamtlichen nahezu eine Eins-zu-Eins-Betreuung anbietet. Auf der Seitenbank sitzen die Eltern während des Trainings beisammen und kommen ins Gespräch. "Ich bin gerne hier, weil man Leute trifft“, sagt Spielermutter Nina Leicht. Denn oft stelle sich zuhause die Frage, was man denn in der Freizeit unternehmen könne. Die Gelegenheiten, das Kind etwas mit anderen Kindern erleben zu lassen, seien selten. Und: "Bewegung ist immer gut“, sagt Leicht. Nicht-inklusive Angebote könnten oft nicht wahrgenommen werden. Meist fehle es weniger am guten Willen, meint die Mutter. Es sei aber zuweilen einfach nicht die notwendige Erfahrung vorhanden, dass Kinder mit einer Behinderung spezielle Bedürfnisse hätten, mehr Aufmerksamkeit benötigten.
In Altbach ist das anders. Und es ist nicht allein der Sport, der die Spieler begeistert. Es ist auch das Vereinsleben, die Gemeinschaft über den Fußballplatz hinaus. Die ersten Sportanzüge mit dem Vereinslogo sind vor wenigen Wochen gekommen und werden mit stolz getragen. Dass das Training etwas anders als bei anderen Kinderfußballmannschaften abläuft, wird beim genaueren Hinsehen deutlich. Wer einmal eine Pause braucht, darf sich einfach hinsetzen. Außerdem hat hier jeder Verständnis dafür, wenn das Training nicht immer wahrgenommen werden kann. Und es wird nicht ausschließlich Fußball gespielt. Es gibt auch einen Balancierbalken und andere Sportangebote zum Aufwärmen - bis zum Anpfiff.


Dann wird es wild. Die Spielregeln werden zwar eher flexibel ausgelegt. Doch irgendwie funktioniert das Spiel trotzdem. Es geht darum, dass alle Spaß und Ballkontakt haben, vielleicht sogar aufs Tor schießen können. Auf dem Platz in Altbach wird deutlich, was im Fußball manchmal wichtiger ist als Ergebnisse, Siege und Tabellenplätze. Hier lernen Kinder und Jugendliche, dass jeder dazugehören kann.
Trainiert wird 14-tägig am Samstagvormittag auf dem Sportplatz oder in der Halle in Altbach. Die Trainingstermine sind auf der Homepage des SC Altbach abrufbar. Trainiert wird mit Kindern mit Handicap von 8 bis 14 Jahre. Eltern und Geschwister sind ebenfalls willkommen.
Von Philipp Braitinger
910 Liter
Kölsch wurden beim vergangenen Elfmeter-Turnier ausgeschenkt.
Der Verein in Zahlen
Gründungsjahr 1919
Mitgliederzahl 550, davon etwa 40 Prozent Kinder und Jugendliche
Durchschnittsalter 32,5 Jahre Jüngstes/ältestes Mitglied 4/93 Jahre
Besondere Aktionen SCA-Besen / Aktiven-Ausflug - immer in Verbindung mit einer Stadionführung seit 15 Jahren / Dorffest/ laut Verein "eines der besten Elfmeterturniere im Umkreis": immer 44 Teams sind am Start; das Turnier im September 2026 ist bereits jetzt ausgebucht / Sommerfest Jugend /Weihnachtsmarkt
Ehrenamtlich Tätige 50 Männer und Frauen
Vereinsheim Clubheim in der Esslinger Straße 106 bei den Fußballplätzen in Altbach, jeden Donnerstagabend geöffnet
bra