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Melatonin-Sprays: Kaum Nutzen, viele Mängel

Ein Spritzer für besseren Schlaf? Darauf hoffen viele, die zu Melatoninpräparaten greifen.

Guter Schlaf ist sehr wichtig. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Guter Schlaf ist sehr wichtig. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Schlafmittel mit Melatonin boomen. Doch ein aktueller Test von 19 frei verkäuflichen Melatonin-Sprays zeigt: Die meisten Produkte bieten gesunden Menschen mit Schlafproblemen kaum Nutzen, bergen aber gesundheitliche Risiken, heißt es in der aktuellen Ausgabe von „Öko-Test“ (10/2026). 16 der getesteten Präparate wurden mit „Mangelhaft“ oder „Ungenügend“ bewertet. Lediglich drei Sprays erhielten die Note „Ausreichend“.

Das Hormon Melatonin wird vom Körper zur Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus gebildet. Als Arzneimittel ist es in bestimmten Fällen zugelassen - etwa für Menschen über 55 mit Ein- und Durchschlafstörungen oder für Kinder mit speziellen Erkrankungen, denen es zeitlich begrenzt verordnet werden kann. 

Anders sieht es bei Nahrungsergänzungsmitteln aus: Diese dürfen bei einer Tagesdosis bis zu 1 Milligramm beworben werden, ohne als Medikament zu gelten. Doch der Nutzen für gesunde Anwender ist laut einem von „Öko-Test“ in Auftrag gegebenen, wissenschaftlichen Gutachten gering: Die Einschlafzeit verkürzt sich dem-zufolge im Schnitt um nur sieben Minuten.

wie Gleichzeitig warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor möglichen Melatonin-Nebenwirkungen Benommenheit, verminderter Aufmerksamkeit oder Gangunsicherheit auch bei kurzzeitiger Einnahme und Dosierungen unter 1 Milligramm. 

Langzeitrisiken, etwa für Kinder oder Menschen mit Diabetesrisiko, gelten als unzureichend erforscht. Besonders kritisch: In über der Hälfte der getesteten Sprays wichen die gemessenen Melatoningehalte deutlich von den Deklarationen ab. Einige Produkte überschreiten damit nach Einstufung einiger Kontrollbehörden die Grenze zum Arzneimittel.

Hinzu kommt, dass viele Anbieter wichtige Warnhinweise - etwa für Risikogruppen wie Kinder, Schwangere oder Menschen mit Autoimmunerkrankungen - nicht oder nurunvollständig aufführen. „Wichtige Infos fehlen auf allen Melatonin-Sprays - hier sparen die Anbieter an der falschen Stelle zum Nachteil des Verbrauchers“, so Christine Throl von „Öko-Test“.

Unternehmen aus der Region

Sparen könnten sich etliche Präparate hingegen pflanzliche Zusätze wie Passionsblume oder Hopfen, die in über der Hälfte der Sprays enthalten sind: Sie verbessern laut aktueller medizinischer Leitlinie zu Schlafstörungen die Wirksamkeit nicht nachweislich. Dennoch werben manche Hersteller weiterhin mit nicht belegten Aussagen.

Nicht nur die Öko-Tester finden Melatoninpräparate für Kinder problematisch. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor leichtfertigem Umgang, die Einnahme könne die sonst recht stabile innere Uhr durcheinanderbringen und Einfluss auf Hormone haben. dpa/tmn