Die Teilorte von RSKN sind trotz dichter Bebauung umgeben von viel Grün und landwirtschaftlicher Fläche. Mit den Landfrauen ist ein Verein fest etabliert, den manche eher mit biederen Kaffeekränzchen für Bauersfrauen irgendwo im Dorf in Verbindung bringen, als mit einem modernen Angebot der Erwachsenenbildung.
Gegründet 1958 im einstigen Café Hägele in Rüdern war es bereits damals das Anliegen der ersten Generation der Engagierten, das antiquierte und reichlich verzopfte Image loszuwerden, das den Bemühungen um Bildungsangebote für Frauen im ländlichen Raum anhaftete. „Wir waren früher kaum in der Öffentlichkeit, viele Leute haben nicht viel von uns gewusst, und man hat uns vielleicht mit Kuchenbacken, Kaffeetrinken und Tratschen zusammen gebracht“, erzählt Gertrud Fingerle, die von 1973 an 30 Jahre lang Vereinsvorsitzende war.
Dieses Bild in der Öffentlichkeit stammte noch wesentlich aus der Nazizeit. 1933 waren die seit Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Vorläuferorganisationen der Landfrauen, die für unabhängige Frauenbildung engagierten landwirtschaftlichen Hausfrauenvereine, aufgelöst und in den Reichsnährstand eingegliedert worden. Die Neugründung ab 1946 als Landfrauenvereine war wesentlich das Anliegen von Marie-Luise Gräfin Leutrum von Ertingen, einer württembergischen Vorkämpferin für die gleichberechtigte Bildung von Frauen im ländlichen Raum. „Von Anfang an war es wichtig, dass wir Landfrauenvereine für die Erwachsenenbildung da sind und dass wir dafür das Wissen und die Erfahrungen von Frauen in der Stadt und im ländlichen Raum zusammenbringen müssen“, erläutert Marianne Scherrieble, eine der amtierenden Vorsitzenden der Landfrauen ES-RSKN.

Wie ihre Vorstandskollegin Katrin Danner erzählt, ist das Selbstverständnis des Vereinslebens bei den Landfrauen schon längst nicht mehr ausschließlich von der Landwirtschaft geprägt. „Man definiert heute Landfrauen anders. Jede Frau, die im Dorf lebt oder in einer Stadt mit einem ländlichen Bezug wie bei uns, ist eine Landfrau“, erklärt sie. In RSKN seien es gleichwohl noch einige, die Landwirtschaft betreiben, meist im Nebenerwerb mit Weinund Gemüsebau, auch Obst und Beeren.
Doch die Themen der Frauenbildungsarbeit hätten sich gewandelt. Gemäß dem Leitthema des Landfrauen-Landesverbands „Miteinander Zukunft gestalten“ gehe es nicht um Hausarbeit, Kindererziehung oder Kuchenrezepte. Es stehen naturkundliche Vorträge und Angebote zum Umweltschutz und zur politischen Bildung auf dem Programm. „Wir sind viel moderner geworden. Wir bieten Weinproben und Exkursionen an, aber auch Veranstaltungen zu Frauenrechten und Frauenfeindlichkeit, Demokratiebildung und Demokratiestärkung. Das sind Themen, die alle Frauen interessieren sollten“, sagt Danner. Die Ortsgruppe ist auf Social Media aktiv, eine Frau macht Kurzfilme über die Landfrauen und stellt sie ins Internet. „Wir sind vielseitig“, freut sich Katrin Danner. Die Vorträge und Informationsveranstaltungen finden im Bürgerhaus RSKN statt und sind regelmäßig gut besucht, berichtet Marianne Scherrieble. „60 Leute sind eigentlich die Regel, wenn es mal nur 40 Besucher werden, sind wir leicht enttäuscht.“
Für Gertrud Fingerle ist neben der Bildung und den Informationen noch ein Aspekt bedeutend: „Der Austausch ist wichtig, dass man voneinander weiß, sich treffen kann. Wir waren früher kaum sichtbar. Heute können wir jüngere und ältere Frauen zusammenbringen und voneinander lernen.“ Es gehe darum, Erlebnisse und Anekdoten, aber auch das Wissen der Zeitzeugen zu bewahren, die Generationen zu verbinden und Möglichkeiten der gegenseitigen Unterstützung aufzuzeigen. So könne die Gemeinschaft im Ort erlebt und gefördert werden.
So bieten die Landfrauen neben den großen Veranstaltungen einen Strick- und Nordic Walking-Treff sowie ein Frauenfrühstück an, verabreden sich zum Kuchenbacken oder Marmeladekochen. Die Beteiligung an der Jubiläumswoche der Esslinger Weingärtner im Juni, ein Sommerhock im August und am Stadtjubiläum 2027 sind geplant. Überdies gebe es eine sehr gute Gemeinschaft der Vereine im Ort“, berichtet Marianne Scherrieble. Es gebe viele gute Kontakte untereinander „und keine Konkurrenzen. Wir ergänzen uns sehr gut.“
Die Bemühungen um eine Modernisierung des Bilds von den Landfrauen, ihrer Inhalte und ihrer Öffentlichkeitsarbeit hat Früchte getragen. „Wir müssen uns wie viele andere Vereine mit drohendem Mitgliederschwund und Überalterung beschäftigen. Aber wir haben keine Nachwuchssorgen - unser Nachwuchs ist eben 60 Jahre und älter“, erzählt Katrin Danner. Da mache sich die Neuzeit bemerkbar, viele Frauen seien berufstätig und würden sich erst nach dem Renteneintritt engagieren. Dennoch: RSKN sei für künftige Aufgaben gerüstet, anders als die Gruppen in Mettingen und Wäldenbronn, die wegen fehlenden Nachwuchses aufgegeben haben oder der Ortsverein Esslingen, der 2024 bei den Landfrauen RSKN unterschlüpfte. „RSKN hält die Fahne in Esslingen hoch. Wir sind zuversichtlich, was die Zukunft betrifft“, sagt Danner.
Von Peter Stotz
Verein in Zahlen
Gründung 17. Februar 1958, 23 Mitglieder
Mitgliederzahl 160 Mitglieder, darunter einige Männer passiv, ohne Stimmrecht
Jüngstes/Ältestes Mitglied 43/95 Jahre
Altersdurchschnitt 78,2 Jahre
Ehrenamtliche erweiterter Vorstand mit elf engagierten Ehrenamtlichen
Veranstaltungen regelmäßige Stricktreffen, Nordic Walking und Frühstückstreffs; monatliche Vorträge, unterhaltsame Veranstaltungen, Sommerhock, heimatkundliche Exkursionen und Ausfahrten. Beteiligung am Esslinger Weinwandertag, an der Jubiläumswoche der Esslinger Weingärtner im Juni 2026, am Esslinger Stadtjubiläum 2027. Unterstützung der EZ-Weihnachtsspendenaktion und der Vesperkirche.
Treffpunkt meist im Bürgerhaus RSKN
Kontakt Katrin Danner: Tel. 0173 6959637 oder katrin.danner.kd@gmail.com; Marianne Scherrieble: Tel. 0711 324303 oder marianne.scherrieble@web.de
Verein rsknLandfrauen@web.de pst